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12:24 12.04.2018
„Heute denke ich über den Tod erst gar nicht nach“, sagt Hardy Krüger im Interview zu seinem 90. Geburtstag. Quelle: dpa
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Hamburg

„Ich bin mit dem Tod aufgewachsen“, sagt Hardy Krüger. Er ist Hollywoodstar, Weltenbummler und vom Krieg geprägt, war an einer Nazi-Eliteschule, an der Front und in Gefangenschaft.

Seine Filme und Bücher haben immer mit seinem Leben zu tun, mit Überzeugungen, Erfahrungen, seiner Abenteuerlust. Am Donnerstag wird Hardy Krüger 90 Jahre alt. „Heute denke ich über den Tod erst gar nicht nach“, sagt er.

90 Jahre bewegtes Leben: Als Hitler-Schüler wurde Hardy Krüger für einen Propagandafilm entdeckt. An der Front verweigerte er Schüsse auf Amerikaner. Trotz Todesurteil überlebte er und wurde zum Hollywoodstar. Als „Weltenbummler“ zeigte er den Deutschen später exotische Orte.

Krügers Engagement gegen Rechts

Was Hardy Krüger mit 90 Jahren bewegt, ist das Engagement gegen Rechtsextremismus. 2013 hat er die Initiative „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“ mitbegründet.

In Schulen erzählt er von seinen Erfahrungen. Er sieht NPD, AfD und Pegida als „Nachfolgeverbrecher“, denen man auf demokratische Weise das Handwerk legen muss.

Erst Hitler-Schule, dann Nazi als „Todfeinde“

Dieses entschiedene Werben für Demokratie hat mit seinem eigenen Leben zu tun: Hardy Krüger, der 1928 in Berlin zur Welt kam, wurde von seinen Eltern „zum Nazi erzogen“, wie er sagt.

1941 kam er auf die Adolf-Hitler-Schule der „Ordensburg Sonthofen“, ein nationalsozialistisches Elite-Internat, das künftige NS-Führungskräfte heranzog.

Das einzige, was Krüger – neben der Leidenschaft für die Fliegerei – aus dieser Zeit mitgenommen habe, sei das Boxen, sagt er. Bis heute hält er sich damit fit. Die Nazis hingegen bezeichnet er als seine „Todfeinde“.

Zur Person

Hardy Krüger wurde am 12. April 1928 als Franz Eberhard August Krüger in Berlin-Wedding geboren. Er hatte Eltern, die in der Weltwirtschaftskrise arbeitslos waren und Hitler als Retter ansahen.

Seine erste Rolle spielte er in den Ferien 1943 im Ufa-Propagandafilm „Junge Adler“. Nach dem Krieg machte Krüger als einer von wenigen Deutschen eine internationale Kinokarriere. Er war neben Hildegard Knef der einzige deutsche Schauspieler, der in den ersten drei Dekaden nach dem Krieg am Broadway spielen durfte.

Politisch engagiert seit Ende der 50er Jahre, gründete er 2013 mit der Initiative „Exit Deutschland“ und anderen Prominenten das Projekt „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“.

Krüger ist Ritter der französischen Ehrenlegion und erhielt 2009 das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Sein Sohn Hardy Krüger junior und die älteste Tochter Christiane sind ebenfalls Schauspieler geworden. Mit seiner dritten Frau, der Amerikanerin Anita Park, pendelt der Weltenbummler zwischen Kalifornien und Hamburg.

Als Blonder mit blauen Augen im Propagandafilm

Die Schreiberei und das Fliegen waren seine Lebensträume. In die Schauspielerei kam der Blonde mit den blauen Augen 1943 zufällig durch den Ufa-Propagandafilm „Junge Adler“.

Unter den Schauspielern war Hans Söhnker, der dem jungen Nazi die Augen öffnete für die Verbrechen des NS-Regimes. Söhnker half, Juden vor den Nazis zu verstecken; später unterstützte Krüger ihn dabei.

Krügers Zeit an der Front 1945

Im Frühjahr 1945 wurde Krüger noch zur Waffen-SS eingezogen, weigerte sich, auf Amerikaner zu schießen und wurde dafür zum Tode verurteilt. Dank glücklicher Zufälle überlebte der junge Soldat, desertierte später und kam in amerikanische Gefangenschaft.

Nach dem Krieg begann seine schauspielerische Laufbahn - eher ein Brotberuf, verrät er, weil es mit der Schreiberei nicht klappte. „Tatsächlich wollte mich erst keiner drucken - und von irgendetwas musste ich ja meinen Lebensunterhalt verdienen“, sagt Krüger. Die Schauspielerei lernte er von der Pike auf am Theater in Hamburg und Hannover.

Ausbildung am Hamburger Theater: Hardy Krüger (r.) stand als Schüler von Mephisto (Gustaf Gründgens) in Goethes «Faust» auf der Bühne. Quelle: dpa

Der Durchbruch als deutscher Soldat im Film

Aber dann ging es schnell. Schon 1949 drehte er drei Filme. Und dieses Tempo hielt er in den 50er Jahren bei: Komödien, Krimis, Melodramen.

Die Hauptrolle in dem britischen Film „Einer kam durch“ war 1957 sein internationaler Start. Er verkörperte den deutschen, aus der Schweiz stammenden Jagdflieger Franz von Werra, der 1940 über England abgeschossen wurde, als Gefangener nach Kanada kam und sich nach Deutschland durchschlug. Krüger zeichnete ihn als eleganten, lässigen jungen Mann voller Freiheitsdrang, Werras Nazikarriere wurde nur angedeutet.

In Hollywood neben John Wayne und Sean Connery

Dann rief Hollywood: Mit John Wayne ging er 1961 in „Hatari!“ auf Großwildjagd in Afrika, 1965 rettete er als Kollege von James Stewart in „Der Flug des Phönix“ die Besatzung eines in der Sahara abgestürzten Flugzeugs, indem er aus den Trümmern ein neues baute.

Er spielte einen zur Nazi-Armee eingezogenen Mönch, den Erben eines NS-Kollaborateurs und einen Ex-Vietnam-Piloten. Seine Partner: Yul Brynner, Orson Welles, Anthony Quinn oder Sean Connery. Krüger selbst war immer der zweite oder dritte Star, hatte aber als idealer Abenteuerheld starke Rollen.

Krüger wird zum „Weltenbummler“

In Interviews und Talkshows von heute dominieren andere Themen: Krügers Privatleben, seine drei Ehen, aber auch Erinnerungen an die Nazizeit und sein heutiges Engagement gegen Rechts.

Ab 1970 wurde er auch als Autor populär mit Erinnerungen, Reiseberichten, Romanen und Erzählungen von exotischen Schauplätzen. Zwischen 1987 und 1995 stellte er in der NDR-Serie „Weltenbummler“ spektakuläre Gegenden und ihre Bewohner vor.

Gerade hat der Schauspieler sein 18. Werk „Ein Buch von Tod und Leben“ veröffentlicht. Angst habe er nicht vor dem Sterben. „Ich will aber auch nicht darüber reden.“

Von RND/dpa

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