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Kultur Weltweit Komödie: Wenn Adoption zum Hürdenlauf wird
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00:00 12.07.2017
Glückliche Adoptiveltern: Paul (Lucien Jean-Baptiste), Sali (Aïssa Maïga, Mitte) mit Tante Anna (Naidra Ayadi, l.) und Baby. Quelle: Foto: Neue Visionen
Hannover

Wenn Menschen wie Angelina Jolie und Brat Pitt ein Kind aus Kambodscha, Äthiopien oder Vietnam adaptieren, ist das eine gesellschaftlich anerkannte Angelegenheit. Aber was wäre eigentlich, wenn ein schwarzes Paar ein weißes Baby adoptieren würde? Dieser Fragestellung geht die französische Komödie „Zum Verwechseln ähnlich“ von Lucien Jean-Baptiste nach.

Häufige und unerwartete Kontrollbesuche

Nur kurz zögern Sali (Aïssa Maïga) und Paul (Lucien Jean-Baptiste), als die Beamtin der Kinder- und Jugendfürsorge ihnen das Foto des Säuglings erwartungsvoll über den Tisch schiebt, bevor sie der Adoption des kleinen, weißen Benjamins zustimmen. „Dann sind wir eben eine Benetton-Familie“ sagt Paul noch leichtherzig. Aber ganz so einfach gestaltet sich das Adoptionsverfahren über die ethnischen Grenzen hinweg in diese Richtung nicht. Die zuständige Mitarbeiterin des Amtes für Familienzusammenführung Madame Mallet (Zabou Breitman) sieht in dem Präzedenzfall das Wohl des Kindes bedroht und wartet dem jungen Elternpaar mit häufigen und unangemeldeten Kontrollbesuchen auf.

Beim Kinderarzt und auf dem Spielplatz wird Sali stets für die Babysitterin gehalten. Die vor Jahrzehnten aus dem Senegal eingewanderten Eltern sind schockiert über das weißhäutige Enkelkind und torpedieren das Unternehmen mit Voodoo-Zauber und Hausverboten. Als bunte, turbulente Boulevard-Komödie inszeniert Regisseur Lucien Jean-Baptiste seine multikulturelle Adoptionsgeschichte. Im Zentrum steht ein junges Paar mit afrikanischer Wurzeln, das fest im Mittelstand der französischen Gesellschaft verankert ist, gerade eine Blumenladen eröffnet hat und nun nach kleinfamiliärem Glück strebt.

Liebespaar mit enormer Herzenswärme

Lucien Jean-Baptiste und Aïssa Maïga spielen dieses Liebespaar mit einer solchen Herzenswärme, dass man sich ihrer sympathischen Aura unmöglich entziehen kann. Sie sind das emotionale Zentrum einer Komödie, die eine interessante Grundidee leider etwas schlicht in Szene setzt und zu sehr auf die Schnittmusterbögen konventioneller Lustspielformate verlässt. Wie aufgescheuchte Hühner werden die Figuren durch die überschaubare Plotkonstruktion gescheucht, was zu einer Menge Trubel von eher kurzatmigem Unterhaltungswert führt.

Am Schluss liegen sich alle voller erlernter Toleranz in den Armen – ein Happy End, das man allen Beteiligten gönnt, wäre der Weg dorthin nur ein wenig komplexer verlegt worden.

Von Martin Schwickert / RND

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