Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Kultur Weltweit Weshalb sich der Thriller von Bill Clinton lohnt
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit Weshalb sich der Thriller von Bill Clinton lohnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:47 04.06.2018
Bill Clinton hat als erster Ex-Präsident einen Roman geschrieben. Quelle: AP
Anzeige
Washington

In Zeiten, in denen Außenpolitik per Twitter betrieben wird, scheint alles möglich. Die Kinder des gegenwärtigen US-Präsidenten vermarkten weltweit die Marke Trump, und Barack Obama tritt als Erzähler in die Dienste von Netflix. Es sind schon erstaunliche Karrieren, die sich durch die Arbeit im Weißen Haus ergeben. Mit Bill Clinton überschreitet nun aber ein früherer US-Präsident eine ganz bemerkenswerte Grenze: Der einstige „Commander in Chief“ wechselt ins Fiktionale und lässt in einen Politikthriller eine Menge Details einfließen, die wohl nur jemand liefern kann, der intimste Kenntnis von der obersten Spitze der amerikanischen Regierung besitzt.

Dass sich nicht genau sagen lässt, wie viel Clinton eigentlich in Clintons erstem Roman steckt, wirft nur auf den ersten Blick einen Schatten auf „The President is Missing“. Für echte Freunde spannender Lektüre dürfte es eher ein Qualitätsmerkmal sein, dass Clintons erste Gehversuche mit diesem Genre von echten Profis begleitet werden: James Patterson, der weltweit zu den erfolgreichsten Schriftstellern zählt, ist Co-Autor – für den wiederum ein mehrköpfiges Team arbeitet.

Kurz gesagt handelt das Buch von einem Präsidenten, der inmitten einer internationalen Krise plötzlich verschwindet. Die Geschichte spielt an drei Tagen im Mai und dreht sich um einen getöteten Geheimdienstler, Kongressabgeordnete, die den Chef des Weißen Hauses in die Mangel nehmen - und um die Sicherheit Amerikas. Das große Ganze und die Frage nach dem wahren Patriotismus dürfen selbstverständlich nicht fehlen, wenn ein Präsident persönlich zur Feder greift. Zum Schluss gibt es sogar eine Rede des - fiktiven Präsidenten - zu lesen, die allem Anschein nach von Clinton stammt. Zumindest stimmt sie mit seiner Tonlage überein.

Zwischen den Zeilen ist allerdings weit mehr zu erkennen. Wie Clinton am Montag im Interview mit „National Public Radio“ in Washington erzählte, habe er bis in alle Einzelheiten die Abläufe in Krisenmomenten beschrieben. Der „Situation Room“ im Westflügel des Weißen Hauses nimmt dabei eine geradezu beängstigend konkrete Gestalt an.

Bei ihrer Werbetour präsentieren sich die beiden prominenten Autoren wie ein gut eingespieltes Team – zumal sie sich seit Jahren vom Golfplatz her kennen und sich offenbar auch privat bestens verstehen.

Clinton wäre nicht Clinton, wenn er die Selbstvermarktung nicht auch mit nachdenklichen Appellen ausschmücken würde. So warnt der 71-Jährige vor der wachsenden Cyberkriminalität, die seiner Einschätzung nach ebenso zerstörerisch sein könne wie die bisherigen Massenvernichtungswaffen. Sein Roman ist daher nicht nur ein Garant für eine fesselnde Lektüre. Das Buch ist auch als Mahnung zu verstehen, die gegenwärtige Sicherheit in der westlichen Welt nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten.

Bill Clinton, James Patterson: The President is missing. Droemer, München. 480 S., 22,90 Euro.

Von Stefan Koch/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach sechsjähriger Bühnenabstinenz sind zwei neue Auftritte der Punkrocker angekündigt. Mit Ende und Neuanfang haben die Musiker schon immer gerne geflirtet.

04.06.2018

Das neue Album von Shawn Mendes heißt schlicht „Shawn Mendes“ und zeigt den 19-jährigen Kanadier vielseitig und gereift. Mit Songs wie „Nervous“ oder „Particular Taste“ erweist er dem verstorbenen Popgenius Prince die Ehre.

04.06.2018
Kultur Weltweit Wider die Angst: Ausblick auf die Berlin Biennale - Tina Turner steht Pate

Die zehnte Berlin Biennale wird von einem afrikanischen Team kuratiert. Unter dem Titel “We Don’t Need Another Hero“ wollen die Ausstellungsmacher nicht nur postkoloniale Themen ins Visier nehmen, sondern existenzielle Ängste dieser Zeit.

03.06.2018
Anzeige