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Kultur Weltweit „Unforeseen Incidents“: So geht Weltuntergang
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15:25 24.05.2018
Was passiert als Nächstes? In „Unforseen Incidents“ in der Regel Unvorhergesehenes. Quelle: Backwoods
Hannover

Die Apokalypse bleibt ein Dauerbrenner der Popkultur. Außerirdische in Kinosälen, Überlebenskämpfer in Streamingdiensten, Frank Schätzing in der Bestsellerliste – es ist, als würden wir uns nach dem großen Knall sehnen. Auch „Unforeseen Incidents“, das erste Adventure des neuen kleinen Ruhrpottstudios Backwoods Entertainment, lässt eine existenzbedrohende Seuche auf die Menschheit los. Aber im Elend entdeckt diese Geschichte sogar eine gewisse Lockerheit.

Irgendwo zwischen Ruhrpott und Twin Peaks

Vielschichtig ist der Ort des Geschehens: Yelltown ist eine verschlafene Kleinstadt, die so ähnlich wirklich am Rand des Ruhrgebiets stehen könnte. Das Umland erinnert dagegen eher an „Twin Peaks’“ dichte Nadelwälder – und der Plot an „Akte X“. Held des Spiels ist der verpeilte Studienabbrecher Harper. Er eine im Sterben liegende junge Frau, die an einem mysteriösen Fieber erkrankt ist, und geht der Ursache der tödlichen Epidemie auf die Spur.

„Unforeseen Incidents“: Adventure-Held Harper muss eine rätselhafte Seuche stoppen. Quelle: Backwoods

Als zielloser Bastler ist Harper die Idealbesetzung für das traditionell umständliche Genre des Grafik­adventures: Merkwürdige Dinge einsammeln und kreativ neu einsetzen müssen Spieler in Adventures pausenlos; hier kommt endlich ein Charakter, der wirklich Spaß am Löten, Schrauben und Triangulieren hat. Harper führt Selbstgespräche, ist schwächlich und ängstlich, aber keine Witzfigur. In seiner langsam zerfallenden Welt trifft er auf lauter schrullige Charaktere, aber nicht auf Klischees. Das ist erfrischend, denn oft werden humorvolle Adventures eher von Karikaturen bevölkert. Die Gespräche sind genreüblich lang; lang ist das ganze Spiel, deutlich länger als moderne Adventures sonst. Über mehrere Kapitel hinweg entwickelt sich die Geschichte, es wechseln die kunstvoll hingekritzelten Schauplätze, und damit wechselt oft auch die Stimmung.

Richtig spannendes Spiel

Das Ergebnis ist ein spannendes Spiel, aber kein überhastetes. Spiele könnten gut erzählen, aber oft wirken sie an der eigenen Story desinteressiert. „Unforeseen Incidents“ dagegen vermeidet den Fehler – und gehört deswegen zu den besten Adventures der vergangenen Jahre. Die Erzählung ist langsam und abwegig. Doch plötzlich passieren die „unvorhergesehenen Ereignisse“, die dem Spiel seinen Namen geben. Spieler und Charaktere brüten dann darüber, wie es weitergehen soll, lösen dabei oft eher banale Rätsel: Wenn die Probe nicht schnell zur Analyse gebracht wird, sterben Menschen – aber vorher muss der einsame Bauer noch sein scharf belegtes Butterbrot serviert bekommen, doch die scharfe Soße ist aus. Viele Geschichten würden durch solche Unstimmigkeiten lächerlich. Hier passen sie zu einem sympathischen Antihelden, der bei der Weltrettung ähnlich überfordert wirkt, wie es echte Menschen auch wären.

„Unforeseen Incidents“ ist ab dem 24. Mai für PC erhältlich. Es kostet 20 Euro.

Von Jan Bojaryn

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