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Kultur Weltweit Mensch, Schimpanse!
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06:00 03.08.2017
Sein letzter Kampf: Schimpanse Caesar, gespielt von Andy Serkis, muss das Überleben seiner Art sichern. Quelle: Fox
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Hannover

Ist Rache ein rein menschliches Konzept, oder gibt es das auch im Tierreich? Können Schimpansen weinen? Und ist es eine Beleidigung für einen Gorilla, Esel genannt zu werden? Fragen über Fragen – was ja schon mal ungewöhnlich für einen Hollywood-Blockbuster ist und gewiss für diesen spricht, weil er sich eben nicht so einfach ausbuchstabieren lässt.

Die „Planet der Affen“-Trilogie ist auch etwas Besonderes: Sie handelt davon, wie Affen human werden und wie die Menschen ihre niedersten Instinkte rauslassen – von tierischen möchte man lieber nicht sprechen. In Matt Reeves’ abschließendem Film „Survival“ lösen die Affen die Menschen endgültig als Krone der Schöpfung ab. Es dürften sich hier all jene bestärkt fühlen, die daran zweifeln, dass es sich beim Menschen um ein Spitzenprodukt der Evolution handelt.

Aber mit der menschlichen Herrschaft über alle anderen Kreaturen ist es ja sowieso irgendwann vorbei: Wir wissen das, seit Filmastronaut Charlton Heston sich auf einem vermeintlich fernen Planeten wähnte und dann die New Yorker Freiheitsstatue im Sand entdeckte – eine ikonische Szene der Kinogeschichte in „Planet der Affen“ von 1968. Der Weltraumpionier war justament auf der Erde gestrandet, wo in seiner Abwesenheit Affen die Macht übernommen hatten. Was allerdings in Franklin J. Schaffners Verfilmung von Pierre Boulles gleichnamigem dystopischen Roman fehlte, war die Vorgeschichte: Was war mit der menschlichen Entwicklung bloß so schrecklich schiefgelaufen?

Die ganze Traurigkeit der Welt in Caesars Augen

In drei „Planet der Affen“-Filmen – „Prevolution“ (2011), „Revolution“ (2014) und nun eben „Survival“ – liefert Hollywood die fehlenden Puzzleteile nach: Wie die Menschen in ihrem Allmachtswahn ein Virus gegen Alzheimer züchteten, das die Intelligenz der Affen wachsen ließ, sie selbst aber dahinraffte, und wie der Schimpanse Caesar zum weisen Anführer wurde. Jetzt steht ihm der ultimative Kampf bevor, dessen Ausgang wir Kinozuschauer zwar kennen, den wir aber gebannt verfolgen. Die Vorgeschichte sehen wir – anders als bei Charlton Heston – aus der Perspektive der Affen. Die ganze Traurigkeit der Welt spiegelt sich in Caesars Pupillen. Der Krieg wird ihm durch einen wahnsinnigen Colonel (Woody Harrelson) aufgezwungen, der durchaus verwandt mit Colonel Kurtz aus „Apocalypse Now“ sein könnte. Vielleicht aber hat er noch mehr Ähnlichkeiten mit einem sadistischen KZ-Kommandanten.

„Wir sind keine Wilden“, sagt der Schimpanse Caesar. Das könnte aus dem Mund eines mit einem Speer bewaffneten Waldbewohners auf einem galoppierenden Pferd seltsam anmuten. Aber nicht für Kinogänger: Wir glauben Caesar. Wir haben uns schließlich schon zwei Filme zuvor auf seine Seite geschlagen und wünschen den Menschen, also unserer Spezies, die Niederlage herbei. Ein bisschen Schizophrenie gehört bei diesem Film dazu.

Der Charlton-Heston-Film ließ sich damals als bitterböse Parabel auf Rassismus jedweder Couleur entziffern, hier wird uns Menschen ein Spiegel vorgehalten – und wir entdecken darin eine Spezies, die zu Frieden und Kooperation unfähig ist. „Survival“ ist zu großen Teilen eine Passionsgeschichte, bei der sich die Filmemacher ziemlich weit vorwagen: Wir sehen Schimpansen am Kreuz. Und wenn hier die Affen zur Zwangsarbeit gezwungen werden und der Colonel hoch oben von seiner Käfig-Veranda das Geschehen überwacht, fühlt man sich an ein Konzentrationslager erinnert, denn wir kennen eine ganz ähnliche Szene aus „Schindlers Liste“.

Lebensechtere Affen im Kino hat man nie gesehen

Dass Affen bei den Zuschauern so viel Empathie auslösen, liegt an der speziellen Verwandlungskunst von Andy Serkis alias Caesar. Hier stecken keine Menschen mehr in schlichten Affenkostümen wie noch bei Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Serkis hat das Motion-Capture-Verfahren als Gollum in „Herr der Ringe“, als Supreme Leader Snoke in „Star Wars“, vor allem aber in der Schimpansenrolle perfektioniert. Dabei werden Schauspieler in Spezialanzüge mit Markern gesteckt und ihre Mimik und Gestik von Kameras abgetastet. Die Bewegungsabläufe lassen sich auf digitale Modelle übertragen. Lebensechtere Affen hat man im Kino nie gesehen – auch wenn diese hier sprechen können.

Gelegentlich treibt es der Regisseur, der schon für den zweiten Affen-Film zuständig war, allerdings zu weit – zum Beispiel dann, wenn die Affen einem überlebenden Menschenmädchen reichlich kitschig eine Kirschblüte ins Haar stecken. Dennoch ist „Survival“ ein schmerzvolles, ja, anrührendes Roadmovie an der Seite von Caesar, der entscheiden muss, ob ihm die Rache für seine ermordete Familie wichtiger ist als das Überleben seiner Spezies.

Von RND/Stefan Stosch

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