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Kultur Weltweit Samy Deluxe: Leibniz war „eher so ein Player“
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11:04 01.10.2016
Samy Deluxe. Quelle: Frank Dursthoff
Hannover

Deutschlands bekanntester Rapper, Samy Deluxe, wird gemeinsam mit dem Countertenor Valer-Barna Sabadus und dem Ensemble Musica Alta Ripa am 12. November in der hannoverschen Neustädter Hof- und Stadtkirche auftreten. Titel der Veranstaltung ist „Continuum“. Anlass ist der 300. Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz. Einen Tag später wird er mit dem selben Projekt in der Landesvertretung Niedersachsen zu Gast sein.

Leibniz ist 300 Jahre tot . Warum ist er Ihrer Meinung nach immer noch aktuell?

Das kann ich – ehrlich gesagt – so gar nicht beantworten. Ich wusste gar nicht, wer der Herr Leibniz war, bevor mich Danya Segal (Anm. d. Red: die Produzentin) gefragt hat, ob ich bei Continuum mitmachen will. Ich weiß schon, dass er Mathematiker und nicht Kekserfinder war. Außerdem hat er wohl unzählige Briefe geschrieben. An seine Geliebte – oder Geliebten? Er war da wohl eher so ein Player. Aus diesen Briefen habe ich dann Zitate herausgesucht.

Welche denn?

Relativ viele philosophische, über Leben, Tod, Liebe. Man erkennt ganz gut darin seine Weltsicht. Meine Aufgabe ist es ja, den crazy Leibniz-Charakter zum Leben zu erwecken.

Eine der wichtigsten Thesen von Leibniz ist ja die, dass er meinte, wir lebten in der besten aller Welten. Was meinen Sie: Stimmt das heute noch?

Oh, das ist Betrachtungssache. Heutzutage bekommt man ja aufgedrückt, das sei die schlimmste aller Welten, in der wir jetzt lebten. Jeder bekommt über sein Smartphone in Sekundenschnelle die neuesten News. Das lässt uns vielleicht denken, dass es die schlimmste aller Zeiten sei. Ist es aber nicht. In den 80er Jahren gab es viel mehr Terrorismus und Bombendrohungen - und nicht etwa durch irgendwelche Moslems. Die Zeittaktung hat sich geändert. Das ändert auch unser Empfinden für die Dinge. Wir bewerten sie vielleicht anders.

In den Achtzigern waren Sie ein Kind. Ihre Mutter ist Deutsche, Ihr Vater Sudanese; Ihre Hautfarbe ist braun. Haben Sie jemals unter Fremdenfeindlichkeit gelitten?

Fremdenfeindlichkeit in der Form nicht. Ich hatte eher das Gefühl, dass alle reininterpretieren, dass ich adoptiert sein müsste. Ich bin ja in einer weißen Familie aufgewachsen. Meine Mutter hatte sehr schnell einen neuen Mann, der ebenfalls weiß war. Aber ich hatte in meiner Jungend nicht mit Nazis zu kämpfen, sondern ich musste eher mich selbst definieren, herausbekommen, wer ich bin. Ich war anders. Aber das war ja nur meine Hautfarbe. Ich habe ja nichts von der afrikanischen Kultur. Ich spreche fließend und ohne Akzent Deutsch. Es war also nichts von einer Kultur-Challenge, so aufzuwachsen. Ich war halt aufgrund meiner Hautfarbe schon anders.

Und lebten in Deutschland. Was ist denn Deutsch-sein?

Schwierige Frage. Es ist natürlich zum einen die krasse Realität: Deutsch denken, Deutsch sprechen. Aber für mich ist Deutsch-sein auch so was wie ein Adelstitel, etwas, was ich schon aufgrund meiner Hautfarbe nie erwerben kann. Ich weiß: Ich werde auf keinen Fall dazu gehören.

Sie selbst haben für den Tag der Deutschen Einheit in Hamburg 2015 ein Deutschlandlied präsentiert. In „Dis wo ich herkomm“ singen Sie: „Ich werd’ beweisen, dass ich mehr für Deutschland mach’ als der Staat,“ und „Und wir haben keinen Nationalstolz“..

Das habe ich vor knapp zehn Jahren geschrieben. Damals wollte ich eben nicht nur meckern und dadurch eine Schnittmenge bei denen finden, die dann auch sagen: „Yo, alles Scheiße hier...“ Ich wollte mich konstruktiv am politischen Prozess beteiligen – und es war mir sehr wichtig, für einen positiven Nachhall zu sorgen und den Menschen eine gute Message zu geben: Lasst die Vergangenheit nicht so powerful sein. Das müsste man mal resetten. Damals ging es mir auch darum, zu zeigen, was Deutschland für coole open-minded Bürger hat.

Naja, so open-minded erscheinen mir nicht alle. In Dresden hat es einen Sprengstoffanschlag vor einer Moschee gegeben...

Heute sind es ganz andere Faktoren als damals. Diese Flüchtlingsgeschichte und die Wahlergebnisse der AfD schocken mich überhaupt nicht. Für viele existiert Rassismus nur, wenn er in den Medien auftaucht. Dabei ist Rassismus immer da, solange du nicht die Hautfarbe hast und nicht arisch bist, erlebst du das. Das ist Normalität. Damals war es schon schwer, sich zu integrieren, obwohl man perfekt Deutsch sprach und mit der deutschen Kultur aufgewachsen ist. Da ist es heute doch umso schwerer, wenn ein paar Millionen Flüchtlinge im Land sind, die kein Deutsch sprechen und auch die Kultur nicht kennen. Dass das den Menschen Angst macht, ist ganz normal und traurig.

Sie haben einmal in einem Interview gesagt: „Früher dachte ich immer, wenn ich mal Geld habe, haue ich ab aus Deutschland“ - Sie sind immer noch da. Was hält Sie?

(lacht) Ich verdiene inzwischen sehr viel Geld, und ich weiß einfach nicht, was ich genau machen muss, um steuerlich raus zu kommen.

Von RND/Heike Schmidt

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