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Kultur Weltweit Werk ohne Autor: Zweiter Oscar für Florian von Donnersmarck?
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16:30 30.08.2018
Schafft es „Das Werk ohne Autor“ den Auslands-Oscar nach Deutschland zu holen? Quelle: Paul Buck/ dpa
München

Deutsche Geschichte geht beim Oscar immer. Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) weiß das, Caroline Link („Nirgendwo in Afrika“) weiß das, und keiner weiß das besser als Florian Henckel von Donnersmarck: Vor elf Jahren gewann er mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ die immer noch wichtigste Kinotrophäe der Welt - und das mit seinem Abschlussfilm an der Münchener Filmhochschule.

Was einmal geklappt hat, könnte ein zweites Mal klappen. Das hat sich jedenfalls die deutsche Auswahlkommission überlegt und nun nachgelegt: Sie schickt von Donnersmarck erneut ins Rennen um den Auslands-Oscar, dieses Mal mit „Werk ohne Autor“, wieder ein historisches Epos.

Neuer Oscar-Kandidat ist noch nicht in den Kinos zu sehen

Der Filmemacher, bekannt dafür, lieber zu klotzen als zu kleckern, hat seinen geschichtlichen Ansatz erweitert: Vom Nationalsozialismus bis in die ost- und westdeutsche Nachkriegsgeschichte spannt sich ein dreistündiger Bogen. „Liebesgeschichte, Familiendrama, Biografie Deutschlands im 20. Jahrhundert und Streifzug durch die Kunst der Moderne“ nennt er seinen Film, der in der kommenden Woche beim stark besetzten Festival von Venedig seine Bewährungsprobe hat und am 3. Oktober in die deutschen Kinos kommt.

„Werk ohne Autor“ erzählt durch die Augen eines Malers über drei Jahrzehnte von einer Familie, in der sich die Wege von Opfern und Tätern auf tragische Weise kreuzen. Der Kunst fällt in dem mit Tom Schilling, Sebastian Koch und Paula Beer besetzten Film die Aufgabe zu, sich an die historische Wahrheit heranzutasten.

Vor elf Jahren konnte der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck den Oscar bereits für „Das Leben der Anderen“ nach Hause holen. Quelle: Paul Buck/dpa

Keine originelle entscheiden, aber gut kalkuliert

Besonders originell erscheint die Entscheidung für diesen Film nicht, gut kalkuliert ist sie auf jeden Fall. Sowieso schienen vorrangig Ausflüge in die deutsche Geschichte bei der Kandidatenkür zugelassen gewesen zu sein. Christian Petzolds elegant aktualisierte Exilanten-Geschichte „Transit“ nach dem Roman von Anna Seghers wäre gewiss eine mutigere, aber den Mitgliedern der Oscar-Academy nur schwer zu vermittelnde Alternative gewesen.

Ebenso fanden sich Michael Bully Herbigs auf Spannung getrimmter DDR-Fluchtthriller „Ballon“ und der schmissige „Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm“ in der Vorauswahl. Die bei der Berlinale so viel gelobte Romy-Schneider-Biografie „3 Tage in Quiberon“ nahm da beinahe eine Außenseiterposition ein.

Donnersmarcks Rezept: Deutsche Geschichte und Hollywood-Dramatik

Dass die Wahl nun auf von Donnersmarck fiel, ist aus der Perspektive der Auswahljury nur folgerichtig: Schon bei „Das Leben der Anderen“ hat er bewiesen, dass er sich bestens darauf versteht, deutsche Geschichte und Hollywood-Dramatik unter einen Hut zu bringen.

Der Regisseur kehrt nun an den Ort seines großen Triumphs zurück - dem er 2007 sogleich Hollywood-Großtaten folgen lassen wollte: Nach dem Oscar inszenierte von Donnersmarck „The Tourist“ (2010) mit Angelina Jolie und Johnny Depp in den Hauptrollen. Diese Romanze allerdings ging in die Kinogeschichte als große Enttäuschung ein.

Von dpa / RND

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