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Kultur Weltweit Doku: „Auf der Suche nach Ingmar Bergman“
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12:02 11.07.2018
Zum 100. Geburtstag: Margarethe von Trotta drehte eine Dokumentation über Ingmar Bergman. Quelle: Foto: Weltkino
Hannover

Vor einem halben Jahr zeigte sich Margarethe von Trotta noch skeptisch, ob ihr der erste Dokumentarfilm gelingen würde: „Ich habe keine Ahnung, wie ich das schaffe“. Deshalb zögerte sie erst, das Angebot für einen Film über Ingmar Bergman anzunehmen. Doch sie hat es geschafft, sich der Regie-Ikone auf sehr persönliche Weise zu nähern und Bergman zum 100. Geburtstag am 14. Juli zu würdigen.

Von Trotta reflektiert sein Werk und den Einfluss auf ihren Lebensweg, angereichert mit Filmausschnitten und teilweise unveröffentlichtes Archivmaterial. Als 18-jährige Studentin an der Pariser Sorbonne kam bei ihr die Initialzündung mit „Das Siebente Siegel“, Bergmans Meisterwerk aus dem Jahre 1957. Es wurde zur Inspiration für ihre spätere Karriere als Regisseurin.

Bei Margarethe von Trotta ist kindliche Bewunderung zu spüren

So beschreibt sie schon zu Beginn Szenen daraus, das Schachspiel zwischen Ritter und Tod am Steinstrand von Farö, wo Bergman seine letzten Jahre verbrachte und 2007 starb, und auf seinen Wunsch eine Trauerfeier ganz ohne Prominenz stattfand.

Es geht von Trotta nicht um biografische Daten oder Details, auch nicht um eine akribische Berücksichtigung des Gesamtwerkes, sondern einfach um ihre Begegnung mit dem schwedischen Genie und seinem Schaffen. Sie konzentriert sich auf die Tätigkeit Bergmans in München, die Entstehung von „Das Schlangenei“ und den Fernsehfilm „Aus dem Leben der Marionetten“, die auch seine Stimmung spiegeln.

Bergman musste wegen Steuerkomplikationen Schweden verlassen und fühlte sich zutiefst gedemütigt. Als 1985 seine Arbeit am Münchner Residenztheater von der Presse als altmodisch kritisiert wurde, zog er sich nach Farö zurück.

Durch den Film ist immer wieder eine manchmal fast kindliche Bewunderung zu spüren, die sie gerne mit anderen teilen möchte. Dazu spricht von Trotta mit Familienmitgliedern, Schauspielern und Weggefährten: u.a. mit Liv Ullmann, eine seiner vielen Ehefrauen und Lieblingsschauspielerin, mit Regisseuren wie Oliver Assayas, Mia Hansen-Love und Ruben Östlund und mit der Produzentin Katinka Faragó.

Zu seinen Kindern hatte Ingmar Bergman keinen Draht

Ein buntes Kaleidoskop, auch wenn die Auswahl etwas zufällig scheint und die Regisseurin selbst sehr oft im Bild ist. Negative Seiten werden gestreift. Nicht zu leugnen ist Bergmans Versagen als Vater. Erst als sich die Familie zu seinem 50. Geburtstag versammelte lernten sich die Söhne Daniel und Ingmar jr. kennen.

Da erzählt Daniel ehrlich über die schwierige Beziehung und gibt zu, seinen Vater nicht zu vermissen. Er erinnert sich auch daran, wie eine der Töchter fragte, warum er nicht sage, dass er seine Kinder und Enkel vermisse. Die lapidare Antwort: „Weil es nicht so ist“. Ihm fehlten die Schauspieler, denen gab er Geborgenheit.

Und Gaby Dohm, Rita Russek oder Gunnel Lindblom wussten das zu schätzen, erinnern sich an den Meister als manchmal sogar heiteren Regisseur. Von Trotta ist das Porträt eines in sich zerrissenen Künstlers gelungen, der sich aus Einsamkeit ins Filmemachen flüchtete und am Ende konstatiert: „Jedes Gefühl einer Zusammengehörigkeit ist Illusion“.

Von Margret Köhler / RND

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