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15:15 25.01.2018
Vertreter der afrikanischen Volksgruppen Herero und Nama fordern von der Bundesregierung finanzielle Entschädigung vor einem New Yorker Bezirksgericht. Quelle: dpa
Hamburg

Mit einem wissenschaftlich-künstlerischen Fotoprojekt will das Hamburger Völkerkundemuseum einen Beitrag zur Versöhnung von Deutschland und Namibia leisten. Bei der Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika müsse die Perspektive der Namibier unbedingt miteinbezogen werden, sagte Museumsdirektorin Barbara Plankensteiner am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts. In etwa einem Jahr will das Museum die kritische Fotoausstellung zur deutschen Kolonialgeschichte eröffnen, die ergänzt wird mit Arbeiten von Künstlerinnen aus Namibia.

Grundlage sind rund 1000 Fotos von deutschen Soldaten, Siedlern und Forschungsreisenden aus der deutschen Kolonialzeit in Deutsch Südwestafrika, die 1927 ins Völkerkundemuseum kamen. Die Hamburger Historikerin Ulrike Peters sucht derzeit Motive, die abseits der traditionellen Kolonialherren-Gesten einen neuen Blick auf die Ursprungsbewohner Herero und Nama erlauben.

Verfremdung kolonialer Insignien

In der Ausstellung sollen später Fotos präsentiert werden, die die afrikanischen Männer und Frauen nicht als Opfer zeigen, sondern ihre individuelle Persönlichkeit sichtbar machen. Die Ausstellung dürfe „den kolonialen Blick“ nicht wiederholen, sagte Peters. Die Künstlerin Vitjitua Ndjiharine aus Namibia verfremdet in ihren Arbeiten die Insignien der Kolonialherrschaft, die britisch-namibische Künstlerin Nicola Brandt wird Videos und Kollagen präsentieren.

Aktueller Anlass ist die juristische Aufarbeitung des Völkermords an den Herero und Nama 1904 bis 1908 vor einem New Yorker Bezirksgericht. Die Herero und Nama sehen sich in den bisherigen deutsch-namibischen Regierungsverhandlungen nicht ausreichend berücksichtigt und verklagen die Bundesregierung auf Entschädigung. Das US-Bezirksgericht wird am Donnerstag zum wiederholten Mal über die Zulässigkeit der Klage verhandeln.

„Die Aufarbeitung ist ein Prozess, nicht ein Ergebnis“

Die Zusammenarbeit von Geschichtswissenschaft und Kunst sei ungewohnt, sagte Jürgen Zimmerer, Professor am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Die Kolonialgeschichte müsse aber neben den historischen Fakten auch die emotionale Seite der betroffenen Menschen und ihrer Nachkommen im Blick behalten. „Die Aufarbeitung ist ein Prozess, nicht ein Ergebnis.“

An dem Projekt „Visual History of the Colonial Genocide“ arbeitet das deutsch-namibische Team unter Leitung von Zimmerer gemeinsam mit der „Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ und dem Völkerkundemuseum. Das Projekt wird von der Gerda-Henkel-Stiftung mit 210.000 Euro gefördert.

Von RND/krö/epd

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