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Kultur Weltweit Tom Cruise und die böse Pharaonentochter
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00:00 08.06.2017
Mission Impossible: Die Pharaonentochter Ahmanet (Sofia Boutella) will den Totengott Seth in die Welt der Lebenden holen. Kann Tom Cruise das verhindern? Quelle: Universal
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Hannover

Alles am alten Ägypten ist Geheimnis: Pyramiden, Tempel, Hieroglyphen, Sphinxe, Götter, Gräber, Mumien. Das alte, jenseitsbezogene Reich ist das mit Abstand betörendste Land der Antike, wie kein anderes vereint es Größe mit Fremdheit. Seit der Entdeckung des Grabs von Tutanchamun 1922 hat sich der Faszination angenehmes Spukfrösteln beigesellt. Mitglieder der Expedition starben, die Rede war vom „Fluch der Pharaonen“.

Antike Prinzessin verfolgt üble Pläne hartnäckig

Dass Nick Morton (Tom Cruise) und sein Partner Chris Vail (Jake Johnson) zu Filmbeginn fast ums Leben kommen, liegt eher an ihrer Gier bei der Suche nach verkäuflichen Artefakten. Sie geraten nahe der Stadt Mossul (Irak, weit weg von Ägypten) an den IS, der bekanntermaßen weder für Westmänner in Nahost noch für Weltkulturgut zu begeistern ist. Die beiden einigermaßen sympathischen Halunken überleben die Terrortruppe sowie einen Drohnenangriff, bei dem – Volltreffer! – der Zugang zu einer Gruft im Wüstensand freigelegt wird. Darin ein Sarkophag, darin wiederum eine vor 5000 Jahren weit von der Heimat entfernt lebendig begrabene Prinzessin namens Ahmanet (Sofia Boutella). Damals durchkreuzte sie die Pläne ihres Vaters, sie mit einem männlichen Thronfolger um ihr Erbe zu bringen mit drei Morden, und versprach dem Totengott, ihm bei Erfolg das Entree in unsere Welt zu verschaffen. Die Aktion Unterwelt scheiterte knapp. Aber es gilt die Redensart: Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen kommen überallhin. Sie müssen unter Umständen nur etwas länger warten.

Boris Karloff war 1932 toll in Mull

„Die Mumie“ ist der erste Film in Universals „Dark Universe“-Reihe, in der erst vor ein paar Tagen auch Neuverfilmungen von „Das Phantom der Oper“ und „Der Glöckner von Notre Dame“ angekündigt wurden. Der Mumienstoff war 1932 ein ideales, weil höchst populäres Themenfeld für die monsterseligen Universal-Studios, die nach „Frankenstein“ (1930) einen Anschlusserfolg für ihren Horrorfilmstar Boris Karloff suchten. Vorbilder gab es zwar auch damals schon, der französische Regisseur Gérard Bourgeois ließ etwa in „La Mumie du Roi“ 1909 erstmals einen Pharao auferstehen. Aber Karloff war als Imhotep, Hohepriester des Sonnentempels, in Karl Freunds „Die Mumie“ von einem auch später nie wieder erreichten, fremdweltigen Grauen. Ein Mann der Götter, der wegen okkultem Auferstehungszauber an der von ihm geliebten Pharaonentochter unehrenhaft lebendig begraben wird, der durch archäologische Hoffart von den Toten erweckt wird, und versucht, die Geliebte von einst in der jungen Halbägypterin Helen zu reinkarnieren. Karloff war als Mann in Mull schlichtweg toll.

Ahmanet, Frau mit dem lilagrauen Teint ist es nicht, jedenfalls nicht auf Dauer, da helfen auch ihre speziellen, ja spektakulären Iriden wenig. Hat man sich erstmal an den Doppelsatz ägyptischer Hexenklüsen gewöhnt (vier Augen sehen bekanntermaßen mehr als zwei), ist das Monströse an der schaurigschönen Sexbombe auch schon perdu. Natürlich hat die Prinzessin Kräfte, von denen Karloffs Wickelpriester vor 85 Jahren nur träumen konnte, aber das Getöse, das sie in London, speziell in den dortigen Kreuzritterkatakomben mithilfe einer selbstgebastelten Zombietruppe entfesselt, ist „action as usual“ und zeitigt kein einziges Mal Gänsehaut.

Ein flammend rotes Juwel muss Ahmanet finden, das den Dolch des Seth magisch macht, dann kann sie den Gott in den Körper Mortons holen und mit ihm die Herrschaft über das Brexitland und die ganze Welt antreten. Morton ist halb in ihrem Bann, geflutet von düsterlüsternen Visionen, halb einer deutlich jüngeren, sterblichen Lady zugetan. Jenny Halsey (Annabelle Wallis), eine echte Archäologin, fordert seinen Mut und seine Liebe. Die beiden müssen sich erst zusammenraufen, aber wiederholte Lebensrettungen später könnte aus beiden ein Paar werden, wäre Ahmanet bloß nicht so eifersüchtig.

Zwischen Cruise und Wallis knistert nichts

Und würde die Chemie stimmen. Zwischen Cruise und Wallis entsteht keine Schlafzimmerstimmung, überhaupt bleiben alle Charaktere blass und beleben sich nur, wenn sie einen der für Blockbuster zwingenden Einzeiler auswerfen können. Am meisten Spaß scheint der Mumienschanz noch Russell Crowe zu bereiten, der Jennys Arbeitgeber spielt und nicht von ungefähr Henry Jekyll heißt. Monsterparty. „Die Mumie“ erweist sich damit eher als Neuversuch von Stephen Sommers‘ Version von 1999 mit Brendan Fraser und Rachel Weisz, einer vernüglichen Horrorkomödie mit Indiana-Jones-Flair. Nur dass Alex Kurtzmans Adaption eben nicht sonderlich vergnüglich ausgefallen ist.

Cruise wirkt jünger denn je

Einige sehenswerte Science-Fiction-Filme hat Tom Cruise im Lauf seiner Karriere schon bespielt, im Horrorfach ist er neu und sieht auch aus wie neu. So jung, dass man den 54-jährigen Schauspieler wie seinen Filmcharakter im Bund mit paranormalen Mächten wähnt. Könnte vielleicht mal irgendwer bei Cruise zuhause auf dem Speicher nachschauen, ob da ein Bildnis steht, das an seiner Stelle altert?

Von Matthias Halbig / RND

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