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100. Liederabend beim "Lied in Dresden" - mit Camilla Nylund und Jobst Schneiderat

100. Liederabend beim "Lied in Dresden" - mit Camilla Nylund und Jobst Schneiderat

Als 1998 ein paar Enthusiasten ihre Liebe zum Lied öffentlich machten und allen Widrigkeiten zum Trotz daran gingen, eine kleine, feine Liedreihe in Dresden zu gründen - ob sie wohl selbst daran geglaubt haben, dass dieses Abenteuer für einhundert Liederabende gut gehen würde? Es ist gut gegangen.

Wie viele Große des Genres sind in diesem Rahmen aufgetreten, wie viele Sternstunden des Liedgesangs durfte die treue Fangemeinde in den Jahren erleben! Für die unverdrossene Begeisterung, das Engagement der Veranstalter, die dem Lied die einzige, regelmäßige Heimstatt in Dresden bieten, kann man nur dankbar sein und auf weiteres hoffen.

Es war nur zu berechtigt, dass man zum Jubiläum wieder einmal nach den Sternen griff und dem Publikum in der Hochschule für Musik ein Liederabend mit einem besonderen Programm in außergewöhnlicher Qualität bot. Die in Dresden beheimatete und auf den großen Bühnen und Konzertpodien der Welt auftretende Sopranistin Camilla Nylund hatte ein finnisch-deutsches Programm parat. Welchen internationalen Glanz könnte sie der Dresdner Oper verleihen, wenn sie denn wieder einmal hier engagiert würde! Dass sie auch in der kleinen Form des Liedes sehr gut zu Hause ist, bewies sie in bestechender Manier. Ihr Sopran verfügt über eine sehr spezielle, wundervolle Leuchtkraft, ist hinsichtlich der möglichen Klangfarben ganz weit gefächert, nuancenreich und geschmeidig. Dank ihrer ausgeprägten Fähigkeit, sich in die jeweiligen Gefühlswelten problemlos hinein zu vertiefen und das Wesentliche zu betonen, war es ein beglückendes Erlebnis, ihrem Liedgesang zu lauschen.

Dunkel glühende, gefühlstiefe Lieder ihrer Heimat machten den Anfang - Jean Sibelius und sein Schwager Armas Järnefelt. Viel Leidenschaft auf der einen und Kultiviertheit auf der anderen Seite. Wie Camilla Nylund den poesievollen Naturschilderungen Järnefelts Gestalt gab, den oft schlichten, aber auch kraftvollen Liedern von Sibelius nachspürte - dem Zauber dieser Interpretationen konnte man sich nicht entziehen.

Spätestens an dieser Stelle ist es dringend notwendig, Camilla Nylunds Mitstreiter am Flügel Jobst Schneiderat zu würdigen. Es wäre viel zu wenig, ihn nur als absolut zuverlässig in seinem Part zu bezeichnen (wobei auch das wichtig und für die Qualität eines Liederabends entscheidend ist). Schneiderat verstand es meisterhaft, sich auf die Sängerin einzustellen, sehr individuelle, eigene Gestaltungsakzente einzubringen und das alles äußerst sensibel. Wie er es insbesondere bei Wagner und Strauss ("Morgen") verstand, musikalische Gedanken vor- und nachzuempfinden - das hatte Ereignischarakter. Die grandiose Interpretation von Wagners "Wesendonck-Liedern" wäre ohne dieses vollkommene Miteinander der beiden nicht denkbar gewesen. Mit feiner Hand zeichneten sie die zerrissene Gefühlswelt, ergriffen sie durch die atmosphärisch dichte Wiedergabe dieser Lieder.

Und dann noch diese wunderbare, kontrastreiche Strauss-Auswahl, die so einige seiner Liedperlen enthielt! Gleichsam aus dem Nichts heraus, so ganz selbstverständlich entwickelten sie die lichte Glücksvision "Morgen" op. 27/4 nach Mackay. Sanft und weich kam "Die Nacht" daher, holzschnittartig und ausdrucksmäßig auf den Punkt gebracht das Frauenlied "Befreit" nach Dehmel. Voller Leidenschaft und hymnischer Steigerung brachten Camilla Nylund und Jobst Schneiderat schließlich die "Cäcilie" zu Gehör. Als Zugaben gab es burschikos Wolfs "Wer rief dich denn" aus dem "Italienischen Liederbuch", schwärmerisch Sibelius' "War es ein Traum" und schließlich das Strauss-Lied, auf das alle gewartet hatten: das dreimalige "Habe Dank" der "Zueignung".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.04.2013

M. Hanns

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