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18:02 21.10.2017
Yves Saint Laurent schuf nicht nur Kleidung – er ließ sich auch von berühmten Fotografen in Szene setzen: Links von Jeanloup Sieff, rechts von Irving Penn. Beide Bilder sind in Paris zu sehen. Quelle: AFP
Paris

Er war bereits zu Lebzeiten ein moderner Klassiker: Yves Saint Laurent (1936–2008) prägte wie kein anderer den Look der Sechziger- und Siebzigerjahre. Seine Kreationen gelten als Inbegriff des klassisch-modernen französischen Modestils. Als erstem lebenden Modeschöpfer war ihm 1983 eine Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum of Art gewidmet. Nun eröffnet die von ihm und seinem Lebensgefährten und Manager Pierre Bergé eingerichtete “Fondation“ gleich zwei Museen. Bergé konnte den Eröffnungen zu Monatsbeginn in Paris und Marrakesch aber nicht beiwohnen; er starb kürzlich im Alter von 86 Jahren.

In Paris wurde das 1974 bezogene Hauptquartier des Modehauses in einem eleganten Stadtpalais in der Avenue Marceau 5, im Viertel zwischen Trocadero und den Champs-Élysées, aufwendig in ein Privatmuseum umgebaut. Herzstück ist die Rekonstruktion von Saint Laurents Studio als gewissermaßen dem Allerheiligsten des kreativen Prozesses. Auf einem Schreibtisch aus einer Glasplatte auf zwei schlichten Holzböcken sind Yves Saint Laurents Lieblingsutensilien arrangiert: Souvenirs, Talismane, Stifte, eine tönerne Hand als Briefbeschwerer.

In den angrenzenden Haute-Couture-Ateliers und Anprobesalons arbeiteten einst an die 200 Schneider und Näherinnen. Hier entstanden auch die ersten Smokings für Frauen und Transparentblusen, die seinerzeit als skandalös empfunden wurden. Nunmehr werden die Arbeitsräume der 2002 eingestellten Haute-Couture-Linie als Fläche für Dauer- und Wechselausstellungen rund um Saint Laurents Person und Schaffen genutzt. In der Avenue Marceau befindet sich auch das Archiv des Modehauses: 5000 Originalmodelle, 15 000 Accessoires seit den Sechzigerjahren und mehr als 1000 Aufnahmen von Fotografen wie Irving Penn, Richard Avedon oder Helmut Newton.

Herzstück des neu eröffneten Museums in Paris ist die Rekonstruktion von Saint Laurents Studio. Quelle: AFP

In Marrakesch, Yves Saint Laurents und Bergés zweitem Wohnort, ließ die Stiftung für rund 15 Millionen Euro ein modernes Museum errichten mit 4000 Quadratmeter Fläche. Die Fassade des skulpturalen Baus ist in den warmen Erdtönen der Landschaft Marokkos gehalten, die Form ahmt den Faltenwurf von Stoff nach. Das Musée Yves Saint Laurent Marrakesch (mYSLm) befindet sich in unmittelbarer Nähe des historischen Gartendenkmals Jardin Majorelle, das Yves Saint Laurent vor der Zerstörung durch Investoren bewahrt hat und wo seine Asche verstreut wurde. Von seiner Ballet-Russes-Kollektion von 1976 an hatte der Modedesigner alle Entwürfe, die er für bedeutend hielt, mit einem roten “M“ für Museum gekennzeichnet. Für ihn war klar: Das war Kunst, das gehört ins Museum.

Was steckt hinter dem Welterfolg und Mythos des 1936 im damals französischen Algerien als Kind wohlhabender Eltern geborenen Edel-Couturiers? Es handelt sich wohl um eine Verbindung aus außerordentlichem Talent und geschicktem Marketing, wobei Allianzen mit dem Kino eine wesentliche Rolle spielten. So bildeten Saint Laurent und Catherine Deneuve eine symbiotische und ausgesprochen erfolgreiche Einheit. Begründet wurde der YSL-Mythos mit einem Kinofilm des Avantgarderegisseurs und Surrealisten Luis Bunuel aus dem Jahr 1966: “Belle de Jour“ mit Deneuve als vom bürgerlichen Eheleben gelangweilter Edelprostituierten Séverine Sérizy.

Detaillierte Einblicke in die Arbeit des großen Couturiers: Originalmodelle Yves Saint Laurents aus unterschiedlichen Epochen in Paris. Quelle: dpa

Die Kleider, in denen Saint Laurent Militärelemente zitierte, umhüllen die vornehm-kühle Heldin aus der Upper Class wie eine undurchdringliche Schutzschicht und untermalen gleichzeitig ihren zugeknöpften, aber gegenüber erotischen Experimenten aufgeschlossenen Charakter. Eine Ironie besteht darin, dass die teuren YSL-Outfits in SM-Szenen des Films gründlich verschleißt werden. Beschleunigte Verschleißgeschwindigkeit aber ist gut für das Modebusiness. Saint Laurent hatte, indem er mitten in der Minirock-Ära die Rocksäume knapp oberhalb des Knies enden ließ, gleichzeitig aber die Zeitlosigkeit im Blick: der Mode wie des Films.

Dass das Prinzip YSL noch heute wirkt, belegen Einträge in Modeblogs. Heutige Fashionistas sind hin- und hergerissen vom augenblicklichen Verlangen, diese Mode zu besitzen. Bei so viel zeitlos-aktueller Begeisterung dürfte auch den beiden YSL-Museen Erfolg beschieden sein.

Das Museum Yves Saint Laurent Paris befindet sich in der Avenue Marceau und hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, freitags ist sogar bis 20.15 Uhr Einlass. Erwachsene zahlen 10 Euro Eintritt. Das Museum in Marrakesch liegt an der Rue Yves Saint Laurent und ist täglich bis auf mittwochs geöffnet. Der Eintritt kostet rund 9 Euro.

Von Johanna di Blasi

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