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1200 Besucher beim restaurierten Schamoni-Film „Caspar David Friedrich“

Im Rundkino: 1200 Besucher beim restaurierten Schamoni-Film „Caspar David Friedrich“

Im Rundkino haben sich 1200 Besucher den restaurierten Schamoni-Film „Caspar David Friedrich“ angeschaut. Der Ansturm am Montagabend war zwar zu erwarten, aber mit solcher Heftigkeit nun auch wieder nicht. So wurde außer dem großen Saal noch ein weiterer Filmsaal zur Verfügung gestellt.

Im Rundkino haben sich 1200 Besucher den restaurierten Schamoni-Film „Caspar David Friedrich“ angeschaut

Quelle: CDF Film Schamoni

Dresden. Wenn die Familie Hirsch zu einem Treffen ruft, dann kommen alle. Weil immer etwas Spannendes dahinter steckt. Und man trifft sich auch mal wieder, zu gegebenem Anlass. Der Ansturm auf das Rundkino am Montagabend war zwar zu erwarten, aber mit solcher Heftigkeit nun auch wieder nicht. Rund 1200 Gäste - dafür wurde außer dem großen Saal noch ein weiterer Filmsaal zur Verfügung gestellt - haben das Kino geradezu im Sturm erobert. Und ganz offensichtlich ist im Erleben des Abends auch keiner enttäuscht nach Hause gegangen. Außer jenen, die dennoch keinen Platz fanden. Für diese und andere Neugierige aber gibt es am 20. März, Beginn 20 Uhr, eine weitere Chance im Rundkino.

Die Familie Hirsch hat gerufen... Diesmal war es vor allem Konrad Hirsch, der seit einigen Jahren das Schamoni-Archiv in München kenntnis- und ideenreich aufgebaut hat, den filmischen Nachlass des bekannten Regisseurs Peter Schamoni (1934 - 2011) auch weiter hegt und pflegt. Und Konrad Hirsch hat ebenso dafür gesorgt, dass der sehr besondere Schamoni-Film „Caspar David Friedrich - Grenzen der Zeit“ in Dresden wieder zur Aufführung kommt. In einer restaurierten Fassung, was bekanntlich viel Aufwand verlangt. Da er aber ein Mann vom Fach ist und sich vor Arbeit nicht scheut, ist es ihm mit allem, was dazu gehört sowie in Zusammenarbeit auch mit der DEFA-Stiftung und der Digitalisierungsförderung der FFA und der FFF Bayern gelungen, dieses wie andere Vorhaben zu realisieren. Und so gibt es jetzt von diesem Film auch eine DVD zu kaufen.

Ursprünglich war die Aufführung im Albertinum angedacht, also in nmittelbarer Nähe zu den Gemälden von Caspar David Friedrich. Aber letztlich entschied man sich dann doch für das Rundkino mit seiner beachtlichen Platz- und (wie jetzt zu erfahren war) auch Erweiterungskapazität. So kommt es, dass auf den Tag genau 30 Jahre nach der festlichen DDR-Premiere im Dresdner Filmtheater Prager Straße die Vorstellung an gleicher Stelle im Rundkino stattfinden kann. Ein eingeblendetes Foto zeugt gleich zu Beginn von dem großen Publikumsinteresse auch schon 1987, und wer genau hinschaut, besser noch, es weiß, kann den zehnjährigen Konrad am äußersten Bildrand entdecken. Sowie gegenüber auch Schamoni und beispielsweise Hans Joachim Neidhardt, der als ausgewiesener Friedrich-Kenner in die Fachberatung der Produktion mit einbezogen war und nun auch 2017 wieder mit dabei ist.

Als Konrad Hirsch die Zuschauer fragt, wer denn schon damals die Aufführung am 27. Februar 1987 mit erlebt habe, stehen beachtlich viele Besucher auf, geschätzt könnten es etwa 80 gewesen sein. Und zu dieser Zeit war es auch wahrhaft keine Selbstverständlichkeit, dass eine deutsch-deutsche Filmproduktion Schauspieler aus Ost- und Westdeutschland zusammenführte. Konrad Hirsch weiß da einiges zu erzählen.

Auch der Sohn von Karl-Ludwig Hoch berichtet an diesem Abend von den Begegnungen seines Vaters, der ein wunderbarer Kenner der Landschaften der Sächsischen Schweiz und der Bildwelten von Friedrich war, mit Peter Schamoni. Und von dieser engen Zusammenarbeit zeugt auch heute noch ein umfangreicher Briefwechsel beider im Schamoni-Archiv.

Ganz offenbar hat dieser Film nach wie vor nichts an Aussagekraft verloren. Auf sehr eigene Weise erzählt er von Caspar David Friedrich und seinen Zeitgenossen, von seinen Eigenarten und Ansichten, und das beispielsweise auch mit Spielszenen, Landschaftsaufnahmen und Selbstzeugnissen. Der Maler, der im Film nur mit seinen Bildern und eingesprochenen Äußerungen (Stimme: Wolf Redl) präsent ist, erscheint als Außenseiter, der aber bewusst den Betrachter mit hineinzieht in seine Sichtweisen und Auffassungen. Dieser Besonderheit spürt Schamoni intensiv nach, zeichnet ihn auch im intrigenreichen Diskurs seiner Zeitgenossen wie ebenso aus Sicht seiner Freunde und Verehrer, so dass sich jeder selbst ein Bild von ihm machen kann.

Was Schamoni und seinem Kameramann Gérard Vandenberg hervorragend gelungen ist, das sind die Aufnahmen der Landschaften, die Friedrich besonders in der Sächsischen Schweiz und an der Ostseeküste erkundete. Und der Film konfrontiert diese mit den Bildwelten des Malers auf eine Art und Weise, dass dabei die innere Verbundenheit deutlich zu spüren, zuweilen Abgrenzungen kaum mehr wahrzunehmen sind.

Es gibt aber auch Kurioses in diesem Film, wie etwa die symbolisch ins Bild gebrachten kleinen Segelschiffe in dunkler Silhouette, die (mit inhaltlicher Begründung) mehrfach und auch recht dekorativ durch die Filmszenen geistern. Manche Debatte mutet zudem trotz hochrangig besetzter Schauspielergarde etwas merkwürdig stilisiert an, aber worum es da geht, worüber dikutiert, gerichtet, intrigiert wird, das ist sehr spannend, und wird es zu jeder Zeit sein.

„Caspar David Friedrich - Grenzen der Zeit“, Film von Peter Schamoni, wieder am 20. März 2017, Beginn 20 Uhr, im Dresdner Rundkino an der Prager Straße

Von Gabriele Gorgas

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