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Kultur Weltweit Notos Quartett beschreitet ungewöhnliche Pfade
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13:12 18.04.2018
Am Wochenende gaben die Mitglieder des Notos Quartetts ihren Echo zurück. Quelle: Notos Quartett
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Berlin

 Das Beschreiten unkonventioneller Wege gehört auch abseits internationaler Bühnen zum festen Repertoire des Notos Quartetts. Kein Wunder – schließlich sorgte schon sein aus der griechischen Mythologie stammender Namenspatron, der Südwind, für ordentlichen Wirbel.

Frischen Wind brachten die Berliner Kammermusiker bereits mit ihrem Debütalbum in den Klassikbetrieb: Für „Hungarian Treasures“, das Anfang des vergangenen Jahres bei Sony Classic erschien, begaben sich Sindri Lederer (Violine), Andrea Burger (Viola), Philip Graham (Violoncello) und Antonia Köster (Klavier) auf eine außergewöhnliche Suche nach einem verschollenen Schatz. Belohnt wurden die bereits mehrfach ausgezeichneten Musiker dafür nicht nur mit dem lange verloren geglaubten Klavierquartett in C-Moll, Op. 20 des ungarischen Komponisten Bela Bartók, sondern auch mit dem Echo Klassik.

Notos Quartet und Westernhagen geben Echo zurück

Am Wochenende gab das Quartett, das in seiner jetzigen Besetzung seit 2015 besteht, den Musikpreis zurück – und sorgte damit erneut für viel Wirbel. Der Echo toleriere offenen Rassismus, biete ihm eine Plattform und zeichne ihn aus. Das sei untragbar, hieß es zur Begründung. „Über die Entscheidung, antisemitisches und menschenverachtendes Gedankengut sowie die Verhöhnung von Opfern des Holocaust mit einem Preis zu würdigen, sind wir zutiefst erschüttert“, schrieben die Musiker bei Facebook und beschritten damit erneut ungewöhnliche Pfade.

Die Auszeichnung mit dem ECHO KLASSIK 2017 als Nachwuchskünstler des Jahres hatte uns sehr gefreut. Bis vor kurzem war...

Gepostet von Notos Quartett am Sonntag, 15. April 2018

Wenig später zogen Musiker Marius Müller-Westernhagen, Klaus Voormann sowie Pianist Igor Levit und der Dirigent Enoch zu Guttenberg ebenfalls Konsequenzen und trennten sich nach den Antisemitismus-Vorwürfen gegen die Rapper Farid Bang und Kollegah von ihren Trophäen.

Dass es im Musikgeschäft um viel mehr als nur Verkaufszahlen gehen sollte, dafür machen sich die unter anderem vom renommierten Mandelring Quartett sowie dem Alban Berg Quartett und dem Trio Beaux Arts inspirierten Mitglieder des Notos Quartetts mit ihrem eigenen Ausbildungsprogramm stark. Ziel der 2015 gegründeten Notos Chamber Music Academy sei es, gemeinsam mit den Teilnehmern zu muszieren – und damit von der konventionellen Lehrer-Schüler-Beziehung abzurücken, erklärt der aus Bonn stammende Violoncellist Philipp Graham auf der Internetseite der jährlich stattfindenden Veranstaltung.

Dabei soll sich das Gelernte nicht nur auf die Kammermusik beschränken: Die Musiker wollen dem musikalischen Nachwuchs Kenntnisse vermitteln, die er in allen Besetzungen gebrauchen kann. Sowohl in als auch abseits der Musik. Den hohen Stellenwert der Kommunikation innerhalb des Ensembles unterstreicht die Pianistin Antonia Köster. Kammermusik sei immer ein gemeinsames Spiel, das Streben nach einer gemeinsamen Aussage – nicht etwa ein Nebeneinanderherspielen von Solisten, betonte sie jüngst in einem Interview mit dem WDR. Ziel sei es, diese Gemeinsamkeit zu vermitteln.

Inwiefern die Künstler die Debatte mit den Veranstaltern des Musikpreises weiterführen und somit ihren eigenen Ansprüchen an Kommunikation und Gemeinsamkeit gerecht werden, bleibt abzuwarten.

Von RND/Anne Reck

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