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Interview mit einem Word-Dokument

Neues Buch Interview mit einem Word-Dokument

Clemens Setz nähert sich in seinem Buch „Bot“ dem Thema künstliche Intelligenz auf originelle Weise. Damit ist er auch auf der Leipziger Buchmesse zu Gast.

Kein Bot, sondern echt: Autor Clemens J. Setz.

Quelle: picture alliance / Sven Simon

Leipzig. Beim Stichwort „Bot“ denkt man an seelenlose russische Menschenmanipulierer. Eine ganz andere Form von künstlichem Gesprächspartner präsentiert sich in dem gleichnamigen Buch von Clemens J. Setz. Eine Einleitung verrät die Vorgeschichte: Eine Lektorin wollte ein langes Interview mit dem Verfasser des Romans „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ führen, doch im mündlichen Gespräch konnte Setz seine Gedanken nicht verbalisieren. So griffen die beiden stattdessen auf das Tagebuch des Autors zurück, eine mehrere Millionen Zeichen umfassende Word-Datei, die Setz als seine „ausgelagerte Seele“ bezeichnet. Per Volltextsuche, manchmal auch nach Zufall, wurden Antworten und Textbausteine miteinander kombiniert. Resultat dieses Experiments ist ein origineller Beitrag zum Thema künstliche Intelligenz – überraschend auch deshalb, weil die Antworten teils so archaisch und poetisch wirken wie ein mittelalterliches Gedicht. Sie erinnern an die rätselhaften Tweets von Clemens J. Setz, der sich in seinen Posts auch gern einmal selbst antwortet.

Existenzielle Fremdheit in der Welt

Die Antworten aus „Bot“ zeugen von einer existenziellen Fremdheit in der Welt und lakonischem Trotz: „Vorstellung: Gegen eine seit Jahrhunderten ausgestorbene Pflanze allergisch sein“, oder: „Meine Armbanduhr fühlt sich falsch an, aber jedes Mal, wenn ich hinsehe, geht sie richtig.“ Es entsteht eine eigentümliche Interviewdynamik zwischen Fragen und Antworten. Über Setz erfährt man, dass er sogenannte „Thomassons“ sammelt: aus der Zeit gefallene Gebilde wie eine Treppe, die ins Nirgendwo führt.

Setz selbst versteht das Buch als „posthum“, was bei seinem Alter von 35 Jahren eine Koketterie ist. Er schreibt: „Der Autor selbst fehlt und wird durch sein Werk ersetzt. Durch eine Art Clemens-Setz-Bot, bestehend aus den kombinierbaren Journaleinträgen, in deren rudimentärer K.-I.-Maschine er vielleicht noch irgendwo eingenistet lebt.“

Clemens J. Setz: „Gespräch ohne Autor“, Suhrkamp; 166 Seiten, 20 Euro

Zu Gast in der LVZ-Autorenarena am 16. März um 14.30 Uhr

Von Nina May

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