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Kultur Weltweit Komm, wir lesen Weihnachtsgeschichten
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19:00 15.12.2017
Gemütliche Weihnachtszeit: Gemeinsames lesen verkürzt das Warten auf den Weihnachtsmann. Quelle: iStockphoto
Hannover

„Es gibt kein Alter, in dem alles so irrsinnig intensiv erlebt wird wie in der Kindheit. Wir Großen sollten uns daran erinnern, wie das war. Lesen ist ein grenzenloses Abenteuer der Kindheit“, hat Astrid Lindgren einmal gesagt. Und recht hat sie. Besonders die Vorfreude auf Weihnachten im Advent gehört für viele Erwachsene wohl zu den intensivsten Erinnerungen an die eigene Kindheit. Eine ideale Zeit also für Eltern mit ihren eigenen Kindern gemeinsam in Büchern zu schmökern.

Das sind unsere Empfehlungen:

Ein Stern für Teddy und Panther

Karen Duve: „Weihnachten mit Thomas Müller“. Galiani, ab 6 Jahren, 10 Euro. Quelle: Verlag

Der Thomas Müller in dieser Geschichte spielt nicht beim FC Bayern. Er ist ein Bär. Ein abgeliebter Stoffbär, der von seinem sechsjährigen Besitzer mitgeschleppt wird zum Last-minute-Weihnachtseinkauf. Und der dann vergessen wird in dem großen Kaufhaus, während seine Besitzerfamilie wieder rausfährt in den Vorort, um Weihnachten zu feiern.

Thomas Müller bleibt zurück in der verlassenen Einkaufszone, in der außer böswilligen Taxifahrern und einer gefährlich aussehenden schwarzen Wanderkatze niemand mehr unterwegs war. „Nenn mich Panther. Panther, Kaiser über alle Wanderkatzen“, sagte die Katze. „Oh, Sandra Kaiser, das ist aber ein schöner Name“, sagte Thomas Müller, der immer noch Wasser in den Ohren hatte, denn die Taxifahrer hatten ihn in den Brunnen geworfen. Dann fällt ein Stern vom Himmel und außer dem Bären und der Katze sieht ihn niemand.

Autorin Karen Duve war selbst einmal Taxifahrerin und hat einen ganzen Roman darüber geschrieben. Sie schafft es in dieser kurzen Geschichte, das Berührende einer Weihnachtsnacht mitten in der ganzen grotesken Banalität zu schildern. Bär und Katze machen sich auf den Weg durch den Schneeregen, es ist beinahe ein Abenteuerroman. „Ich kann nicht mehr“, sagt Thomas Müller, „meine Pfoten sind schon ganz durchgewetzt. Gleich kommt Holzwolle raus.“ Natürlich, denn es ist die Weihnachtsnacht, kommen sie glücklich zu Hause an. (jps)

Geht ans Herz, bleibt im Kopf

Barbara Robinson: „Hilfe, die Herdmanns kommen“ Neu illustriert von Anke Kuhl, ab 8 Jahren, Oetinger, 12,99 Euro Quelle: Verlag

In Weihnachtsliedern und -gedichten ist viel von Jubel und Heiterkeit die Rede. „Lasst uns froh und munter sein“ und grinsend wie Honigkuchenpferde durch die Adventszeit taumeln. Sehr gern würden wir uns darauf einlassen. Wenn die Tage nur nicht so nasskalt und vor lauter Jahresendspurtstimmung so stressig wären. Die Buchverlage sind alle Jahre wieder eifrig darum bemüht, Hochstimmung zu verbreiten, indem sie zunehmend auf grelle Ulkgeschichten rund ums Fest setzen. Besonders bei Kinder- und Jugendbüchern. Da wimmelt es nur so von schusseligen Weihnachtsmännern und tollpatschigen Rentieren. Das ist oft allenfalls was zum Schmunzeln und nichts, worüber Kinder und Erwachsene laut lachen können. Was das angeht, ist Barbara Robinsons Klassiker „Hilfe, die Herdmanns kommen“ in der Übersetzung von Nele und Paul Maar seit Jahrzehnten einsame Spitze – vor allem als Vorlesebuch: Wie die sechs verlotterten Herdmann-Kinder, die sich durchs elternlose Leben schlagen, mit der Mitwirkung an einem Krippenspiel eine spießige Gemeinde aufmischen, ist grandios amüsant, aber gleichzeitig auch sehr anrührend. Da kullern nicht nur Lachtränen. Robinsons sozialkritischer Ansatz regt schon Grundschüler zum Nachdenken über soziale Unterschiede an. Die Herdmanns bleiben im Gedächtnis – auch wenn Weihnachten schon längst wieder vorbei ist. (kh)

Grütze für den Weihnachtswichtel

Astrid Lindgren (Text), Harald Wiberg (Illustrationen): „Tomte und der Fuchs“, ab 4 Jahren, Oetinger, 12,90 Euro. Quelle: Verlag

Tomte heißt Wichtel auf Schwedisch, und der Wichtel Tummetott sieht mit seiner roten Mütze ein wenig weihnachtsmännisch (das wäre dann der Jultomte) aus. Man erhascht ihn nie auf seinen nächtlichen Kontrollgängen über Flur und Bauernhof, im Buch „Tomte und der Fuchs“ konnte man ihn aber sehen, diesen gütigen, alten Bart auf zwei Beinen, und man konnte dann kaum erwarten, bis wieder umgeblättert wurde und eine neue winterlich-weihnachtliche Szene zu sehen war. Was alles passierte, während die Bauernfamilie ahnungslos im Haus schlief, war unglaublich. Wie Astrid Lindgrens Tomte Hund, Katze und den Tieren in den Ställen von Frühling und Sommer erzählt und versucht, den Fuchs Mikkel vom Hühnerstall abzubringen, hat einen hundertmal ins Schneeland Schweden gezogen. Auch wenn man eigentlich jede Zeile aufsagen konnte, hat einen die Geschichte ein ums andere Mal neu verzaubert, war es irgendwie immer das erste Mal. Und die Stimme der Vorleserin war warm wie Lebkuchen, wenn sie Astrid Lindgrens trotz verschlagenen Fuchses behagliche Weihnachtsatmosphäre wieder und wieder erschuf. Was einen dann gut einschlafen ließ, war das Wissen, dass wunderbare Mächte wie der Tummetott über die Balance aller Dinge wachten. Freilich gibt’s das nicht umsonst: Nicht vergessen, an Weihnachten die Grütze für den für euch zuständigen Tomte rauszustellen! (big)

Über den Dächern von Stockholm

Mårten Sandén (Text), Lina Bodén (Illustrationen): „Schornsteinweihnachten“, Verlag Sauerländer, ab 6 Jahren, 14,99 Euro. Quelle: Verlag

In Weihnachtsgeschichten wimmelt es oft von Waisenkindern. Auch in diesem Buch des schwedischen Autors Mårten Sandén geht es um Waisenkinder – allerdings um solche, die ihr Schicksal mutig in die Hand nehmen. Stella und Issa sind zusammen mit Mago aus dem Waisenhaus ausgebüxt und im winterlichen Stockholm gelandet. Mago hofft, dass ihr Vater aus Afrika kommt, um sie alle – auch ihre elternlosen Freunde – zu sich zu holen. Doch dann kommt alles ganz anders. Ein fantasievolles Weihnachtsabenteuer beginnt. Die drei Kinder treffen einen Obdachlosen mit langem, weißem Bart. Sein Name ist Niklasson – an viel mehr kann sich der alte Mann nicht mehr erinnern. Die Drei finden Unterschlupf in der „Puppenstube“ der warmherzigen Miriam. Die stimmungsvoll illustrierte Geschichte in 24 Kapiteln hinterlässt ein wohliges Gefühl. Es weihnachtet sehr. (hma)

Schinken für alle!

Astrid Lindgren: „Michel muss mehr Männchen machen“. Ab 8 Jahren, Oettinger, 9,90 Euro. Quelle: Verlag

Als Kind haben es sich viele gewünscht und auch mancher Erwachsene würde sich gern einmal durch ein schwedisches Weihnachtsbüfett futtern. Bei einem, das so reichlich gedeckt ist wie in Astrid Lindgrens „Michel muss mehr Männchen machen“, könnte man Weihnachtsschinken probieren und Rosinen-Grützwurst sowie Sirupbrot oder Wacholderbier und vieles mehr. Aber das ist nur ein Grund, warum sich das Kapitel „Montag, der 26. Dezember, als Michel ,Das große Aufräumen von Katthult’ veranstaltete und die Maduskan in der Wolfsgrube fing“ so wunderbar für die Weihnachtszeit eignet. Die Geschichte rund um ein Armenhaus verbreitet auch winterlichen Grusel. Vor allem aber ist Michels unkonventionelle Weihnachtsfeier ein Aufruf zur Nächstenliebe – denn der „Lausejunge“ sorgt dafür, dass sich die Ärmsten der Armen einmal so richtig satt essen können. Weihnachtlicher geht es nicht. (ce)

Weihnachten mit Prálinek

Axel Hacke: „Prálinek. Eine Weihnachtsgeschichte“. Mit Bildern von Michael Sowa. Kunstmann, ab 6 Jahren, 6,95 Euro. Quelle: Verlag

Endlich hat der Vater Zeit für eine Geschichte, endlich ist er nicht wie so oft in China. „Das Leben“, denkt der Vater, „nimmt nicht viel Rücksicht auf einen Jungen, der abends gerne seinen Vater bei sich hätte, damit er ihm vorliest und was erzählt.“ Aber jetzt ist er ja da. Und so beginnt er in Axel Hackes herzenswarmer Weihnachtsgeschichte „Prálinek“ seinem Sohn von Arthur zu erzählen, während die beiden warten, dass die Weihnachtsglocke zur Bescherung bittet: Der neunjährige Arthur ist allein zu Hause, als eine Pralinenpackung merkwürdig seufzt. Er schaut sie an, und plötzlich entdeckt Arthur in ihr etwas anderes als die Packung. Für ihn ist sie eindeutig der Kopf eines Roboters. So baut er aus der Schachtel und anderen Dingen Prálinek. Der Roboter erlebt im Kinderzimmer einige Abenteuer, aber schon früh kennt er auch sein Schicksal: Er ist ein Geschenk. Bloß für wen? (tz)

Vorfreude mit Zimtbollen

Kirsten Boie: „Weihnachten im Möwenweg“. Oetinger, ab 8 Jahren, 13,99 Euro. Quelle: Oetinger

Engel, Wichtel und Wunder gehören zu einer Weihnachtsgeschichte wie Backpulver in den Plätzchenteig. Im Möwenweg aber ist in der Vorweihnachtszeit alles wie immer. Es fallen keine Sterne vom Himmel, und der erste Weihnachtsmann, der den Kindern begegnet, fährt mit dem Mofa durch eine Pfütze und spritzt sie nass.

Autorin Kirsten Boie hat erkannt, dass für Kinder schon der Alltag ein großes Abenteuer sein kann. Im vierten Band ihrer „Möwenweg“-Reihe erzählt sie liebevoll und mit Humor aus Sicht der achtjährigen Tara davon, wie sich die acht Nachbarskinder aus einer Reihenhaussiedlung am Stadtrand auf Weihnachten vorbereiten und freuen. Da werden Geschenke gebastelt, Krippenspiele besucht und Kekse gebacken. Dass dabei auch mal etwas schiefgeht und die Zimtsterne zu matschigen, aber leckeren Zimtbollen werden, ist ja klar. Nebenher erfahren die Leser von den Träumen und Lebensfragen der Kinder: Sollte man Wurst essen dürfen, wenn man Tiere mag? Ab welchem Alter ist ein Smartphone erlaubt? Und warum gibt es in einigen Familien mehr Geschenke als in anderen?

Einmal wird Tara beim Singen ganz warm ums Herz, jedenfalls so lange, bis die Jungen den Text mal wieder veralbern müssen. Aus „O Tannenbaum“ wird dann „Komm her, wir gehen Kartoffeln klauen“. Trotzdem müssen alle lachen. Manchmal ist schon der Alltag ein kleines Wunder. (ds)

Von RND

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