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00:00 24.05.2017
So nett fängt alles an: Andi (Max Riemelt) liest die australische Fotografin Clare (Teresa Palmer) auf und gewährt ihr Obdach. Quelle: MFA
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Hannover

Die Drehung eines Schlüssels macht aus einer Herberge ein Gefängnis. Andi (Max Riemelt) sah gut aus, war zuvorkommend, es bestand nicht der leiseste Verdacht, dass er Clare (Teresa Palmer) einsperren würde. Genau das passiert der Australierin aber nach der tollen Nacht und es war nicht das versehentliche Drehen in der gedankenlosen Morgenroutine eines Singlemannes. Der Titel „Berlin Syndrome“ verspricht eine besondere Beziehung zwischen Täter und Opfer, und dass diese anders verläuft als das bekannte Stockholm-Syndrom, bei dem der Entführer bald als Vertrauter begriffen wird.

Zwei Stunden böser Zweisamkeit

Die deutsche Hauptstadt, anfangs immer im Bilde – weit, schön, anonym, grausam –, wird von der australischen Regisseurin Cate Shortland („Lore“) bald ausgesperrt. Es ist Thrillerzeit, arg viel Thrillerzeit, zwei lange Stunden währt die böse Zweisamkeit, die klaustrophobische Zuspitzung, was nicht schlimm wäre, würde hier nur ein wenig schneller zugespitzt.

Das Verhältnis Andis zum Vater (Matthias Habich) wird als Ursache von Andis Störung angedeutet, aber nicht ausgeführt, der Kontrollstaat DDR schimmert dabei aus dem Gestern durch die Bilder. Riemelt überzeugt als Psychopath, schon weil er gegen sein Image besetzt wird. Und Palmer ist sehenswert als Frau, die eine weibliche Selbstfindung unter extremsten Bedingungen absolviert. Ob Clare am Ende noch einen Koffer in Berlin hat?

Von Matthias Halbig / RND

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