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Kultur Weltweit Warten aufs Weiterleben: „Zentralflughafen THF“
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10:02 03.07.2018
Leben im alten Flughafen: Der junge Syrier Ibrahim hat Angst, die Heimat könne in seinem Kopf verblassen. Quelle: Foto: Piffl Medien
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Hannover

Die Hallen sind riesig, darin provisorische Zimmer ohne Dach. Das Licht schaltet sich abends in Wellen ab, blechern klingende Lautsprecher quäken tagsüber ihre Aufforderungen zum Impfen zu gehen. Der Berliner „Zentralflughafen THF“ wurde zur Dauerwohnstätte für Tausende wie den 18-jährigen Syrer Ibrahim.

Ein Blick auf die Protagonisten der Flüchtlingskrise

Menschen, deren Leben unterbrochen wurde, zeigt der brasilianische Regisseur Karim Aïnouz. Ausnahmezustand als Dauerzustand. Bürokratie, Gemeinschaft, Langeweile. Aïnouz blickt auf die Protagonisten der sogenannen Flüchtlingskrise, zeigt das Fehlen von Privatheit, folgt den Erinnerungen an eine im Krieg verschwundene Normalität und erfasst immer wieder auch das Leben außerhalb des Areals, wo die freien Berliner Freizeit tanken.

Es ist keine Anklage hinter den Bildern, der Regisseur richtet keinen Vorwurf wegen der Dauerkasernierung an irgendwen. Er lässt die Leute reden. Ibrahims Sorge, seine Heimat könnte in seinem Kopf verblassen, rührt an. Ein Film, den sich alle hysterischen Angstdeutschen anschauen sollten, die in ihren Wohlstandseinschränkungsfantasien derzeit den Falschen zuhören, den alten Rattenfängern folgen statt den Geboten der Menschlichkeit zu folgen.

Ein Film über Steine wurde zu einem Film über Menschen

Der Prolog erinnert an Aïnouz‘ eigentliches Vorhaben: Einen Film zu drehen über die Schließung von Tempelhof. Die Kamera blickt auf die Naziarchitektur – nüchtern und pathetisch zugleich. Das Überwältigungsprojekt eines der größten Menschenhassers ist zum (komplizierten) Fluchtort für die Bedürftigen der Welt geworden. Ein Film über Stein, Transit und Vergänglichkeit wurde zu einem über Menschen, ihren Verlust, ihre Hoffnung. So kann’s kommen.

Von Matthias Halbig / RND

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