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Kultur Weltweit Sommerspektakel in der Royal Academy London
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00:01 03.07.2018
Die Arbeit „The Queen'“ von John Humphries. Quelle: Foto: EX/Shutterstock
London

Die politischen Provokationen häufen sich in Galerie Drei vor erfrischend sonnengelbem Hintergrund. So hat US-Präsident Donald Trump auf einem Print Sex mit Miss Mexico, die ihre Beine weit spreizt. Nur wenige Meter entfernt hängt ein Anti-Brexit-Werk des Graffiti-Künstlers Banksy, der sich von einem „Vote Leave“-Poster aus der Zeit des Referendums um Großbritanniens EU-Mitgliedschaft inspirieren ließ. Ein Porträt des Rechtspopulisten Nigel Farage wurde unter einem Gemälde platziert, auf dem jemand in einen Eimer kotzt. Zufall? Natürlich nicht. Herausfordernd und witzig? Mit Sicherheit.

Kurator Grayson Perry hat für die diesjährige Sommerausstellung der Royal Academy of Arts (RA) eine für diese Einrichtung fast überraschende Mischung aus nachdenklicher Einkehr und aufrührerischer Heiterkeit erreicht. Über die ehrwürdige Institution und Schau, die seit 1769 jährlich stattfindet und in diesem Jahr ihren 250. Geburtstag feiert, hatte sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr der Staub der antiquierten Noblesse gelegt.

Blick in die Ausstellung. Quelle: REX/Shutterstock

Doch die Allgegenwart der Akademiemitglieder hat Turner-Prize-Gewinner Perry glücklicherweise in den Hintergrund gedrängt. Dafür überkommt den Besucher beim Eintritt in die Ausstellung im positiven Sinne sofort ein Gefühl der Überwältigung. Und das liegt nicht nur an dem riesigen, gute Laune verbreitenden Textilgebilde der portugiesischen Gegenwartskünstlerin Joana Vasconcelos, das in seiner Buntheit an südeuropäische Inneneinrichtungen oder zumindest an unzählige Sofakissen erinnert und von der Decke baumelt. Die Wände sind in leuchtenden Farben bemalt, die einen Kontrast bilden zu den goldenen Verzierungen an der Decke und der Historie des Baus. In den Räumen hängen und stehen bis zum 19. August 1351 Werke – manches wirkt wie Ramsch und ist es für manchen Betrachter vermutlich auch.

Auge in Auge mit der Queen. Quelle: REX/Shutterstock

Andere Bilder, Skulpturen oder Modelle stammen von aufstrebenden Talenten aus der Bevölkerung. Wieder andere tragen die Signatur international gefeierter Künstler wie David Hockney, Tracey Emin oder eben Banksy. Dieser Mix aus Amateur- und professioneller Kunst gilt als das Alleinstellungsmerkmal der Sommerschau. „Es kann schwierig sein, alles unterzubringen“, sagte Perry vor Beginn der Ausstellung gegenüber Medien. Mit den Werken der Mitglieder habe man sich zuerst auseinanderzusetzen, sie müssen gezeigt werden. „Dieser Schritt ist wie ein Fettberg, der alles blockiert“, so die harschen Worte des diesjährigen Kurators, der selbst zum erlesenen Kreis der 80 Akademiemitglieder gehört. Erst dann folge die Auswahl der Arbeiten von Nichtmitgliedern, ob von gestandenen Superstars oder von Nachwuchskünstlern, die anonym einreichen.

Werbung für die Ausstellung. Quelle: imago/ZUMA Press

Wie immer kann das Publikum den Großteil der Stücke erwerben. Doch auch für jene, deren Bedarf an zeitgenössischer Kunst gedeckt ist, eröffnet sich ein farbenfrohes Spektakel allein beim Gang durch das barocke Burlington House am Piccadilly und die Burlington Gardens hin zum Stadtteil Mayfair. Die beiden denkmalgeschützten Gebäude haben sich erst kürzlich dank der Arbeit des Architekten David Chipperfield vereint, dem mit minimalen Mitteln eine sensationelle Generalüberholung gelungen ist. In der ältesten britischen Kunstschule, wo Malerei, Bildhauerei und Architektur gelehrt und gefördert werden, wetteiferten im 18. Jahrhundert bereits Thomas Gainsborough und Joshua Reynolds um Aufmerksamkeit. Der Engländer William Turner stellte 1850 und damit ein Jahr vor seinem Tod seine letzten Werke in der RA aus. Und auch in diesem Jahr schreit die Schau vor Britishness, auch oder gerade wegen der humorvollen Zusammenstellung. Natürlich ist deshalb auch Ihre Majestät in Form einer verzerrten Büste vertreten. „The Queen“ wurde von John Humphreys geschaffen. Wer sich nun überlegt, das 132 000 Pfund teure Werk aus Fiberglas zu erstehen, muss leider enttäuscht werden. An der Beschreibung klebt ein roter Punkt – das Zeichen, dass es bereits einen Käufer gefunden hat.

Von Katrin Pribyl

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