Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Kultur Weltweit „Swimming with Men“: Männer in Badehosen
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit „Swimming with Men“: Männer in Badehosen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:02 07.06.2018
Jetzt bitte die Luft anhalten: Die Synchronschwimmer in ihrem Element. Quelle: Foto: Alamode
Anzeige
Hannover

Männer, nicht nur solche mittleren Alters, dürften diesen Film grundsätzlich mit Wohlwollen betrachten: Endlich streifen mal Vertreter ihrer Spezies die Badehosen über und sehen darin aus wie sie selbst. Waschbrettbauch? Sixpack? Schwellende Muskeln und athletische Körper wie sonst in der Werbung dauerpräsent? Fehlanzeige. Und doch scheinen die Herren, die hier im Schwimmbecken mehr oder weniger elegante Pirouetten drehen, ausgesprochen zufrieden mit sich selbst zu sein.

Das ist auch Eric (Rob Brydon) aufgefallen – und der ist momentan ganz und gar nicht einverstanden mit seinem Leben. Sein Job als Buchhalter in der Londoner City langweilt ihn zu Tode. Seine Frau Heather (Jane Horrocks) macht Karriere als Lokalpolitikerin und genießt in ihrem Umfeld all die Zuwendung, die ihm fehlt. Und der Teenagersohn zieht sowieso sein eigenes Ding durch und braucht Papa nicht. Kein Zweifel: Eric steckt in einer ausgewachsenen Midlife-Crisis.

Inmitten blubbernder Stille

Das Einzige, was ihn vor seinen Depressionen rettet, sind kleine Fluchten ins Schwimmbad. Taucht er ab bis auf den Beckengrund, kann er die ziemlich durchschnittliche Misere vergessen - allein blubbernde Stille umgibt ihn. Im Blick hat Eric dann nur jene Männergruppe in Badehosen, die wundersame Übungen macht – besonders aus seiner Unterwasserperspektive, weshalb den Übenden gelegentlich Hals und Kopf fehlen und nur strampelnde Beine zu erkennen sind. Die Badehosenträger, so stellt sich heraus, gehören zur seltenen Gattung männlicher Synchronschwimmer.

Zögerlich nimmt Eric Kontakt zu ihnen auf, zunächst unter einem rein mathematischen Aspekt, der ihm von seiner Arbeit vertraut ist. Eric stellt sich an den Beckenrand und gibt einen entscheidenden Tipp: Um als schwimmende Einheit in perfekter Symmetrie zu rotieren, so Eric, brauche es einen Drehpunkt, und diesen wiederum gebe es nur bei einer geraden Anzahl von Schwimmern. Einer müsse also die Formation verlassen. Natürlich gibt es noch eine andere Lösung: Einer mehr muss in die Formation rein.

Schon bald gehört Eric zu dem verschworenen Team, das für sich ganz eigene Regeln aufgestellt hat: „Niemand spricht über unseren Schwimmclub. Alles bleibt im Becken.“ Und: „Wie sind so stark wie unser schwächstes Mitglied.“ Und das ist erst einmal Eric.

Mit „Männer im Wasser“ (Regie: Måns Herngren) gab es 2008 schon mal eine ziemlich ähnlich gelagerte schwedische Komödie über Synchronschwimmer. Und schon Anfang kommenden Jahres folgt mit „Sink Or Swim“ (Regie: Gilles Lellouche) die nächste Variante aus Frankreich. Regisseure erkennen den Exotikfaktor des männlichen Synchronschwimmens, der dieser Sportart vor allem deshalb anhängt, weil man ihr sonst kaum begegnet.

Erst seit ein paar Jahren dürfen Männer wieder ran

Der Brite Oliver Parker („Johnny English – Jetzt erst recht“) nimmt die Hobbytruppe in „Swimming With Men“ ernst. Tatsächlich war Synchronschwimmen bis Anfang des 20. Jahrhunderts eine reine Männerangelegenheit, damals hieß der Sport hierzulande noch „Reigenschwimmen“. Dann übernahmen Frauen die Disziplin. Erst seit wenigen Jahren dürfen Männer auf internationaler Ebene wieder antreten - und das ziehen bald auch Eric und seine Freunde in Erwägung: Die Weltmeisterschaften im Synchronschwimmen stehen in Mailand an.

Nun könnte man fragen, wieso Männer immer gleich in Konkurrenz zueinander treten müssen. Wieso drehen sie nicht weiter selbstgenügsam Kreise im Becken? Aber erstens kommt so zumindest ein bisschen Spannung auf, zweitens werden die Herren von einer mindestens ebenso ehrgeizigen Frau (Charlotte Riley) trainiert, und drittens erhalten wir tiefere Einblicke in die Probleme , mit denen unsere Synchronschwimmer auf dem Trockenen zu kämpfen haben.

Das Ganze garniert Parker mit skurrilem britischen Humor, der allerdings nicht immer zündet. Nichtsdestotrotz: Der Film ist ein klarer Aufruf, mal wieder tief ins Becken abzutauchen. Echte Männerfreundschaften lassen sich auch dort knüpfen.

Von Stefan Stosch / RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Geballte Frauen-Power bei der Weltpremiere von „Ocean’s 8“ in New York: Mit atemberaubenden Kleidern zogen die Stars die Blicke auf dem roten Teppich auf sich – vor allem Rihanna begeisterte mit einem extravaganten Outfit.

06.06.2018

In „Jurassic World 2 – Das gefallene Königreich“ (Kinostart am 6. Juni) droht den Sauriern schon wieder das Aussterben. Sonst ist alles beim Alten – sie fressen immer den Richtigen.

06.06.2018

Integration mal anders: In der Doku „Der sechste Kontinent“ (Kinostart: 7. Juni) wird ein ungewöhnliches Wohnprojekt vorgestellt.

05.06.2018
Anzeige