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Die Rückkehr der knackigen Bademeister

Kino Die Rückkehr der knackigen Bademeister

Rette sich, wer kann! Die „Baywatch“-Truppe vergnügt sich wieder am Strand (Kinostart: 1. Juni). Chef der Truppe ist Dwayne Johnson, aber auch der alte Serienheld David Hasselhoff hat einen Auftritt. Regisseur Seth Gordon jubelt den Figuren Selbstironie unter, weiß aber nicht so recht, was er mit den Rettungsschwimmern zwei Stunden lang auf der großen Leinwand anstellen soll.

Wo hat er bloß wieder seine Augen: Bademeister Mitch (Dwayne Johnson) rettet Carmen (Belinda Peregrin) vor der Berührung mit Wasser.
 

Quelle: Paramount

Hannover.  Über Selbstironie verfügt das Personal am Strand von Miami jedenfalls: Da überreicht der Ober-Bademeister dem Azubi-Bademeister einen Schlüsselanhänger. Und wessen Bildnis prangt darauf? Das vom Original-Bademeister, und der trug in 243 Fernsehfolgen und über mehr als ein Jahrzehnt das Gesicht von David Hasselhoff, in Fankreisen auch bekannt als „The Hoff“.

Pamela Anderson macht mit – diesmal im Hosenanzug

Später bekommen wir „The Hoff“ beim Kino-Revival von „Baywatch“ auch noch leibhaftig zu sehen. Ebenso schwebt in einer gänzlich überflüssigen Szene ein blondes Geschöpf mit prachtvoller Mähne heran, natürlich in Zeitlupe, beinahe so wie früher: Pamela Anderson, einst die Original-Bademeisterin. Allerdings trägt sie nun einen schicken Hosen- und nicht mehr den genauso berühmten wie knapp bemessenen roten Badeanzug. Den tragen dafür ihre Nachfolgerinnen auf (mit dabei: Alexandra Daddario, Kelly Rohrbach, Priyanka Chopra), wenn sie dekorativ am Strand entlangjoggen oder sich über beinahe Ertrunkene beugen.

Regisseur Seth Gordon („Voll abgezockt“) weiß, was er in der neu eröffneten Beachsaison den Altvordern schuldig ist. Ohne Hasselhoff und Anderson wäre Hollywood wohl kaum auf die Idee gekommen, einen Trupp von Strandwächtern zu Kinohelden zu ernennen, die sich als die „Elite der Elite“ verstehen und über einen Ehrenkodex verfügen, der Navy Seals erblassen lassen müsste. Hier riskiert man quasi jeden Tag das eigene Leben zum Wohl der badenden Allgemeinheit und lässt sich dafür beklatschen wie Delfine in einer Seaworld-Show.

Dwayne Johnson als selbstverliebter Held

Actionspezialist Dwayne „The Rock“ Johnson („Fast & Furious“) übernimmt im Kino den Frischluft-Job plus die Plastik-Rettungsboje von Hasselhoff. Er ist der richtige Mann dafür, denn in punkto Selbstverliebtheit kann es Johnson alias Mitch locker mit seinem Vorgänger aufnehmen. Johnson ist allerdings klug genug, mit dem beim Strandleben allgegenwärtigen Narzissmus zu spielen: Sein Mitch findet sich so toll, dass er sogar Plastikfiguren seiner selbst zu Hause im Aquarium stehen hat. Wie Neptun reitet Klein-Mitch dort mit Dreizack auf einem Delfin. Und wenn Mitch seinen ersten Rettungsjob erledigt, drehen echten Delfin Saltos. Auf so eine bewusst alberne Form des Personenkults muss man erst mal kommen.

„Baywatch“ war in den Neunzigern eine einzige Feier des sonnengebräunten Freizeit-Körpers. Üppige Oberweiten, stramme Sixpacks, durchtrainierte Körper ohne Fehl und Tadel, wie sie die Schönheitsindustrie in der Werbung ausstellt: Die Bewerbungskriterien für Rettungsschwimmer am Strand von Malibu waren klar – weshalb es auch kein Problem darstellte, die Nebenfiguren regelmäßig auszutauschen, ohne dass es auffiel. Die Serie brachte mehr als eine Milliarde Zuschauer in 144 Ländern vor die Fernsehgeräte. Da kamen nicht einmal die verruchten Ölbarone aus „Dallas“ mit.

Versuch, eine Erfolgsformel zu aktualisieren

Im Rückblick gilt „Baywatch“ als die erfolgreichste TV-Serie des 20. Jahrhunderts. Diese Steilvorlage konnte sich das fortsetzungswütige Hollywood nicht entgehen lassen. Nun hat es versucht, eine alte Erfolgsformel fürs neue Jahrtausend zu aktualisieren, möglichst ohne den Markenkern zu beschädigen. Das allerdings ist nur halb gelungen.

Im Fernsehen spielte es keine entscheidende Rolle, was die Rettungsschwimmer veranstalteten. „Baywatch“ war gewissermaßen eine dezente Form der Aktfotografie vor rollenden Ozeanwellen, garniert mit gelegentlichen Haiattacken sowie überschaubaren Motorboot- und Surfbrett-Havarien. Fleischgewordene Kens und Barbies vergnügten sich am Strand, ohne je auch nur einen Anflug von Sonnenbrand zu bekommen. Nebenbei zogen sie Verunfallte aus dem Wasser.

Was aber stellt man mit den Rettungsschwimmern über zwei Stunden auf der großen Leinwand an? Das haben sich auch die Drehbuchautoren gefragt, aber keine überzeugende Antwort gefunden. Ein wenig unflätiger Genitalhumor hier, ein renitenter neuer Rettungsschwimmer namens Matt (Zac Efron) da, der seinen Chef Mitch mit Widerworten ärgert und erst einmal selbst vor seiner Überheblichkeit gerettet werden muss. Das reicht nicht für einen abendfüllenden Film.

Also haben die Skriptautoren einen hanebüchenen Krimi rund um Drogen- und Immobiliengeschäfte gestrickt. Das könnte man Mut zum Trash nennen, wenn die Story Spannung erzeugen würde. Tut sie aber nicht. Sie dümpelt so zäh dahin wie eine Segeljolle auf einem Badeteich bei Flaute. Und was die Actionszenen angeht: Die dürften für Dwayne Johnson Pippifax gewesen sein. Halbwegs amüsant wird das Ganze nur, wenn die Bademeister-Abteilung über sich selber lacht. Denn wie gesagt: An Selbstironie mangelt es Mitch und Co. nicht.

Doch verliert Kino-„Baywatch“ durch die aufgepfropfte Handlung das, was Fernseh-„Baywatch“ ausgezeichnet hat: den Geschmack von Sonne, Sand und Meer.

Von Stefan Stosch / RND

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