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Kultur Weltweit Malick wie aus dem Maklerkatalog
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00:00 24.05.2017
Liebe ohne Fortune: Faye (Rooney Mara) und BV (Ryan Gosling) Quelle: Broad Green Pictures
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Hannover

Schon mit seinem ersten Film „Badlands“ (1973) wurde er zur Ikone. Terrence Malick pfiff damals auf die Filmstudios und sammelte das Geld bei kleineren Investoren. „In der Glut des Südens“ brachte ihm fünf Jahre später die „Regie- Palme“ in Cannes – und erst 20 Jahre später tauchte er mit „Der schmale Grat“ aus der Versenkung auf, 2011 folgte die „Goldene Palme“ für „The Tree of Life“. Sich rar machen ist offenbar die beste Werbung. Doch das Image bröckelt, seit Malick regelmäßig dreht. „To the Wonder“, „Knight of Cups“ und jetzt „Song to Song“, die man Trilogie nennen kann, kratzen am Nimbus der Genialität.

Iggy Pop und die Red Hot Chili Peppers treten auf

Esoterischer Kitsch oder edle Kunst? An Malick scheiden sich die Geister. Was der Maestro in 130 Minuten bietet, erstaunt ob der fahrigen Handlung. Die Folie für Gefühlsverwirrungen bildet die lebendige Musikszene in Austin, da dürfen kurz mal Iggy Pop oder auch die Red Hot Chili Peppers auftreten. Musikerin Faye (Rooney Mara) will nach oben, der direkte Weg führt übers Bett von Musikproduzent Cook (Michael Fassbender), ein Macho, der aufgrund seiner Position jede kriegen kann. Dass sich Faye in den ebenfalls von Cook abhängigen Songwriter BV (Ryan Gosling) verliebt, stand nicht auf ihrer Karriereagenda.

Natürlich endet diese klassische Dreiecksbeziehung ohne Fortune, zumal die Kellnerin Rhonda (Natalie Portman) Geld braucht und sich an Cook heranmacht. Aus dem Trio wird ein Quartett, und es stellt sich die Frage: Kann man Untreue verzeihen? Der nicht gerade revolutionäre Plot verbreitet gepflegte Langeweile. Terrence Malick frönt seinem Hang, die Schauspieler frei improvisieren zu lassen, um dann im Schneideraum daraus eine verrätselte Geschichte zu schaffen, was hier nicht so richtig funktioniert. Die philosophisch angehauchten Dialoge und inneren Monologe ergeben ebenso wenig Sinn wie die bedeutungsschwangere Voice Over.

Verlass ist auf die guten Schauspieler

Die haltlosen Figuren schlittern von einer prachtvollen Villa zum nächsten schicken Loft. Das Ganze sieht nach einem Maklerprospekt für Luxusimmobilien aus. Besonders pompös ist die Residenz von Cate Blanchett, einer reichen Partykönigin, die BV becirct. Emmanuel Lubezkis Kamera richtet sich ganz nah auf Gesichter, aber noch lieber auf Hände, die fordernd über weibliche Schenkel, Busen und Bäuche in einer Mischung aus Erotik und Voyeurismus tasten. Von jeglichem Inhalt unbelastet, kann man sich auf die trotz allem guten Schauspieler verlassen – Michael Fassbender als Sexhungriger, für den Macht ein Aphrodisiakum ist, Ryan Gosling als sympathischer Kerl, Rooney Mara, die für Erfolg Seele und Körper verkauft, Nathalie Portman bei der Jagd auf ein besseres Leben. Sie alle loten Freiheiten aus, können sie aber nicht nutzen. Was bleibt, sind emotionale Kollateralschäden.

Von Margret Köhler / RND

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