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Kultur Weltweit „Kinder als Ware“: Schwere Vorwürfe gegen die Wiener Staatsoper
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13:25 10.04.2019
Die Wiener Staatsoper. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Wien

Die Wiener Wochenzeitung „Falter“ erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper. Eine Lehrerin spricht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff. Schülerinnen seien durch ein Verspotten ihrer Körper in die Bulimie (Ess- und Brechsucht) oder Anorexie (extreme Ess-Störung) getrieben worden.

Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Januar gekündigte Lehrerin, die Ballett-Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll.

Die Wiener Staatsoper hat die volle Aufklärung aller Vorwürfe über eine schlechte Behandlung von Schülern der hauseigenen Ballettakademie zugesichert. „Unser Ziel ist, dass wir alles wissen“, sagte Staatsopern-Direktor Dominique Meyer am Mittwoch. Der 63-jährige Franzose zeigte sich sichtlich erschüttert. „Ich bin getroffen, traurig und sehr böse.“ Es sei absolut inakzeptabel, dass die Schüler einer Klasse unter den drastischen Maßnahmen ihrer inzwischen entlassenen Ballettlehrerin gelitten hätten.

„Kinder sind nur eine Ware“

Österreichs Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) hat angesichts der Vorwürfe die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. Die betroffene Lehrerin sei zunächst mündlich und nach der erneuten Verschlechterung des Verhaltens schriftlich verwarnt und schließlich entlassen worden, sagte Meyer. „Ich stelle mir die Frage, ob ich das nicht hätte früher machen sollen.“

Im Zuge der Recherche interviewte das Wochenblatt mehrere ehemalige Mitarbeiter, die den groben Umgang mit den Kindern bestätigten. Darunter die einstige Leiterin der Ballettakademie, Jolantha Seyfried. Sie beklagte eine „Sklavenmentalität“. Die Kinder wären nur eine Ware, um die Oper zu bespielen. Andere sprachen von „Erziehungsmethoden aus dem 19. Jahrhundert“.

Leiterin fordert lückenlose Aufklärung

Ein ehemaliger Schüler wirft einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls sei dieser Lehrer unmittelbar vom Dienst suspendiert worden, so die Oper.

Die Leiterin der Ballettakademie Simona Noya, erklärte, die Klagen erreichten sie erst jetzt. „Ich glaube, das ist ein Einzelfall“, sagte sie. Auch Meyer sprach sich dagegen aus, die 15 Lehrer der Ballettakademie unter Generalverdacht zu stellen. An der Akademie werden zur Zeit knapp 140 Schüler unterrichtet, die zugleich aufs Gymnasium gehen. Die Compagnie der Wiener Staatsoper besteht aktuell zu rund 40 Prozent aus Schülern der Akademie. Bekannt ist das Ballett nicht zuletzt durch seinen Auftritt auf dem Wiener Opernball.

Der Fall Florian:

Eine Mutter unter Missbrauchsverdacht

Von RND/dpa/ka