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Kultur Weltweit Gegen diese Konzertsäle tritt die Elbphilharmonie an
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15:37 05.12.2016
Von links oben nach rechts unten: die Philharmonie in Berlin, die „Philharmonie de Paris“, das Konzerthaus in Wien und die „Walt Disney Concert Hall“ in Los Angeles. Quelle: dpa
Hamburg

Die Elbphilharmonie soll einmal zu den zehn besten Konzertsälen der Welt gehören. Aber wer bestimmt, was einen guten Klang ausmacht? Selbst der Japaner Yasuhisa Toyota, einer der besten Akustiker der Welt, der die „Weiße Haut“ – die Innenverkleidung des großen Saals – für die Elbphilharmonie entworfen hat, kann darauf keine eindeutige Antwort geben. „Mit dem Whisky ist es ähnlich wie mit der Akustik. Selbst Experten können nicht erklären, warum der eine gut schmeckt und der andere nicht“, sagt Toyota, der schon den Raumklang für die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles und die Philharmonie de Paris entwickelt hat. Hier nun die Liste mit den zehn größten Konkurrenten der Elbphilharmonie.

Philharmonie Berlin

Die Berliner Philharmonie heißt auch scherzhaft „Konzertschachtel“. Quelle: dpa

Die Berliner Philharmonie wurde nach Entwürfen von Hans Scharoun 1963 mit Beethovens 9. Sinfonie eröffnet. Wegen ihrer eigentümlichen, zirkusartigen Bauform mit dem Konzertpodium in der Mitte wurde die Philharmonie bereits kurz nach Fertigstellung scherzhaft „Zirkus Karajani“ genannt, in Anspielung auf den damaligen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker Herbert von Karajan. Ein anderer Spitzname ist „Konzertschachtel“, da die goldene Verkleidung und Form der beiden Säle an Pralinenschachteln erinnern. Noch heute gilt die Philharmonie als Vorbild für alle Konzertsäle, die nach dem Weinberg-Prinzip gebaut sind. Kritiker loben neben der Akustik die intime Atmosphäre und die Nähe zum Publikum.

Carnegie Hall New York 

Die Carnegie Hall in New York wurde 1891 eröffnet. Quelle: dpa

Die Carnegie Hall wurde von William Burnet Tuthill als Ziegelsteinbau im italienischen Renaissance-Stil entworfen und gilt als berühmtestes Konzerthaus der USA. Zur Eröffnung 1891 kam Komponist Peter Tschaikowsky höchstpersönlich. Das Gebäude trägt den Namen von Andrew Carnegie, der den Bau finanzierte. Der große Saal heißt seit der Renovierung 1986 „Isaac Stern Auditorium“ und bietet Sitzplätze für 2800 Zuschauer auf fünf Ebenen. Neben Klassik-Stars wie Leonard Bernstein, Maria Callas, Enrico Caruso, Vladimir Horowitz, Gustav Mahler, Sergej Rachmaninow und Arthur Rubinstein standen auch Größen aus anderen Genres auf der Bühne wie Duke Ellington, Ray Charles oder Edith Piaf.

Musikverein Wien

Der Musikverein Wien zum Finale des Neujahrskonzerts 2015. Quelle: dpa

Das Gebäude von 1870 wurde von Theophil von Hansen im historisierenden Stil nach Vorbildern aus der griechischen Antike gebaut. Der Große (Goldene) Saal bietet 1744 Sitzplätze und 300 Stehplätze und ist mit einem Deckengemälde und Plastiken versehen. Der Saal mit seiner Quaderform gilt als Vorbild für das „Schuhschachtel-Prinzip“, andere berühmte Säle mit ausgezeichneter Akustik wurden in der Zeit von 1870 bis 1900 ebenfalls als Schuhschachteln mit vielen schallstreuenden Flächen erbaut. Die Gründe für die ausgezeichnete Akustik sind zum Teil unbeabsichtigte Zufälle: Hansen musste sich auf seine Intuition verlassen, da es Studien über Raumakustik erst im 20. Jahrhundert gab.

Suntory Hall in Tokio

Die Suntory Hall in Tokio geschmückt zum Obama Besuch 2009. Quelle: dpa

Das Konzerthaus von 1986 ist eines der ersten Werke des japanischen Akustikers Yasuhisa Toyota, der auch für die Akustik der Elbphilharmonie verantwortlich ist. Es ist der erste nach dem Vorbild der Berliner Philharmonie konstruierte Weinberg-Saal Japans und wurde deshalb auch von den Berliner Philharmonikern und Herbert von Karajan eröffnet. Benannt ist es nach dem japanischen Getränkehersteller Suntory, der das Konzerthaus finanziert hat. Der große Saal bietet 2006 Plätze, die Wandvertäfelung besteht aus hellem Eichenholz - genau wie die Whisky-Fässer von Suntory.

Concertgebouw in Amsterdam

Die Konzerthalle in Amsterdam wurde 1888 eröffnet. Quelle: dpa

Das Concertgebouw wurde 1888 eröffnet. Der Architekt Adolf Leonard van Gendt ließ sich dabei vom 1884 eröffneten Neuen Gewandhaus in Leipzig inspirieren. In der Innenausstattung sind aber auch Merkmale des Jugendstils zu erkennen. Der Große Saal hat 1962 Plätze und ist nach dem Schuhschachtel-Prinzip gebaut - mit ein bisschen Weinberg-Architektur: das Orchester ist auf der Frontalbühne von steil ansteigenden Stuhlreihen umrahmt. Zum 125-jährigen Jubiläum 2013 verlieh Königin Beatrix den Titel Koninklijk (Königlich).

Philharmonie de Paris

Schick ist sie gerworden, die renovierte Philharmonie de Paris. Seit Januar 2015 kann man hier wieder Konzerten lauschen. Quelle: dpa

Die Philharmonie de Paris des französischen Architekten Jean Nouvel wurde am 15. Januar 2015 eröffnet. Nouvel hatte die Feier boykottiert, weil das Konzerthaus bei seiner Eröffnung noch nicht fertig war und er für die Kostensteigerung von 200 auf rund 380 Millionen Euro verantwortlich gemacht wurde. Die Bühne ist in der Mitte des Saals angeordnet mit aufsteigenden Rängen wie in der Elbphilharmonie, für die Akustik sind Harold Marshall und Yasuhisa Toyota verantwortlich. Die spektakuläre Außenhaut besteht aus 340 000 stilisierten Vögeln verschiedener Größen und Grautönen aus Aluminium.

Walt Disney Concert Hall in Los Angeles

Traumhaft schön: Das Konzerthaus im Jugendstil in Wien. Quelle: dpa

Das futuristisch wirkende Gebäude aus rostfreiem Stahl wurde von Frank Gehry entworfen und 2003 eröffnet. Es hat die Form eines großen Segelschiffes mit gebogenen und gewellten Umrissen. Seinen Namen verdankt die Halle der Disney-Witwe, die 50 Millionen Dollar spendete. Während die Architektur gemischte Meinungen hervorrief, wurde die Akustik des Konzertsaals allgemein gelobt. Verantwortlich für die Klang ist der Japaner Yasuhisa Toyota, der hier das Konzept der Berliner Philharmonie mit seiner Weinberg-Architektur weiterentwickelte.

Das Konzerthaus in Wien

Traumhaft schön: Das Konzerthaus im Jugendstil in Wien. Quelle: dpa

Das Konzerthaus verbindet Elemente des späten Historismus, des Sezessionismus und des Jugendstils und wurde 1913 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Auf dem Programm standen Beethovens 9. Sinfonie und ein neues Werk von Richard Strauss - das Nebeneinander von Tradition und Moderne sollte so schon im ersten Konzert des Hauses deutlich werden. Die drei Säle - alle auf einer Ebene gelegen und dennoch akustisch voneinander unabhängig - sollten breitere Bevölkerungsschichten ansprechen als der nur 200 Meter entfernte traditionsreiche Wiener Musikverein.

Boston Symphony Hall

Das Besondere an der Boston Symphony Hall ist ihre Form:. Sie ist quadratisch. Quelle: dpa

Die im Renaissance-Stil erbaute Konzerthalle wurde nach dem Vorbild des Leipziger Gewandhauses entworfen und 1900 eingeweiht. Die Gestaltung des Innenraums ist quaderförmig und wurde nach Vorbildern wie dem Concertgebouw in Amsterdam oder dem Wiener Musikverein konstruiert. Da die Bühne trichterförmig gebaut ist und die Proportionen entsprechend gut sind, soll sich das Orchester selbst besonders gut hören können, was die Musiker des Boston Symphony bestätigen.

Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL)

Im Kultur- und Kongresszentrum in Luzern wurden 2007 die Gruppen für die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ausgelost. Quelle: dpa

Der französische Architekt Jean Nouvel entwarf das moderne Konzerthaus, 1998 wurde es mit einem Konzert der Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado eröffnet. Am Vierwaldstättersee gelegen, wollte der Architekt das Wasser integrieren. Der Konzertsaal mit 1800 Plätzen ist eher konventionell und als klassische Schuhschachtel gebaut. Der hochkarätige Saal, eingerichtet von Akustiker Russel Johnson, verfügt über Klang- und Echokammern, die auf die unterschiedlichen Anforderungen der gespielten Musik abgestimmt werden können.

Hier lesen Sie mehr – Schlüsselübergabe: Die Elbphilharmonie ist fertig

Von RND/fw/dpa

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