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Kultur Weltweit Der Schöpfer von Murphys Gesetz wird 100
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16:47 10.01.2018
Ein Butterbrot fällt immer auf die beschmierte Seite: Ein Beispiel für die praktische Anwendung von Murphys Gesetz. Quelle: dpa
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Berlin

Wenn sein Name fällt, dann in Zusammenhang mit Pleiten, Pech und Pannen. Alle Missgeschickte lassen sich trefflich kommentieren mit dem schlichten Ausruf „Murphys Gesetz!“ Das gilt für eine verpatzte Torchance in einem Fußballspiel ebenso wie für so nüchterne Angelegenheit wie Betriebsratswahlen. „,Murphys Gesetz’, nach dem alles, was schief gehen kann, auch schief geht, macht auch vor Betriebsratswahlen nicht halt“, mahnt das Institut zur Fortbildung von Betriebsräten in Zusammenhang mit den im März anstehenden Urnengängen und regt an, einen Notfallplan zu erstellen.

Murphy hatte wohl keine fatalistische Grundhaltung

Das hätte Edward A. Murphy vermutlich gefallen. Denn als er „Murphys Gesetz“ formulierte, tat er dies wohl nicht aus einer fatalistischen Grundhaltung heraus. Der Satz, den er gesagt haben soll, war auch komplizierter als der, der heute gemeinhin mit seinem Namen in Verbindung gebracht wird. „Wenn es zwei oder mehr Möglichkeiten gibt, etwas zu tun und wenn eine dieser Möglichkeiten zu einer Katastrophe führt, dann wird sich irgend jemand für genau diese Möglichkeit entscheiden.“

Murphy hatte genau dies menschliche Versagen gerade in der Praxis erlebt. Der Überlieferung nach untersuchte Murphy 1949 auf einem Testgelände in Kalifornien, wie viel Beschleunigung der menschliche Körper aushalten kann. 16 Sensoren wurden bei der Testperson, Colonel John Paul Stapp, angebracht. Allerdings in einem falschen Winkel, so dass die Messung ergebnislos blieb. Daraufhin soll Murphy seinen berühmten Satz gesprochen haben. „Murphys Law“ war geboren.

Der wird heute überall auf der Welt im Munde geführt. Der Schöpfer aber ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Der Online-Enzyklopädie Wikipedia zufolge wurde Edward A. Murphy am 11. Januar 1918 in der Panamazone geboren, er soll vier jüngere Geschwister gehabt haben. Seine Schulzeit hat Murphy danach in New Jersey verbracht, anschließend die United States Military Academy besucht. 1941 soll er erfolgreich die Ausbildung zum Piloten absolviert haben. Während des Zweiten Weltkriegs war Murphy laut Wikipedia im Pazifikkrieg in Indien, China und Myanmar im Einsatz. Am 17. Juli 1990 starb er.

Der Satz kommt oft beim Aufbauversuch von Möbeln zur Sprache

Wie wahr sein berühmter Satz ist, hat wohl jeder schon einmal erfahren. Handwerklich nur mäßig Begabte erleben es immer wieder, wenn sie beispielsweise versuchen, einen Schrank aus der Kollektion einer großen schwedischen Möbelmarktkette zusammenzubauen. Trotz penibler Einhaltung der Anleitung will bisweilen aus den Einzelteilen kein Schrank werden, zumindest aber bleiben am Ende immer ein paar Schrauben übrig. Aus Murphys Lebensweisheit werden eben nicht immer Lehren gezogen, Dinge so zu konstruieren und zu produzieren, dass falsche Handhabungen ausgeschlossen sind.

Gleichwohl bleibt Murphys Gesetz präsent. Der Philosoph Ulf Heuner hat vor ein paar Jahren sogar ein Buch veröffentlicht, das sich mit den kleinen Pannen, die das Leben so mit sich bringt, beschäftigt. „Missgeschicke: Eine Philosophie der kleinen und großen Katastrophen“ erschien 2013 noch einmal in überarbeiteter Form.

Welchen Wert hat es für den einzelnen, Murphys Gesetz zu kennen? Ist die Schlange, in der man im Supermarkt ansteht, immer die längste? Und fällt ein Stück Toast immer auf die Butterseite? Pessimisten, die Murphys Gesetz für so etwas wie eine Weltformel halten, mögen sich dadurch entlastet fühlen, wenn bei ihnen etwas schief geht.

Andere wollten es genau wissen wie der britische Physiker Robert Matthews. Er hat die Sache mit dem Buttertoast erforscht. Ergebnis: Bei normalen Esstischen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Brot auf der Butterseite landet. Für diese Erkenntnis bekam er 1996 den IgNobel-Preis – eine satirische Auszeichnung, mit der wissenschaftliche Leistungen geehrt werden, die „Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen“.

Von Liliane Jolitz

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