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Kultur Weltweit Der Unvergessliche – Zum 100. Geburtstag von Nat King Cole
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06:00 16.03.2019
Drei für den Jazz (von links) Johnny Mills am Bass, Nat King Cole am Piano und Oscar Moore an der Gitarre. Am 19. März wäre Nat King Cole 100 Jahre alt geworden. Quelle: imago/ZUMA Press
Los Angeles

Der Song war im Oktober 1951 eine Verneigung vor der Liebe und vor dem Publikum, was für Nat King Cole eins war: „Es ist unglaublich, dass jemand so Unvergessliches glaubt, ich sei auch unvergesslich“, sang er da mit seiner warmen, volltönenden Brokatstimme. Die Romantikjazzballade „Unforgettable“ wurde das Markenzeichen unter seinen vielen Songs, zudem das Lied für Millionen von Trauerfeiern.

Mit 15 verließ Nat die Schule, um sein Glück mit Musik zu machen

Der 1919 in Alabama geborene, in Chicago aufgewachsene Sohn eines Baptistenpastors, war, als er 1965 mit nur 45 Jahren starb, der erfolgreichste schwarze Sänger in den USA neben Harry Belafonte. Wäre er weiß gewesen, so sagten nicht wenige, wäre Nathaniel Adams Coles so groß geworden wie Frank Sinatra.

Das Orgelspiel lernte Nat King Cole von seiner Mutter Perlina Coles. Mit 15 verließ er die High School, um sein Glück mit der Musik zu versuchen. Mit Bassist Wesley Prince und Gitarrist Oscar Moore formte er die King Cole Swingsters, benannt nach dem Kinderreim „Old King Cole was a merry old soul“. Eines Abends forderte ihn ein Betrunkener auf, zu singen. Er kannte den gewünschten Song nicht, sang stattdessen das Jazz-Oldie „Sweet Lorraine“. Es wurde 1940 sein erster Hit. Coles Stern ging auf.

„Alles was ich will, ist singen, und die Leute glücklich machen“, sagte er. Das schaffte Nat King Cole in den Vierziger-, Fünfziger- und manchmal auch noch in den Sechzigerjahren mit Liedern wie „Pretend“, „Smile“, „A Blossom Fell“, „When I Fall in Love“ und „Stardust“, mit „Route 66“, „Mona Lisa“ und – eben - „Unforgettable“. Vieles davon war streicherumflort, mehr Pop als Jazz. Die Puristen fanden, er schmisse sich zu sehr ans Publikum ran.

Auch in Los Angeles erfuhr Nat King Cole den Rassismus der Weißen

Es hieß immer, Kalifornien sei ein anderer Süden – weltoffen, modern, weit weg von Intoleranz und Rassismus der Leute aus Mississippi und Alabama. Aber als Nat King Cole mit seiner Familie in den späten Vierzigerjahren in den Stadtteil Hancock Park von Los Angeles zog, stellte ihm der Ku-Klux-Klan ein brennendes Kreuz auf den Rasen.

Und die ausnahmslos weißen Einwohner schickten ihm einen Brief, wonach sie gegen „unerwünschte Subjekte“ in der Nachbarschaft seien. Cole antwortete in einem offenen Brief, dass er und seine Familie ebenfalls gegen „unerwünschte Subjekte“ seien. Falls sie eines sähen, wären sie, die Nachbarn, die ersten, die informiert würden. Seine Witwe Maria, die ihn 47 Jahre überlebte, brachte es auf den Punkt: „Wer immer dachte, Nat sei so eine Art Onkel Tom, der hatte diesen Mann nicht gekannt.“

1956 bekam dieser Mann eine eigene Show – ein Afroamerikaner war Gastgeber einer ernst zu nehmenden Fernsehsendung. „Es könnte ein Wendepunkt sein, so dass Neger regelmäßig im Fernsehen zu sehen sein würden“, hoffte Cole. Und NBC-Chairman David Sarnoff versprach seinen Werbefachleuten: „Holt Sponsoren für seine Show heran oder es werden Köpfe rollen.“

Keine Sponsoren – aus Angst, den Süden zu verärgern

Eigentlich hätte Firmenunterstützung kein Problem sein dürfen, die „The Nat King Cole Show“ war hochkarätig: Für die Musik sorgte das Orchester von Nelson Riddle, zu den Studiogästen zählten Frank Sinatra, Peggy Lee, Frankie Laine und Tony Bennett, die aus Verbundenheit für eine symbolische Gage auftraten. Aber kein einziges USA-weites Unternehmen investierte, man wollte die Kunden im Süden nicht verärgern, die Schwarze im Fernsehen immer noch nicht ertragen wollten.

Der Sender war dann auch noch bereit für eine weitere Staffel, aber der entnervte Cole verkündete im Dezember 1957 selbst das Aus: „Ich glaube Madison Avenue fürchtet die Dunkelheit“, bemerkte er verbittert. Ein Verweis auf die New Yorker Straße, die als Synonym für die amerikanische Werbeindustrie gilt.

Das weiße Amerika wollte Nat King Cole hören, weniger sehen. Für seine Rolle im Film „China Legionär“ (1957) bekam er 5000 Dollar. Sein Song „Three Coins in a Fountain“ im Vorspann des Dramas war Hollywood dagegen 75 000 Dollar wert. Nachdem der Klan ihn im April 1956 bei einem Konzert in Birmingham, Alabama, auf der Konzertbühne angegriffen hatte, mied er den Süden. Er schloss sich der Bürgerrechtsbewegung an, trat 1961 bei John F. Kennedys Inaugurationsfeier auf. Und diskutierte mit dem jungen Präsidenten über den Rassismus im Land.

Drei Schachteln Kool Menthol für den Erhalt des Timbres

Cole glaubte, dass das Rauchen seiner Stimme ihren dunklen, vollen Klang verlieh und dass die Mentholzigaretten von Kool, ohne die man ihn kaum je antraf, ihm dieses Timbre erhalten würden. Drei Schachteln pro Tag waren sein Pensum, von dem er auch nach einer Magenoperation 1953 nicht lassen konnte. Am Nikolaustag 1964 wurde Lungenkrebs bei ihm festgestellt, ein Lungenflügel wurde entfernt, am 15. Februar 1965 starb Nat King Cole im St. John’s Hospital in Santa Monica.

Als „früher Einfluss“ hat es Cole 2000 in die „Rock’n’Roll Hall of Fame“ geschafft, schon 1993 wurde er in die „Big Band and Jazz Hall of Fame“ eingeführt. 1989 bekam er posthum den Grammy für sein Lebenswerk. Und 1991 stieg ein virtuelles Duett mit seiner 2015 verstorbene Tochter Natalie Cole noch einmal bis auf Platz 14 der Billboard-Charts. Es war „Unforgettable“, das Lied, das für immer seins bleiben wird und das wie ein Epitaph für Nat King Cole erscheint: „Unforgettable, that’s how you’ll stay ….“

Von Matthias Halbig / RND

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