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Kultur Weltweit Nicole Kidman: Die Königin von Cannes
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10:29 23.05.2017
Nicole Kidman gemeinsam mit ihrem Mann Keith Urban, der ihr ganz gentlemanlike den Vorrang auf dem roten Teppich in Cannes lässt. Quelle: imago
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Cannes

Wo kramen Hollywoodstars bloß immer diese Plattitüden hervor? Man kann fragen, wen man will, auch jene, die bloß Blockbuster von der Stange abliefern: Stets wissen die Damen und Herren so begeistert von ihrer schauspielerischen Leidenschaft zu phantasieren, als würden sie selbst dran glauben. Vermutlich leihen sie sich gegenseitig den „Kleinen Floskel-Ratgeber für langweilige Journalistenfragen“ aus. Wenn es denn so einen Ratgeber gibt.

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Und jetzt sitzt da schon wieder so ein A-Star in Cannes und spricht davon, sich in jeder Rolle neu auszuprobieren und Grenzen auszutesten – und manchmal auch gegen die eigene Angst anzuspielen. Das Besondere ist bloß: Es könnte stimmen. Nicole Kidman, die Frau aus Down Under, hat sich als Charakterdarstellerin bis ganz noch oben im Weltkino gearbeitet. Momentan ist sie mit gleich vier Filmen in Cannes vertreten, mutmaßlich ein Rekord. Kidman ist die strenge Internatsmutter in Sofia Coppolas „Die Verführten“ und eine radikale Lesbe in Jane Campions TV-Serienfortsetzung von „Top of the Lake“, sie ist die opferbereite Mutter im düsteren Thriller „The Killing of a Sacred Deer“ und auch in dem Coming-of-Age-Film „How to talk to Girls at Parties“ dabei.

„Ich befinde mich in einer Lebensphase, in der ich versuche, mich so frei zu entscheiden, als wäre ich 21 und würde meine Karriere gerade erst starten“, sagt sie. Und muss schmunzeln: „So gut das eben geht.“ Schließlich wird sie im Juni 50. Mit ihrer Risikobereitschaft hat es Kidman nun zur Königin von Cannes gebracht. Oder etwa nicht? „Ich bin einfach eine Schauspielerin, die für vier Projekte in Cannes gebucht wurde“, sagt sie. „Das war so nicht geplant.“

Bescheiden ist sie also auch noch. So weit das eben geht bei Gagen im zweistelligen Millionenbereich und den daraus folgenden PR-Verpflichtungen: Kidman residiert dort, wo alle wirklichen Stars unterkommen: weitab vom Trubel im Hotel Du Cap Eden Roc in Antibes. Hier haben schon Ernest Hemingway, Marlene Dietrich und Pablo Picasso genächtigt. 33.600 Euro, so heißt es, kostet ein Zimmer für die gesamte Festivalzeit, da ist Frühstück schon mit drin. 25 Outfits hat sie angeblich im Gepäck für die Auftritte in diesen wilden Tagen.

So richtig freigespielt hat sich Kidman erst 2001 nach der Trennung von Tom Cruise, der ihre Karriere erst befördert und dann aufgehalten hat. Als die beiden in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ 1999 als ein Ehepaar in der Krise vor der Kamera standen, schien das Ende der Beziehung vorweggenommen. Sie war in dem Film die Abgeklärte, er stand wie ein kleiner Junge daneben. „Jetzt kann ich endlich wieder hohe Absätze tragen“, bekundete sie nach dem Schlussstrich grimmig. Und dann startete die 1,80-Meter-Frau ohne ihren zehn Zentimeter kleineren Ex-Gatten richtig durch.

Im Musical „Moulin Rouge“ schlüpfte sie in die Rolle einer Nachtclubsängerin. In „The Hours“ ließ sie sich als depressive Schriftstellerin Virginia Woolf eine dicke Nase aufpfropfen und brachte ihr Starimage dahinter zum Verschwinden. Dafür gab’s den Oscar. Für den dänischen Dogma-Regisseur Lars von Trier stellte sie sich in „Dogville“ an Kreidestrichen auf einer leeren Theaterbühne auf. Zuletzt spielte sie in „Lion - Der lange Weg nach Hause“ die liebende Mutter eines indischen Adoptivkindes.

Mutterrollen: Das scheinen ihr sowieso die liebsten zu sein. Ihrem Filmkind Sunny Suljic aus „Sacred Deer“ legt Kidman noch beim Photocall in Cannes die Hand schützend um die Schulter. Inzwischen ist sie mit dem Countrysänger Keith Urban (1,78 Meter) verheiratet, aus beiden Beziehungen hat sie vier Kinder, zwei mit Cruise, zwei mit Urban.

Vor drei Jahren verwandelte sie sich in Cannes in Grace Kelly, als deren legitime Nachfolgerin sie vor der Kamera gilt - auch wenn sie selbst als ihr Vorbild Katherine Hepburn nennt. Für den Grace-Kelly-Auftritt erntete sie viel Spott, inzwischen aber wird ihr schauspielerischer Mut allenthalben anerkannt. Regisseure vergleichen ihren „Abenteuergeist“ mit dem der französischen Ausnahmeschauspielerin Marion Cotillard.

„Ich versuche mit meinen Rollenentscheidungen, junge Leute zu unterstützen - und ganz bewusst immer wieder auch Regisseurinnen“, sagt sie. Hat sie für den Nachwuchs einen Rat parat? Aber klar: „Finde heraus, wer du bist. Das ist der sicherste Platz, von dem aus du agieren kannst.“ Das könnte aus dem Ratgeber für Hollywoodstars stammen, klingt aus Kidmans Mund aber so, als spräche sie aus eigener Erfahrung.

Von Stefan Stosch/RND

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