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08:01 06.05.2018
Männer, die auf Rechner starren: Jesse Eisenberg (l., als Mark Zuckerberg) und Joseph Mazzello als Dustin Moskovitz in dem Hollywood-Film “The Social Network“. Quelle: ©Columbia Pictures/Courtesy Eve
Berlin

Außenseiter arbeiten sich aus dem provisorischen Garagenbüro an die Spitze der mächtigsten Technikkonzerne und schaffen im Unischlafsaal eine Plattform, die irgendwann einmal 28 Prozent der Weltbevölkerung nutzen werden. Die Erfolgsgeschichten aus dem Wunderland namens Silicon Valley liefern einer anderen kalifornischen Traumfabrik namens Hollywood vielversprechendes Rohmaterial.

Gates, Jobs, Bezos, Zuckerberg – ihre Geschichten lesen sich wie Paradebeispiele des amerikanischen Traums. Trotz oder gerade aufgrund der auflodernden Konkurrenz zwischen der Filmindustrie und den Bewegtbildangeboten der großen Technologiefirmen bleiben ihre Geschichten in Hollywood nicht unbeachtet. Facebook und Co. sind vielmehr zur festen Größe der Popkultur geworden – auch wenn die sozialen Netzwerke in Film und Fernsehen manchmal Fantasienamen tragen wie das Portal “friendsgate“ einmal im ARD-“Tatort“.

Einen der ersten Versuche, die Welt der Tech-Start-ups zu parodieren, unternahmen 2013 die Serienmacher Evan Endicott und Josh Stoddard. In der Amazon-Serie “Betas“ lassen sie einen neurotischen Programmierer, einen schüchternen Gaming-Fan, einen Profi-Hacker auf Bewährung und einen smarten Jungunternehmer aufeinandertreffen. Sie wollen in einem spielplatzähnlichen Büro die Netzwerk-App “BRB“ gründen.

“Es war wie eine Sekte“

Im Seriengeschäft geht es durchaus zu wie in der risikoreichen Gründerszene, was auch die Macher von “Betas“ am eigenen Leibe erfahren mussten: Der Streamingdienst setzte die Serie nach nur einer Staffel ab. Eine andere US-Serie beweist seit 2014 mehr Durchhaltevermögen. Wie “Betas“ arbeitet die Comedyserie “Silicon Valley“ mit Stereotypen, doch sind die Abläufe realistischer, die Hintergründe detailreicher und die Charaktere bodenständiger.

Produzent Mike Judge schöpfte für das HBO-Format aus der eigenen Erfahrung. Nach seinem Studium arbeitete der Serienmacher, aus dessen Feder auch die ersten TV-Nerds “Beavis and Butt-Head“ entsprungen sind, für ein Valley-Start-up. Doch mit Firmenphilosophie und Arbeitsweise wusste Judge nichts anzufangen. “Es war wie eine Sekte“, sagte er dem “Wired“-Magazin. “Sie glaubten ganz fest an etwas, und ich wusste nicht, was es war.“

An den Erfolg seiner Produktion hingegen glaubte Judge. Vor Drehstart konsultierte sein Team mehr als 200 Experten, darunter auch den ehemaligen Twitter-Geschäftsführer Dick Costolo. So wurde die Serie im Valley selbst schnell zum Gesprächsthema, die Pilotsendung verfolgten knapp zwei Millionen US-Zuschauer.

Liebenswerte Nerds zwischen Garage und Größenwahn: Die Comedyserie “Silicon Valley“ nimmt die Start-up-Welt erfolgreich aufs Korn. Quelle: HBO

Dem Stereotyp des männlichen, isolierten und hochintelligenten Computer-Freaks entspricht auch die Darstellung des jungen Facebook-Gründers Mark Zuckerberg in der Hollywood-Produktion “The Social Network“ (2010). Der Zuckerberg, den Regisseur David Fincher und Autor Aaron Sorkin skizzieren, hat mit den durchaus liebenswürdigen Seriencharakteren jedoch nicht mehr gemein als Schlabberlook und Laptoptasche. Die filmische Auseinandersetzung mit sozialen Netzwerken und der Gründer-Euphorie ist deutlich kritischer.

Nach anhaltenden Dating-Misserfolgen entwickelt der Harvard-Student die Vision, das größte soziale Netzwerk der Welt zu programmieren. Doch statt die Zuckerberg’sche Erfolgsgeschichte aufzuwärmen, arbeiten die Filmemacher mit Motiven wie Hinterhalt, Zwietracht und Missgunst, die zu den Rechtsstreitigkeiten mit Co-Gründer Eduardo Saverin führen.

Zuckerberg selbst kommt dabei nicht gut weg, verfolgt seinen Weg ohne Rücksicht auf Verluste in der realen Sozialwelt und wird zum Unsympathen. Nicht erstaunlich also, dass der reale Zuckerberg mit seinem Leinwand-Ich nicht zufrieden ist. Er sagte: “In Wahrheit ist das Schreiben eines Codes und die Entwicklung eines Produkts nicht glamourös genug, um einen Film daraus zu machen. Sie mussten wohl eine Menge ausschmücken und erfinden.“

Dystopie der totalen Transparenz

Dass die Branche keineswegs so knallbunt-fröhlich ist wie die Bällebäder, in denen die CEOs ihre Meetings abhalten, zeigt auch die Verfilmung eines erfolgreichen Dystopie-Bestsellers. In James Ponsoldts Interpretation von Dave Eggers’ Roman “The Circle“ (2017) weist der gleichnamige Konzern deutliche Parallelen zum umsatzstärksten Technologie-Unternehmen der Welt auf.

Das futuristische Firmengelände gleicht dem kreisrundem Infinite-Loop-Campus in Cupertino, und der Personenkult um die Gründer (gespielt von Tom Hanks und Patton Oswalt), deren Mitarbeiter euphorisiert blinde Gefolgschaft leisten, erinnert an Apple-Jünger, die Loblieder auf Steve Jobs singen. “Geheimnisse sind Lügen“, predigt Hanks in seiner Rolle. Die totale Transparenz ist das Produkt. Eine Invasion murmelgroßer Kameras soll Lügen vermeiden und die ständige Überwachung gewährleisten.

Dem “Circle“-Geist kann sich auch die neue Mitarbeiterin Mae Holland (Emma Watson) nicht entziehen. Die junge Frau beginnt mit der Nonstop-Live-Übertragung ihres Lebens und wird zum Maskottchen einer Massenhysterie. Als die Leiden ihres privaten Umfelds in die Öffentlichkeit getragen werden, entwickelt sich aus der anfänglichen Euphorie ein bedrückendes Szenario, das im heutigen Social-Media-Alltag beunruhigend realistisch erscheint.

Die Verfilmung des Erfolgsromans "The Circle" mit Emma Watson (Bild) und Tom Hanks floppte im Kino, das Szenario erscheint jedoch bedrückend realistisch. Quelle: privat

Ob als bedrohlicher Konzern, als Kommunikationsmittel oder als Recherchewerkzeug der TV-Ermittler – seit dem Boom in den Nullerjahren bemühen sich Regisseure, Autoren und Produzenten, soziale Netzwerke in ihren Werken zu etablieren. Während Grace Kelly in Hitchcocks “Bei Anruf Mord“ (1954) noch mit dem klobigen Hörer in der Hand telefonierte und in der Action-Komödie “Serenade für zwei Spione“ (1965) wichtige Botschaften per Telegramm überreicht wurden, greift Hollywood heute zu Smartphone und Tablet und widmet sich zunehmend der nonverbalen digitalen Kommunikation.

Zwar eignen sich Chatverläufe und Bildschirmsequenzen als filmische Stilmittel, doch neue interaktive und multimediale Erzählformen, die die Mainstream-Internetkultur ständig einfordert und die das Social Web offeriert, gelingen den Kino- und TV-Machern nicht.

Von Mila Krull

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