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Kultur Weltweit ESC 2017: Die wichtigsten Fakten
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17:53 06.05.2017
Der ESC 2017 findet in Kiew statt. Quelle: AP
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Kiew

„In der dunkelsten Stunde brennt meine Flamme so hell“, schmachtet Julia Samoilowa in ihrem Liedlein „Flame Is Burning“. Tja, so kann’s gehen – jetzt brennt da gar nichts mehr: Mit dem blutarmen Ballädchen wollte die Russin kommende Woche beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew antreten. Doch die Ukraine untersagte Samoilowas Teilnahme, weil sie als Krimreisende gegen Grenzauflagen verstoßen hatte. Russland zog schmollend zurück. Die Erzfeinde erwartet nun eine Strafe: bis zu drei Jahre ESC-Zwangspause für beide.

Vorhang auf in Kiew: Am Freitagabend fanden die ersten proben für den diesjährigen Eurovision Song Contest statt.

Doch auch über diesen Skandal wird die Windmaschine hinwegwehen, wenn der ESC-Glitzerzirkus erst einmal Fahrt aufnimmt: Vorhang auf für finnische Nadelwaldfolklore, weißrussische Föhnfrisuren und eiskalte Diven aus Krisenländern mit miesen Busverbindungen, aber astreinen Drumcomputern. Der politischste ESC seit Jahren geht in einer Stadt über die Bühne, in der der Kampf um die Zukunft Europas emotionaler und kompromissloser ausgetragen wird als auf den Fluren in Brüssel oder Straßburg: in Kiew, wo der Ost-West-Konflikt schwelt wie unter einem Brennglas. „Europa war immer Teil unseres Alltags“, sagt die ukrainische ESC-Siegerin von 2005, Ruslana. Und Bürgermeister Vitali Klitschko ist sich sicher: „Wir sind bestens vorbereitet.“ Die wichtigsten und unwichtigsten Fragen im Überblick:

Warum eigentlich die Ukraine?

Weil Sussana Alimiwna Dschamaladinowa alias Jamala – muslimische Tochter eines Krimtartaren und einer armenischen Christin – vor einem Jahr in Stockholm mit ihrem Lied „1944“ den Zeitgeist traf: Ihre tonreiche Klage

Mit ihrem Lied „1944“ traf die ukrainische Sängerin Jamala den Zeitgeist und gewann 2016 den ESC. Quelle: dpa

über das Schicksal ihrer Urgroßeltern – die Stalin wie alle Krimtartaren als angebliche Nazikollaborateure 1944 deportierte – ließ sich als Kritik am aktuellen russischen Invasorengebaren lesen. Charterfolge feierte Jamala jedoch kaum: In Schweden erreichte „1944“ Platz 46, in Deutschland tauchte er gar nicht auf. Chaos, Korruptionsgerüchte und Missmanagement bestimmten dann die ESC-Organisation: Der Chef des staatlichen Fernsehens NTU warf hin, weil die Regierung ihn zwang, von seinem Jahresetat von 42,8 Millionen Euro fast die Hälfte für den ESC auszugeben. Die Europäische Rundfunkunion EBU hielt sich gar einen Notfallplan warm – mit Berlin aus Ausweichort. Nun ist das Exhibition Centre mit 11 000 Plätzen am linken Dnepr-Ufer zwar präpariert. Aber die Endabrechnung dürfte Überraschungen bergen.

Was ist denn nun so politisch am ESC?

Abgesehen vom Spielort (Kiew) und dem omnipräsenten Nichtteilnehmer (Russland): Die schwer tätowierte Hardrockband O. Torvald singt für den Gastgeber ein Friedenslied. Frontmann Zhenia Halych ließ sich im Vorentscheid beim letzten Ton gar symbolisch erschießen – Anklänge an die „Himmlischen Hundert“, die 100 Toten vom Maidan. Für Australien – inzwischen Dauerteilnehmer – geht der 17-jährige Isaiah an den Start, Nachkomme einer Aborigine-Familie, der freilich guckt wie ein magenkrankes Rehlein. Auch Ungarn, das sich schleichend von europäischen Politstandards verabschiedet, schickt einen Angehörigen einer Minderheit: Sänger Loci Pàpai hat Roma-Wurzeln. Und Georgien besingt gleich alle Sorgen dieser Welt in 180 Sekunden („Keep The Faith“), untermalt von diversen Fotos von Terror, Tod und Krieg. Das ist deutlich zu plump.

Keine Angst vor Fehlern haben und nicht immer nur den leichten Weg nehmen: Darum geht es in Levinas ESC-Song „Perfect Life“. Quelle: dpa

Welche Chancen hat die deutsche Kandidatin Levina mit „Perfect Life“?

Immerhin: Es könnte ihr gelingen, nicht Letzte zu werden. Das wäre nach zwei roten Laternen in Folge ein echter Erfolg. Bei den Buchmachern steht ihr Midtempo-Song „Perfect Life“ im Mittelfeld. Levina probt bereits in Kiew und hat eine erfolgreiche Werbetour durch Europa hinter sich.

Wie ist der TV-Zeitplan?

36 von 42 Teilnehmerländern müssen ins Halbfinale. Das erste geht am Dienstag, 9. Mai, über die Bühne, das zweite am Donnerstag, 11. Mai (beide gibt’s um 21 Uhr live beim ARD-Ableger One). Zehn Länder pro Halbfinale dürfen ins Finale. Deutsche Zuschauer können im zweiten Halbfinale mit abstimmen. Zur Hälfte zählen internationale Juryvotings. In der deutschen Jury sitzen ESC-Gewinnerin Nicole, Musikproduzent Andreas Herbig und die Musiker Joy Denalane, Adel Tawil und Wincent Weiss. Die fünf großen Geldgeber Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich („Big Five“) plus Gastgeber Ukraine sind fürs Finale am Sonnabend, 13. Mai, (21 Uhr live im Ersten) gesetzt. Kommentator ist – inzwischen in seinem 20. Jahr – wieder Peter Urban. Am Finalabend steigt von 20.15 Uhr an live die ARD-Countdown-Show auf der Reeperbahn unter anderem mit Helene Fischer, moderiert von Barbara Schöneberger, die auch die deutschen Jurypunkte nach Kiew melden wird. Dazu gibt’s wie immer das sachfremde, aber stets tapfere „Wort zum Sonntag“.

Wie steht es um die Sicherheit?

120 Millionen Livezuschauer, 1500 Journalisten und Zehntausende Besucher in einem Land, das sich faktisch im Krieg befindet – der ESC ist ein Albtraum für Sicherheitsexperten. 10.000 Polizisten und 7000 Kameras sollen für Sicherheit sorgen.

Francesco Gabbani geht für Italien ins Rennen. Quelle: imago

Und wer sind die ESC-Favoriten?

Sehr wenig Geld vom Buchmacher gibt’s für einen Sieg des italienischen Vorstadt-Gigolos Francesco Gabbani, optisch eine Art Franck Ribéry mit Schnäuzer. Sein muttersprachlicher Partysong „Occidentali’s Karma“ hat stolze 107 Millionen Youtube-Views. Aus dem Rahmen fällt Portugal mit einem von fröhlichem Wahnsinn umflorten Außerirdischen namens Salvador Sobral, der klingt, als habe Tom Waits nie Stimmbruch gehabt. Chancenlos, aber stark ist die in Berlin lebende Norwegerin Martina Bárta („My Turn“). Hoch gehandelt wie immer: Schweden, diesmal mit einem glutvollen Gockel namens Robin Bengtsson. Und eine schlechte gelaunte Brünette aus Aserbaidschan.

Und was ist ganz schlimm?

Die schlechte gelaunte Brünette aus Aserbaidschan. Favorit hin oder her. Für Malta startet eine Dame, die wirkt wie eine in ein altes Kleid von Mariah Carey eingenähte Diktatorengattin. Der programmatische Titel: „Breath-less“. Irland schickt einen rotwangigen 17-Jährigen namens Brendan Murray, der zwar die Zielgruppe erfreut, dessen Titel „Dying To Try“ aber nach spätestens 30 Sekunden „Trying To Die“ heißen müsste. Aus Rumänien kommt tatsächlich eine jodelnde Heule-Eule. Und hinter dem moldawischen „Hey Mamma“ könnte am Ende doch Jan Böhmermann stecken. Verrückte Idee angesichts diverser krampfpolyglotter Sänger mit fiesem Akzent („Ei chäww a driiieehm“): Warum nicht mal in einer Sprache singen, die man tatsächlich beherrscht?

Von RND/Imre Grimm

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