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18:31 03.10.2017
Seine Songs waren immer vom Blues durchtränkt: Tom Petty starb mit 66 Jahren. Quelle: dpa
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Hannover

Tom Petty war immer einer für die kleinen, normalen Leute. Für das „American Girl“ beispielsweise, das davon träumt, dass da mehr sein muss als die kleine, graue Heimatstadt. Die dann vom Leben enttäuscht wird, aber die Zähne zusammenbeißt und nicht aufgibt. Und der Tom Petty in seinem zweiten Hit 1977 ein „nimm’s leicht, Baby!“ zusang. Im Thriller „Das Schweigen der Lämmer“ fuhr ein Mädchen mit dieser Hymne auf den Lippen dem Serienmörder Buffalo Bill entgegen. Und wir wussten schon, dass sie überleben würde. Denn Tom-Petty-Musik ist, bei aller Not und Verzweiflung, immer auch der Rock’n’Roll der Hoffnung.

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Gerade erst hatte Tom Petty mit seinen „Heartbreakers“ eine Tournee abgeschlossen, die sie sich selbst zum 40. Jubiläum geschenkt hatten. Eine Abschiedstour sollte es sein. Doch am Dienstag verstarb der einmalige Bluessänger überraschend in Los Angeles.

Am 25. September dieses Jahres war „American Girl“ der letzte Song des letzten Abends, endete mit ihm eine erfolgreiche Tournee von Tom Petty und seiner Band Heartbreakers im Hollywood Bowl, für den Herbst waren noch ein paar Soloauftritte angekündigt. Danach wollte der 66-Jährige mit der fein näselnden Stimme mit dem Touren aufhören. Das Alter führte er ins Feld und das Bedürfnis nach Ruhe und Familienleben. „Ich habe jetzt eine Enkeltochter, die ich, so oft es geht, sehen möchte“, verriet der Vater zweier Töchter der US-Ausgabe des „Rolling Stone“.

Das war ihm nicht vergönnt. Die Nachricht von seinem Tod durch einen Herzinfarkt in einem Krankenhaus in Los Angeles kam am Montagabend um 22 Uhr. In den USA hatte es schon Stunden zuvor eine Falschmeldung gegeben, das Musikmagazin „Rolling Stone“ veröffentlichte in deren Folge gar einen verfrühten Nachruf, gegen den Pettys Tochter Annakim Violette wütend twitterte: „Dies ist mein Vater … ein Künstler und ein Mensch. Fuck U!“

Petty trat mit ungeschlachten Sound erstmals auf die große Bühne

Der Stern des 1950 in Gainesville, Florida, geborenen Petty war 1976 in England aufgestiegen, wo er das enthusiastische Publikum des Punk vorfand, und wo seine Single „Anything that’s Rock’n’Roll“ zunächst fälschlich dem neuen, zornigen, ungeschlachten Sound zugeordnet wurde. Ein Jahr später zeigte „Listen to Her Heart“ die Bandbreite Pettys, wurden seine Beatles-Wurzeln sichtbar, erstrahlte die Rickenbacker-Gitarre in vollem Byrds-Flavour. 1989 trug ihn ein wonniger Folkpopsound auf seinem ersten Soloalbum „Full Moon Fever“ zum ganz großen Erfolg.

Jeff Lynne, der Kopf des Electric Light Orchestra und Pettys Bandkollege bei der Supergroup Travelling Wilburys – in der auch Bob Dylan, George Harrison und Roy Orbison spielten - hatte das Album bewusst auf Chartserfolg produziert, Singles wie „Free Fallin‘“, „Running Down A Dream“ und „I Won’t Back Down“ waren Dauerbrenner auf MTV. Tom Petty war einer für die Massen geworden, stand auf der Spitze des Berges Rock. Dort blieb er eine Weile, bis die Video- und Radiostationen ihn und die anderen „Klassiker“ Ende der Neunzigerjahre aus ihren Playlists verbannten.

Der Bluesrocker hatte für Trump nur Tadel übrig

Spät fand Petty 2010 noch einmal zu Blues und Bluesrock. Das kam nicht von ungefähr. „Seit Jahren beginnt und endet jede Probe damit“, erklärte der damals 59-Jährige sein Album „Mojo“, benannt nach einem Amulett, einem Wundersäckchen, das – unter der Kleidung getragen – Glück bringen und vor bösen Geistern schützen soll.

Der Blues à la Petty sparte nicht mit Querverweisen. Auf „The Trip To the Pirate’s Cove“ sang Mike Campbells Gitarre so cremig wie die Eric Claptons, „Candy“ flioss dahin wie eine lässige alte J.J.-Cale-Nummer, „Let Yourself Go“ swingte wie ein Song der Doors. Im Song „Taking my Time“ sang Petty nun düster von den letzten Dingen, bangte davor, „was auf der Straße hinter mir her ist.“ Vor ihm wartete noch Gutes: 2014 wurde seine letzte zu Lebzeiten veröffentlichte Platte „Hypnotic Eye“ sein erstes Nummer-1-Album in den USA.

Auf der Bühne war der Southern Gent Petty mit dem strähnigen Haar und dem Bart eines Rebellengenerals bis zuletzt kein Kommunikator, aber mit seiner Meinung hielt er auch nicht hinter dem Berg. Statements gegen Präsident Trumps diskriminierende Transgender-Politik konnte er sich ebensowenig verkneifen wie sein Urteil über die im amerikanischen Süden immer noch als Folklore gehisste Konföderiertenfahne („sie ist für Schwarze das, was die Hakenkreuzflagge für Juden ist“). „I weiß, was richtig ist“, hatte er in „I Won’t Back Down“ gesungen.

Und darauf vertrauten seine Millionen Fans, die nun still oder via Twitter Trauer tragen. Und die Petty liebte. „Leute kommen auf mich zu und sagen, hey Mann, du hast den Soundtrack meines Lebens geschrieben“, sagte er einmal in einem Interview. „Und es gibt nichts Schöneres, was gesagt werden kann.“

Von Matthias Halbig/RND

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