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George Michael – der Mann der Extreme

Sänger (53) stirbt an Herzversagen George Michael – der Mann der Extreme

Er gehörte zu den größten Musikern aller Zeiten. George Michael, ein Mann, der die großen Auftritte liebte, im Geheimen aber ein ganz anderes Leben bevorzugte. Mit 53 Jahren ist der Brite überraschend ausgestorben, ausgerechnet zu Weihnachten.

George Michael während der Schlussfeier der Olympischen Spiele 2012 in London.

Quelle: dpa

London. Der britische Popsänger George Michael ist tot. „Mit großer Trauer bestätigen wir, dass unser geliebter Sohn, Bruder und Freund George während der Weihnachtstage zu Hause friedlich entschlafen ist“, teilten seine Pressesprecher mit.

Man hatte vielleicht nicht groß an ihn gedacht, aber man hatte George Michael wieder viel gehört in den letzten Wochen. „Last Christmas“ war - wie alle Jahre – auf allen Radiosendern zu hören gewesen, das meistgespielte, beliebteste, gehassteste Weihnachtslied der Popgeschichte. Mit seinem Wham!-Sangesbruder Andrew Ridgeley hatte der Londoner es im Advent 1984 veröffentlicht. Und gefühlte 200 Mal erzählte er uns in den Jingle-Bells-Wochen des Jahres 2016 wieder von dem Liebenden, der sein Herz am Heiligabend des vergangenen Jahres falsch vergeben hatte, an jemand Ruchlosen nämlich, der ihn gleich am anderen Tag wieder von sich stieß. Eine traurige Liebesgeschichte, der Geschmähte im Lied bekundete tapfer, sich dieses Weihnachten für „jemand Besonderen“ aufzuheben. Aber wie das so ist mit der Liebe: die eindeutig Falschen spuken einem immer am längsten im Kopf herum, man wird sie nicht los, schon gar nicht an den seligen Tagen der Küsse unterm Mistelzweig.

Michael starb angeblich an Herzversagen

Man mag es Ironie des Schicksals nennen, dass George Michael jetzt ausgerechnet an Weihnachten starb, friedlich im Bett zuhause in Goring/Oxfordshire, vermutlich an Herzversagen, wie aus seinem Umfeld bekannt wurde. Auch die Polizei von Thames Valley ging von einem natürlichen Tod aus. Aus Rücksicht auf die Familie werde es zunächst keine weitere Statements geben, hieß es.

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Er war eine schillernde Gestalt innerhalb des Musik-Business: George Michael. Der Brite machte sowohl durch seine Welthits wie auch durch etliche Exzesse von sich reden.

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Die sozialen Netzwerke trugen sofort Trauer, neuere Bilder wurden im Internet publik, die den zuletzt sehr öffentlichkeitsscheuen Sänger bei einem Kerzenlichtdinner im Herbst zeigten. Der einst schönste Mann der britischen Popmusik sah darauf aufgedunsen, erschreckend übergewichtig und ungewöhnlich ernst aus. Zum Kondolenzgetwitter gesellte sich da sogleich das Prasseln der Spekulationen. Krankheit? Neue seelische Bürden?

Wham! trafen den Zeitgeist der Achtziger

Plastikpop war das abschätzige Urteil, als Michaels Duo Wham! Anfang der Achtzigerjahre auf der Bildfläche erschien. Georgios Kyriakos Panagiotou wie der Sohn einer britischen Mutter und eines griechisch-zypriotischen Vaters hieß, scherte der Zu-leicht-Befund wenig. Mit Songs wie „Young Guns“, dem „Wham!-Rap“ und „Club Tropicana“ trafen er und sei Partner Ridgeley den Zeitgeist und wurden im Handumdrehen Superstars der Achtziger – auf beiden Seiten des Atlantiks und bald in der ganzen Welt.

1986 trennten sich Wham!, schon davor hatte Michael begonnen, Solosingles zu veröffentlichen. Zeitweilig war er als Nachfolger des an Aids gestorbenen Sängers Freddie Mercury bei der Rockband Queen im Gespräch. Am Ende blieb er lieber seinem höchst eleganten, clever arrangierten Soulpop verpflichtet.

Michael lebte Sexualität im Geheimen aus

Allerdings: Depressionen in regelmäßiger Folge verbunden mit Schreibblockaden und Phasen der Drogensucht wurzelten in einem wahren Leben im Falschen. Der Frauenschwarm Michael war in Wahrheit schwul, lebte seine Sexualität aber ähnlich dem Hollywoodstar Rock Hudson im Geheimen aus. Sein Lebensgefährte, der Brasilianer Anselmo Feleppo, starb 1993 an Aids, ein Schlag, den Michael 1996 in dem siebenminütigen, zärtlichen Liebeslied „Jesus to a Child“ verarbeitete.

Die klaren Anspielungen des Albums „Older“ wurden indes noch immer missverstanden. Als er schließlich von der Polizei in einer öffentlichen Toilette am Sunset Boulevard beim schwulen Sex erwischt wurde, wirkte das wie ein absichtsvoll inszenierter Befreiungsschlag. Ein froher Mensch wurde Michael trotzdem nicht, immer wieder war sein Gemüt für quälerisch lange Phasen getrübt. Ein unglücklicher Mann mit einer glücklichen Stimme.

Pompöse Touren mit jeder Menge Prunk

Wenn George Michael allerdings, was selten genug war, auf Tourneen ging, dann richtig. Dann war kein Prunk zu groß. Bei George Michael gabs keine billigen Dias und bunte Spots. Da versank auf der Bühne der Hamburger Colorline-Arena 2006 scheinbar die originale Sonne in den Kulissen und er selbst schien dank eines bis zum Bühnenrand reichenden, gebogenen und begehbaren Screens durch glutrotes Wasser zu wandeln. Die Band spielte fern des Spektakels in einer Art dreistöckigem Haus als hintergründelnde Begleiter von Kitsch und Königskitsch.

George Michael war da, 53 Jahre lang, und er hat die Welt um traumhaft schöne Musik bereichert. Wenn das süße Saxofon in den kommenden Tagen die ersten Noten von „Careless Whisper“ aus dem Radio in die Wohnzimmer der Welt hineinträumt, wird man nicht an die Rauschgift- und Sexskandale des Mannes denken, nicht an seine 80 Millionen verkauften Platten und seine zwei Grammys. Sondern daran, wo man zu diesem perfekten Seufzer von Song einst mit wem getanzt hat. Unser Trost ist, dass all seine Lieder bei uns bleiben werden. Nichts kann ihnen etwas anhaben, und in ihnen wird er zum Unsterblichen des Pop. Nächstes Weihnachten dann wieder „Last Christmas“ – 200 Mal, mindestens. Das lassen wir uns nicht nehmen.

Von RND/Matthias Halbig

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