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Kultur Weltweit „Das Leben ist ein Fest“ – Knallkomische Caterer
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00:00 31.01.2018
Man heiratet schließlich nur einmal: Bräutigam (Benjamin Lavernhe) und Braut (Judith Chemla). Quelle: Foto: Universum
Hannover

Für die einen soll es der schönste Tag in ihrem Leben werden, für die anderen ist es harte Arbeit. Die Rede ist von Hochzeiten – und denen, die sie ausrichten. Seit 30 Jahren organisiert Max (Jean-Pierre Bacri) Vermählungsfeierlichkeiten im großen Stil. Aber auch hier wird die Kundschaft immer knickriger und will an der Vorspeise, dem Fotografen oder der Blumendekoration sparen. Rauschende Feste wie jenes, das Bräutigam Pierre (Benjamin Lavernhe) seiner Liebsten Helena (Judith Chemla) in einem Schloss aus dem 16. Jahrhundert unweit von Paris zu Füßen legen will, leisten sich nur noch wenige.

„Pure Magie“ bis zum großen Feuerwerk

Pierre ist allerdings ein schwieriger Kunde mit genauen Vorstellungen und angeborener Arroganz. Aber der versierte Hochzeitsplaner hat alles sorgfältig vorbereitet und versucht, die Fäden der umfangreichen Logistik vom Catering über die Musik bis zum nächtlichen Feuerwerk in der Hand zu behalten. „Pure Magie“ wird von ihm erwartet, aber Max fühlt sich weniger als Zauberer denn als Dompteur. In seinem Job geht es nicht nur darum, den Programmablauf minutiös einzuhalten, sondern auch die unterschiedlichen Temperamente und Befindlichkeiten der etwa zwei Dutzend Mitarbeiter im Auge zu behalten.

Seine Assistentin Adèle etwa (furios: Eye Haidara) hat Probleme, legt sich immer wieder mit dem Ersatzsänger James (Gilles Lellouche) an, der sich und seine Kunst viel wichtiger nimmt, als es der Rest der Welt zu tun bereit ist. Der Oberkellner wird von den Kollegen beauftragt, dagegen zu protestieren, dass sie Kostüme und Perücken tragen sollen. Der Mann redet aber nur um den heißen Brei. Derweil beginnt Max’ Schwager Julien (Vincent Macaigne), ein ehemaliger Französischlehrer auf beruflichen Abwegen, die literarisch inspirierten Tischkärtchen zu korrigieren. Schon nach den ersten unterhaltsamen Kinominuten, in denen das Arsenal der eigenwilligen Charaktere vorgestellt wird, ist klar, dass wir mit dieser Truppe unseren Spaß haben werden.

Die Pointen regnen nur so herunter

Das komödiantische Feuerwerk, dass die Regisseure und Drehbuchautoren Olivier Nakache und Eric Toledano sechs Jahre nach ihrem Hit „Ziemlich beste Freunde“ in „Das Leben ist ein Fest“ abbrennen, übertrifft noch hochgesteckten Erwartungen. Aus dem Widerspruch zwischen dem perfekt inszenierten Schein der Hochzeitsfeier und den sich steigernden Turbulenzen hinter den Kulissen speist sich die Grundspannung dieser brillant konstruierten Ensemblekomödie. Mit Einfallsreichtum und Sprachwitz regnen die Pointen herunter, gelegentlich unterbrochen von Momenten von, nun ja, „purer Magie“, in denen ein Bräutigam schon einmal in mit einem mondhellen Ballon in den Nachthimmel davon schweben kann.

Jedem einzelnen komischen Moment liegt eine genaue Charakterisierung der Figuren zugrunde, die wunderbar choreografert miteinander in Reibung gebracht werden. Der Film kann als Ode an die Vielfalt der Schwächen gelesen werden, die Menschen erst liebenswert machen. Das bunt gemischten Cateringteam mit all den gebrochenen Biografien ist gleichzeitig auch ein Spiegel der französischen Gesellschaft, deren heterogenes Mit- und Durcheinander in vollen Zügen gefeiert wird. „Das Leben ist ein Fest“ hat nichts mit der lauwarmem französischen Lustspielwelle zu tun, die seit „Monsieur Claude“ über die Leinwände schwappt. Es ist schlichtweg der lustigste und freudvollste Film in diesem noch jungen Kinojahr.

Von Martin Schwickert / RND

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