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Kultur Weltweit Schöner Schein auf Dreckskerle
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18:00 13.12.2017
Ob Sie gerade vom „Richtigen“ träumt? Isabelle (Juliette Binoche) hat immer wieder Pech mit den Männern. Quelle: Foto: Pandora
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Hannover

Was die Umgangsformen mit dem anderen Geschlecht betrifft, ist der Ruf der Männer gerade ziemlich im Keller. Durch diesen Film dürfte sich ihre Reputation kaum bessern: In der ersten Szene rackert sich ein keuchendes Exemplar der Gattung Mann auf seiner Partnerin ab, sie schaut frustriert an die Zimmerdecke. „Komm endlich!“, fordert sie ihn genervt auf. Das tut der Mann dann auch und glaubt hinterher noch, der Superliebhaber zu sein.

Ein Blumenstrauß pro Beischlaf

Dabei ist dieser Banker (Xavier Beauvois) vor allem ein unverbesserlicher Macho mit schlechten Manieren: „Du bist bezaubernd, aber meine Frau ist außergewöhnlich. Ich werde mich nie von ihr trennen“, lässt er seine Geliebte wissen. Bald darauf wird er wieder bei ihr mit einem dicken Blumenstrauß im Arm vorstellig, um – Pardon – zu „ficken“. Aber da hat auch sie von ihm genug und schmeißt den Typen endlich raus.

Nein, mit den Männern hat Isabelle (Juliette Binoche) wirklich kein Glück, und das in Paris, der angeblichen Stadt der Liebe. Wie in einem Zitat funkelt hier einmal der Eiffelturm im Hintergrund, den schon so viele Paare umschwärmt haben. Das lässt sich nur als Ironie verstehen, von der eine größere Portion dem Film gut getan hätte. Zum Tragen kommt sie erst am Ende so richtig, wenn Isabelle bei einem Wahrsager vorstellig wird, um zu erfahren, ob das ganz große Glück für sie doch noch möglich ist.

Gemeinsame Gesprächsthemen gibt es nicht

Sage aber keiner, Isabelle würde es bis dahin nicht versuchen mit den Männern: In Claire Denis’ nachdenklicher Komödie „Meine schöne innere Sonne“ (die 1977 erschienen „Fragmenten einer Sprache der Liebe“ von Roland Barthes werden als Inspiration reklamiert) lässt sie sich immer wieder auf neue Kerle ein. Da gibt es neben dem Banker einen redseligen Schauspieler (Nicolas Duvauchelle), einen übersensiblen Künstler (Alex Descas) und dann noch einen Arbeiter (Paul Blain). Man kann ja auch mal über soziale Grenzen hinwegschauen und testen, ob es trotzdem gemeinsame Gesprächsthemen gibt. Gibt es aber nicht wirklich.

Die Regisseurin hätte gut daran getan, ihren Film mit überzeugenderen männlichen Figuren zu bestücken, um das schwierige Verhältnis zwischen den Geschlechtern aus Frauensicht tiefer auszuloten – aber vielleicht sehen das ja nur Männer so. Die Riege von Isabelles Problembären verwundert jedenfalls, ist die Protagonistin doch eine erfolgreiche Malerin, die nach einer Scheidung selbstgewiss in kniehohen Stiefeln durchs Leben stapft. Isabelle sucht die große, wahre Liebe, emotionale Geborgenheit und ein Miteinander übers Sexuelle hinaus. Bei so viel Sehnsucht wird man leicht blind für die Wirklichkeit.

Der Film wirkt wie eine domestizierte Fortsetzung von „Dreckskerle“

Das vorige Kinodrama der französischen Regisseurin hieß „Les Salauds – Dreckskerle“ (2013), da analysierte Denis sexuelle Macht- und Abhängigkeitsstrukturen, von deren (mitunter kriminellen) Folgen gerade ja so viel an die Oberfläche dringt. Ihr aktueller Film wirkt wie eine domestizierte Fortsetzung der „Dreckskerle“.

Erfreuen kann man sich aber an Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche („Der englische Patient“), die mit großer Natürlichkeit spielt. Immer wieder lässt sie sich mit erstaunlicher Ungeschütztheit auf neue Affären ein, niemals kalkulierend, zunächst immer offen für das, was kommt. Und wer gibt ihr schließlich den Tipp, sich als schöne innere Sonne zu begreifen und erst einmal auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten? Ein massiger Wahrsager mit angenehm säuselnder Stimme, der von Gérard Depardieu verkörpert wird. Einen Frauenversteher gibt es also in diesem Film.

Von Stefan Stosch / RND

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