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Kultur Weltweit Sanfte Romanze von Coppolas Ehefrau
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00:00 12.07.2017
Zweisamkeit, ganz angenehm: Anne (Diane Lane) genießt die volle Aufmerksamkeit von Jacques (Arnaud Viard), ohne dass ein Seitensprung erforderlich wird. Quelle: Foto: Tobis
Hannover

Wenn eine fünffache Großmutter und 80-Jährige ihren ersten Spielfilm dreht, dann traut sie sich was. Auch wenn sie Eleanor Coppola heißt, schon ein Dutzend Dokumentarfilme realisiert und sich als Autorin und Installationskünstlerin einen Namen gemacht hat. Und auch, wenn sie die Frau von Regielegende Francis Ford Coppola ist.

Ohne Roboter und Aliens warten Filmprojekte lange auf Geld

Sechs Jahre dauerte es, bis die Mutter von Regisseurin Sofia ihr Herzensprojekt verwirklichen konnte, „ich bin eine ältere Frau und mein Film hat weder Roboter noch Aliens, keine Schießereien und Autounfälle, niemand stirbt an Krebs oder wird entführt und Sex gibt es auch nicht. Also war das Ganze für einen Geldgeber uninteressant“, resümiert sie ironisch das Finanzierungsprozedere.

Die Idee zu diesem romantischen Road-Movie kam ihr 2009, als sie nach dem Filmfestival von Cannes ihren Mann nicht auf eine Reise nach Osteuropa begleiten konnte, sondern mit einem befreundeten französischen Geschäftspartner nach Paris zurückfuhr. Der eigentlich siebenstündige Trip dauerte zwei Tage, weil das altersschwache Auto den Geist aufgab.

Im Film erlebt Anne Lockwood (Diane Lane), die Frau eines erfolgreichen Hollywoodproduzenten (Alec Baldwin) ein idyllisch-verwunschenes Frankreich an der Seite des Charmeurs Jacques (Arnaud Viard), der ihr mit Esprit unaufdringlich den Hof macht, ohne ihr zu nahe zu kommen. Coppola wollte ein Gleichgewicht finden zwischen ihrem ständig am Telefon hängenden Mann und dem höflichen Begleiter und „keinesfalls das Klischee vom typischen Franzosen, der jede Frau um den Finger wickeln und ins Bett kriegen kann“ bedienen.

Ungewohnte Intimität – ohne Sexualität

So dürfen ein paar Zweifel an seiner Seriosität aufkommen, wenn er sich ständig ihre Kreditkarte leiht und sich kurz mit einer Ex-Freundin vergnügt. Die beiden ziehen von einem schicken Restaurant zum nächsten oder lassen beim Picknick die Korken knallen, besuchen ein Filmmuseum, bewundern ein römisches Aquädukt, bestaunen eine Kathedrale und genießen die sonnendurchflutete Landschaft mit Lavendelfeldern. Alles in ungewohnter Intimität, aber ohne Sexualität und natürlich ganz exquisit.

Der Weg ist das Ziel. Anne fotografiert mit der Digitalkamera und freut sich über die Aufmerksamkeit ihres „Kavaliers“ der alten Schule, der ihre Kreativität ernst nimmt und sie schon mal mit direkten Fragen in die Bredouille bringt: „Sind Sie glücklich?“, ihre Antwort „Wir führen eine gute Ehe“ lässt Einsamkeit ahnen als nettes Schmuckstück, das dem gleichgültigen Gatten den Rücken frei hält.

Erkenntnis: Annes Glück hängt nicht von Männern ab

Coppola führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch und lässt in der flirrenden Hitze Südfrankreichs die erotische Fantasie spielen. Diane Lane bezaubert als adrette Amerikanerin zwischen Pragmatismus und Entschleunigung, wenn sie langsam Geschmack am Laissez-faire findet und lernt, den Moment zu genießen. Im Verlauf der Reise erkennt sie fast beiläufig, dass ihr Glück von keinem Mann abhängt, sie selbst Verantwortung für ihr Leben und ihre Zukunft übernehmen muss. Auch wenn sie keinen Seitensprung wagt, schlägt sie am Ende ein neuerliches Treffen an einem anderen schönen Ort nicht wirklich aus. Wer weiss, wohin die kleinen Fluchten noch führen?

„Paris kann warten“ ist ein sympathischer und leichtfüßiger Sommerfilm, der zum Innehalten anregt und Lust macht auf einen „petit rouge“ bei Sonnenuntergang . Es geschieht nichts Dramatisches, eine leise Flüchtigkeit liegt über der sanften Romanze, die einfach nur unterhalten will. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In seiner Attraktivität unschlagbar: ein fast paradiesisches Frankreich.

Von Margret Köhler / RND

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