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Kultur Weltweit Der Rüssel zum Erfolg
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08:06 10.06.2018
Parodien großer Meister und ihrer Werke: Die Bilderschau “Otto – Die Ausstellung“ im Frankfurter Caricatura Museum für komische Kunst ist bis zum 2. September zu sehen. Quelle: Otto Waalkes
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Frankfurt am Main

Zur Mittagszeit bimmeln die Glocken der Nikolaikirche ihr “Lobe den Herren“. Hier nahe dem Main ist Frankfurts Platz für Kirchen und Kunst. Hinterm Dom, im Caricatura Museum, dem Ort, wo im Mittelalter Leinwand verzollt wurde, schlägt ein Bildnis der Heiligen Familie die Brücke zwischen profaner und sakraler Sphäre des Römerbergs: Neben Maria steht Otto Waalkes als Josef, der Ottifant übernimmt den Part des Jesuskinds und Sid, das Faultier aus den “Ice-Age“-Filmen, schmiegt sich als Zeuge ans Mariengewand.

Diese Wunder-von-Nazareth-Version hat Otto Waalkes selbst gemalt. Der Performancekünstler ist mit Pinsel und Staffelei kreativ. Wie so viele Popstars, möchte man hinzufügen. Bevor Otto klarstellt: “Ich sehe mich nicht als Prominenten, der zufällig auch noch malt, sondern als Maler, der zufällig auch noch prominent ist.“

Seine Werke sind überraschend virtuos. Tatsächlich wollte Otto freier Maler werden, hat dann Kunstpädagogik studiert. “Brotlose Kunst“, befanden die Eltern, “waren aber so lieb, dass sie mir selbst diese Verirrung nie übel genommen haben.“ Dann erfand er als langhaariger “Blödelbarde“ (so nannte man Comedians in den Siebzigerjahren) die Rock’n’Roll-Version von Klamauk, erzählte von der libidinösen Susi und ihrem verzauberten Rasierapparat und dem brutalen Kinderpsychologen Dr. Prügelpeitsch.

Popikonen, Klassiker, und immer wieder der Ottifant: Ein Werk aus der Otto-Ausstellung im Frankfurter Caricatura-Museum. Quelle: Otto Waalkes (2016)

Wäre er sonst Kunstlehrer geworden? Er verneint. Bereits im Praktikum habe er gemerkt, dass eine andere Zukunft auf ihn warte. “Damals war ich in Hamburg schon zu bekannt. Die Schüler wollten von mir nichts lernen, sie verlangten den Tarzanruf.“

Was er heute so malt: Vorzugsweise Selbstporträts und Ottifantenbilder. Otto stilisiert sich und die Vierbeiner dabei zu Ikonen der Popkultur (Zwei Ottifanten pusten Marilyn Monroe Luft unter das weiße Abendkleid) oder packt sich in mythische Kostüme (Otto als Luke Skywaalkes). Vor allem aber parodiert er Kunstwerke berühmter Künstler, was den permanent die Originale im Kopf abrufenden Betrachter grinsen und staunen lässt.

Der Dalifant hat surrealistische Spinnenbeine, der Picassofant ist von kubistischer Gestalt und die Blondine, die sich in einer Roy-Lichtenstein-Parodie von Otto abschleppen lässt, hofft in einer Gedankenblase, dass ihr Galan zu Hause auch wirklich einen Ottifanten hat, wie versprochen.

“So schizophren bin ich nun doch nicht“

Der Ottifant? Ein kleiner Cartoon-Elefant mit menschlicher Mimik – den Wikipedia auf das Jahr 1975 datiert. “Da irrt Wikipedia“, korrigiert Otto und verweist auf ein Irgendwann in den Sechzigerjahren, als er sich als Schüler an einem Selbstpor­trät versuchte. “Im Profil war das nicht einfach. Und weil die Nase eh zu lang geworden ist, habe ich gleich einen Rüssel daraus gemacht.“

Der Ottifant der Bilder ist also irgendwie … Otto selbst, vielleicht seine veräußerlichte Seele in Tiergestalt – wie in den Fantasyromanen von Philip Pullman? Eindeutig zu viel Esoterik für Otto: “So schizophren bin ich nun doch nicht.“

Im Obergeschoß des Caricatura sind Zeichnungen von früher zu sehen. Sachen wie “Der schiefe Wurm von Lisa“, oder “Viele Köche verderben die Köchin“. Nicht alles ist heute noch so lustig wie 1977, aber die Erinnerung macht Laune. Und so hört man hier unter den Besuchern das ganze Spektrum menschlicher Freugeräusche: “Hihihi“, “Gngngn“, “Kch-kch“, “Pfrrrrswrsss“ klingt es, und ein “Hollerehiti!“ entfährt einem sehr jungen Mann, der vor der Parodie von Caspar David Friedrichs “Wanderer über dem Nebelmeer“ steht. Otto mit Ottifant im Gebirge. Irgendwie erhaben. Irgendwie auch melancholisch.

Acryl auf Leinwand (60x40); frei nach Caspar David Friedrich “Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (1818) OTTO. Die Ausstellung Quelle: Otto Waalkes (2014)

Und plötzlich sieht man überall dezente Trübsal hervorspitzen. Auch wenn ein winziger Otto mit Ottifant an Friedrichs “Klosterruine Eldena“ vorbeizieht. Wenn er den verregneten Times Square langläuft wie James Dean auf Dennis Stocks berühmtem Foto. Oder wenn er auf einer Edward-Hopper-Parodie aus dem Fenster eines Zimmers Richtung Meer blickt. Da spürt man die Deicheinsamkeit des Malers, der unterm Dach eines friesischen Leuchtturms die Leinwand mit Ostfriesentee grundiert und dann den Pinsel aufsetzt.

Ist dieser Hauch Wehmut so eine Spätwerk-Sache des betrübten Heiteren, der kurz vorm Siebzigsten merkt, dass wer an der Uhr gedreht hat und dass obendrein die Welt ihr Love-and-Peace immer mehr hinter sich lässt?

Nö, der Hauch liege an den Vorbildern, sagt Otto. Er freue sich aber, wenn deren Geist durch seine Parodien wehe. “Weltschmerz ist nicht meine Stärke“, fügt er hinzu. “Ich weiß, dass mein Optimismus nicht immer gerechtfertigt ist – aber die Alternative bringt uns ja auch nicht weiter, oder?“ Es gibt also nichts Verborgenes zwischen den Flächen und Pinselstrichen, Otto ist vorwärts und rückwärts, innen und außen immer derselbe. Ein Geheimnisloser.

Acryl auf Leinwand (60x45); frei nach Paul Cézanne „Der Knabe mit der roten Weste“ (1889). Quelle: Rest

200 Bilder sind zu sehen, wird das in Zukunft noch wachsen? “Meine Zukunftsperspektive ist zu kurz, um das beantworten zu können“, weicht er aus. “Beim Schreiben meiner Ottobiografie ist mir irgendwann aufgefallen, wie viel Vergangenheit ich schon habe.“ Kurze Pause. Malt er also doch mit einem leisen Seufzen? “Nein, mit leiser Musik“, antwortet Otto, “oder ich pfeife mir selbst ein Liedchen dazu.“

Geht ein Ottifant übern Zebrastreifen ... Auf einem der Bilder kreuzt der Dickhäuter mit Sid, dem Zwerg Bubi (Ottos Rolle aus den “7 Zwerge“-Filmen) und Otto selbst die “Ebbi Rot“ wie die Beatles auf ihrem letzten Weg. Eins will man da noch wissen: Verdanken sich Rüssl Räckords und damit der Siegeszug des Ottifanten letztlich den Beatles und deren Plattenlabel Äppl Räckords? “Den Beatles verdanke ich viel“, sagt Otto. “Nicht nur meine Freude an der Musik, sondern auch meine Frisur. Und mein Motto: ,All You Need is Spaß!‘“

Von Matthias Halbig

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