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06:00 04.05.2017
Netter Baum: Das Monster mit Conor (L. MacDougall). Quelle: StudioCanal
Hannover

Was für ein traurigschöner Film mit einem tollen jungen Hauptdarsteller: Lewis MacDougall spielt in dem britisch-amerikanischen Fantasy-Drama „Sieben Minuten nach Mitternacht“ den 13-jährigen Jungen Conor, der bei seiner todkranken Mutter in England lebt. Um die beiden kümmert sich die distanziert wirkende Großmutter (Sigourney Weaver), während sein Vater mit seiner neuen Familie in den USA lebt. Für Conor ist das Leben eine einzige Tragödie. Den nahen Tod seiner Mutter kann er nicht akzeptieren, ja, er fühlt sich sogar schuldig an ihrem Krebs, seine Großmutter ist für ihn eine Hexe und in der Schule wird er von Mitschülern tyrannisiert. Außerdem leidet er unter Albträumen.

Als er eines Nachts genau sieben Minuten nach Mitternacht wieder einmal zu erwachen scheint, hat sich eine große Eibe auf dem nahen Friedhof in ein knorriges Monster verwandelt. Ein Wesen, das behauptet, ihn besser zu kennen als er sich selbst. In den folgenden Nächten erscheint es immer wieder zur selben Uhrzeit, um ihm Geschichten zu erzählen. Durch die Erzählungen lernt Conor, seine Ängste und Wut zu akzeptieren, und lernt letztlich loszulassen.

Neun Goyas für diesen trostreichen Film

Dann fließen wohl auch bei manchem Zuschauer die Tränen, gleichwohl macht das von Juan Antonio Bayona („Das Waisenhaus“) nach Patrick Ness’ gleichnamigem Jugendbuch inszenierte Drama Mut, selbst mit ausweglos scheinenden Situationen umzugehen. Sogar der Baum als Therapeut funktioniert gut in der poetischen Stimmung, die dieser märchenhaft rührende, zugleich realistische Film erstaunlich perfekt verbreitet. Auch technisch stimmt alles, so sind die Traumsequenzen in wie bezaubernde Aquarelle wirkenden Animationseinlagen gedreht, während der junge Hauptdarsteller in fast jeder Szene zeigt, was für ein großes Talent in ihm schlummert.

Bei den spanischen Filmpreisen wurde Bayona, der 2018 das Dinosaurier-Spektakel „Jurassic World 2“ ins Kino bringen soll, für „Sieben Minuten nach Mitternacht“ mit neun Goyas gewürdigt, unter anderem erhielt er einen Preis als bester Regisseur. Lohnenswert ist der Film im Übrigen auch im englischen Original, in dem der Baum von Liam Neeson gesprochen wird, der Conor mit rauer Stimme zu einer wichtigen Erkenntnis bringen will: „Geschichten sind wichtig“, sagt das Monster. „Sie können wichtiger sein als alles andere. Wenn sie die Wahrheit in sich tragen.“

Von Ernst Corinth

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