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06:00 27.04.2017
Sympathischer Aufschneider: „Star-Lord“ alias Peter Quill (Chris Pratt). Quelle: Disney
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Hannover

Hat der schlecht gelaunte Weltraum-Schmuggler Han Solo je von David Hasselhoff geträumt? Haben es die heroischen Avengers je mit einer Art goldbronzen glänzendem Sonnenstudio-Völkchen zu tun bekommen, das sich für das schönste im ganzen Universum hält? Hat Superman es je gewagt, das Wort Penis in den Mund zu nehmen? Nicht, dass wir uns erinnern könnten.

Im Kino herrscht zwar mittlerweile eine schwer erträgliche Inflation von Superhelden, aber die allermeisten sind doch melancholische Typen, die ein schweres Päckchen mit sich herumschleppen und zum Lachen in den Mondschatten gehen. Dann aber eroberten vor drei Jahren die „Guardians of the Galaxy“ die Leinwand und wollten vor allem eines haben: ihren Spaß.

Die knorrigen Proleten legten einen Sensationserfolg hin

Mit dieser schrillen Truppe um einen angeberischen „Star-Lord“ alias Peter Quill (Chris Pratt), einen genetisch frisierten Waschbären (im Original mit der Stimme von Bradley Cooper), einen tumben Muskelberg (Wrestler Dave Bautista), eine Killer-Amazone (Zoe Saldana) und einen sprechenden Baum namens Groot (die Stimme von „Fast & Furious“-Mann Vin Diesel) schien Marvel vor drei Jahren endlich mal etwas zu riskieren. Regisseur James Gunn versammelte eine Bande von Außenseitern, denen der weit verästelte und mittlerweile zu Disney gehörende Comic-Konzern bislang bestenfalls einen Platz im hinteren Heftchenregal zugewiesen hatte. Und nun legten diese knorrigen Proleten weltweit einen echten Sensationserfolg an der Kasse hin. Die Sehnsucht beim Publikum nach etwas anderen Helden war offenbar groß.

Damit war aber auch klar: Das würde Folgen haben. Hollywood glaubt an das Gesetz der Serie – auch auf die Gefahr hin, jede halbwegs originelle Schöpfung irgendwann als x-fach ausgewrungenes Massenprodukt enden zu lassen. Nun also startet das zweite Abenteuer der Weltraumwächter, und siehe da: Dem Regisseur, der auch das Drehbuch schrieb, ist es weitgehend gelungen, den anarchischen Charme zu bewahren. Diese Superhelden ziehen immer noch wie eine unter Drogen gesetzte Karnevalistentruppe los und zerdeppern, was sich ihnen in den Weg stellt. Manchmal sieht das zwar schrecklich brutal aus, wird aber durch Humor leidlich abgefedert

Ein Nachwuchspflänzchen namens Baby-Groot

Allein die Eingangssequenz: Da kämpfen die vier aus dem ersten Teil verbliebenen Guardians wie immer mit letztem Einsatz gegen eine gierige Tentakel-Kreatur mit riesigem Schlund, und was kriegen wir davon zu Gesicht? Vornehmlich ein Nachwuchspflänzchen auf zwei Beinen namens Baby-Groot, das versonnen zur Musik tanzt und von dem Tohuwabohu um sich herum gar nichts mitbekommt. So wichtig ist so eine Ballerei ja nun auch wieder nicht – und bei den Guardians hat die Popmusik schon von Anfang an eine besondere Rolle gespielt. Das ist mit einem neuen Mixtape auch wieder so.

Schon dieser Beginn zeigt aufs Schönste das Prinzip: Der Regisseur stellt seine Guardians mit Haut, Haar und auch Holz in den Dienst des Genres, aber nimmt sich dabei alles andere als bierernst. Neuzugang Baby-Groot ist fortan drauf und dran, den anderen die Show zu stehlen – wäre da nicht der zynische Waschbär Rocket, der nach wie vor keinesfalls Waschbär genannt werden möchte, nebenbei sein Ding durchzieht und seine Guardians damit zu Gejagten macht.

Ach ja, so fängt diese Geschichte an, die wie schon im ersten Film nicht wichtig ist, sondern vor allem dazu dient, es ordentlich krachen zu lassen. Killer-Amazone Gamora muss sich mit ihrer noch tödlicheren Schwester Nebula (Karen Gillan) arrangieren. „Star-Lord“ Peter geht auf die Suche nach seinem Vater und trifft auf einen überkandidelten und brillant geföhnten Kurt Russell, der als „Ego“ von der Vernichtung des Universums träumt.

Die „Dramaqueen“ soll schweigen

So viel Familienbande ist gefährliches Terrain, weil anfällig für Gefühlsduselei. Doch sorgt Rocket im Zweifelsfall für Abhilfe, wenn er jede „Dramaqueen“ zum Schweigen auffordert. Das ändert allerdings nichts daran, dass die Weltraumwächter am Ende doch ein paar Tränen verdrücken. Ein bisschen Pathos nach so viel Schabernack ist aber erlaubt.

Beinahe würde man sich mehr von diesen Guardians wünschen. Aber das muss man gar nicht. Hollywood wird auch diesen Helden keine Ruhe lassen, schon bei „Avengers: Infinity War“ sollen sie einen Auftritt haben. Dabei weiß doch jeder: Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören. Und was gibt es Schöneres, als den erdenschweren Kämpfer Sylvester Stallone bei einem winzigen Ausflug ins All zu entdecken?

Von RND/Stefan Stosch

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