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20:56 27.10.2016
Benedict Cumberbatch gibt den magischen Doctor Strange – mit Brithumor und bezauberndem Umhang. Quelle: Disney/Marvel
Hannover

Natürlich ist das ganze Universum der Marvel-Comics übernatürlich. Menschen, die auf Insektengröße schrumpfen, die Spinnweben aus den Fingern schießen oder denen – wie „Deadpool“ – abgetrennte Gliedmaßen nachwachsen, wo gibt es denn so was? Ganz zu schweigen von den bunten Mutanten der „X-Men“ oder dem physiognomischen Firlefanz der „Fantastischen Vier“. All deren Sonderkräfte wurden freilich pseudowissenschaftlich begründet: genetische Sprünge, Laborunfälle. Thor kam dann schon direkt aus Germaniens Götterhimmel.

Mit „Doctor Strange“ (Comicfigur seit 1963) gibt es nun die erste rein magische Comicverfilmung aus den Stan-Lee-Fabriken. Es geht um eine Art Shaolin-Hogwarts, eine Zauberschule namens Kamar-Taj, deren Absolventen globale Dämonenabwehrschilde in London, Hongkong und New York hüten – Sancta genannt. Dank deren Supermagie sind Übergriffe aus der Twilight Zone zwecklos.

Trockener Brithumor meets amerikanische Weltrettung

„Doctor Strange“ ist zu Beginn des Films von Scott Derrickson („Sinister“) noch ein eitler, begnadeter Neurochirurg. Leider telefoniert Stephen Strange (kommende Superhelden brauchen Action-Alliterationen, können nicht einfach Fred Smith oder Ruben Plumsbury heißen) gern beim Autofahren, was ihn Sportwagen und Hände kostet. Nach reichlicher Selbstzermürbung sucht der Berufsunfähige Heilung im Himalaja. Was er findet, ist das Kamar-Taj. In den Bergen wird aus dem kaputten Mediziner der meistversprechende magische Azubi aller Zeiten – protegiert von der Ordensoberin Ancient One, einer Art haarlosem Dumbledore, beargwöhnt vom idealistischen Meister Mordo und gehasst vom Ex-Primus, dem abtrünnigen Kaecilius, der gerade dabei ist, einem Super-Voldemort aus einer anderen Dimension Zutritt zur Erde zu verschaffen.

Benedict Cumberbatch spielt den Doc – der perfekte Kino-Lockvogel, um die zuletzt langweiligen Blockbuster um Sonderbegabte in abgefahrener Kleidung wieder an den Zuschauer zu bringen. Er braucht dazu auch nur seinen arroganten Schnösel Sherlock Holmes abzurufen – minus Autismus – und packt herrlich trockenen Brithumor in eine schlichte, amerikanische Weltrettungsgeschichte. Tilda Swinton füttert Strange als Ancient One mit uralter, fernöstlicher Lebensklarheit („Silence your ego and your power will rise!“), während andere hochrangige Darsteller jenseits ihrer Actionszenen vor allem mit Unterforderung zu kämpfen haben – Chiwetel Eijofor als Mordo auf der guten, Mads Mikkelsen als Kaecilius auf der unguten Seite. Rachel McAdams ist immer dann am überzeugendsten, wenn der Schreck in sie fährt.

Geniale Tricks und bezaubernde Capes

Ansonsten schlägt die Stunde einer großartigen Trickabteilung. Nie, nicht einmal in Christopher Nolans „Inception“, hat Hollywood Architektur so toll gekrümmt, gefaltet, gedreht, gewendet und sogar verflüssigt. Paul Corbould, Stephane Ceretti und ihre Teams lassen den Astralleib dieses etwas anderen Doktor Seltsam Welten durchmessen: Bilder, gegen die Stanley Kubricks rauschhaftes Finale aus „2001“ wie Malen mit Filzstiften wirkt. 3-D ist hier auch den Aufschlag wert. Ein Sturz ist zu sehen, den man als Zuschauer mitzustürzen glaubt, so unglaublich tief, dass man sich auf unangenehme Weise seines Magens bewusst wird. Freilich barbituriert das furiose Getöse in solcher Überdosis am Ende. Und der fremdweltige Verderber ... na ja, der geht so.

Die bezauberndsten Szenen hat des Doktors Cape. Nach all den Jahren, in denen man die Dinger für unnütze Protzgarderobe der Superhelden hielt, macht hier so ein Umhang endlich mal Sinn. Gerüchten zufolge wollen Batman und Superman jetzt auch so einen.

Von RND/Matthias Halbig

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