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Kultur Weltweit Tankred Dorst mit 91 gestorben
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14:17 01.06.2017
Tankred Dorst ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Quelle: dpa
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Berlin

Als er gestützt auf seine Gefährtin Ursula Ehler bedächtig auf die Bühne des Erfurter Theaters kommt, reißt es das Publikum von den Sitzen, tosender Applaus. Tankred Dorst winkt beschwichtigend ab. Er blinzelt ins Licht der Scheinwerfer, als könne er nicht glauben, welche Ehre ihm hier zuteilwird. Still drückt er die Hand seiner Partnerin und deutet eine Verbeugung an. Das war 2015 bei der Verleihung des Theaterpreises „Der Faust“, den das Paar für sein gemeinsames Lebenswerk erhielt, nur eine von vielen Auszeichnungen. Am Donnerstag ist mit Dorst einer der wichtigsten zeitgenössischen Dramatiker und meistgespielten deutschen Theaterautoren im Alter von 91 Jahren in Berlin gestorben. Das teilte der Suhrkamp Verlag mit, der heute nicht zuletzt wegen Dorst für Anspruch und Größe steht.

Das diskursive Denken als wichtiger Teil moderner Theaterproduktion zeichnete Dorst aus, das zeigt sich insbesondere in der Jahrzehnte währenden Teamarbeit mit seiner Ehefrau Ursula Ehler. Sie begleitet ihn seit Anfang der Siebzigerjahre als Assistentin und Ko-Autorin. Gemeinsam schrieben sie zahlreiche Dramen, daneben auch Bühnenadaptionen, Filmskripte, Fernsehspiele, Erzählungen und Libretti.

Dorst schrieb mehr als 50 Theaterstücke und arbeitete eng mit den wichtigsten Regisseuren seiner Generation zusammen, von Peter Zadek über Peter Palitzsch bis Hans Neuenfels. Er überwand in seiner Arbeit Rollengrenzen und fungierte als Autor für Theater und Fernsehen sowie als Regisseur. Er setzt sich auch über Spartengrenzen hinweg, interessierte sich fürs Puppentheater und gab 2006 noch als Achtzigjähriger mit dem „Ring des Nibelungen“ sein Operndebüt bei den Bayreuther Festspielen. Auch vor Altersgrenzen machte er nicht Halt. So schrieb er das Stück „Ameley, der Biber und der König auf dem Dach“, ein Stück für Kinder ab sieben Jahren nach Clemens Brentano.

Der aus dem thüringischen Oberlind bei Sonneberg stammende Künstler studierte an der Universität Bamberg Germanistik und Kunstgeschichte, mit einem Studium der Theaterwissenschaft in München setzte er seine Ausbildung fort. Seine ersten Theaterstücke wie „Gesellschaft im Herbst“ und „Freiheit für Clemens“ kamen 1960 in Lübeck und Mannheim mit Erfolg auf die Bühne. 1961 folgte in Lübeck die Uraufführung seiner „Großen Schmährede an der Stadtmauer“. Zu seinen wichtigsten Stücken zählt das Revolutionsdrama „Toller“ (1968 uraufgeführt).

Beispielhaft für seine Verquickung von mythischen Motiven mit gegenwärtigen Fragestellungen ist sein Monumentalstück „Merlin oder Das wüste Land“ nach Motiven der Artusepik, das 1981 uraufgeführt wurde und eine Gesamtspieldauer von 15 Stunden hat. Die Geschichten über die Ritter der Tafelrunde erzählte er so neu, dass in den Erzählungen heutige Konflikte offenbar werden. Zwischen Märchen und politischer Parabel – so lässt sich Dorsts Kosmos umreißen.

Von Nina May / RND

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