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Kultur Weltweit Der König stirbt nie, es lebe der König!
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06:00 11.05.2017
Auf der Suche nach sich selbst: Arthur (Charlie Hunnam) hat das Schwert Excalibur aus dem Stein gezogen, fühlt sich aber keineswegs als künftiger König. Quelle: dpa
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Hannover

König Artus alias Arthur ist wieder da, der Superstar unter den mythischen Herrschern. Er zog der Sage nach das von Merlin geschmiedete Schwert aus dem Stein (wahlweise einem Amboss), herrschte am märchenhaften Hof Camelot über Britannia, hatte die Ritter seiner Tafelrunde zur Seite, deren romantischster, Lancelot, sich in seine Frau Guinevere verliebte. Der brave Princeps wurde von Sohn/Neffe Mordred verraten, das gute Reich ging in einem Game of Thrones unter, gefolgt vom Rückzug des verwundeten Königs gen Avalon, der Nebelinsel. Bryan Ferry hat uns den Ort besungen - mit echt magischem Bariton.

Sogar Boris Karloff war schon Artus

Die Zahl der filmischen Adaptionen von Arthurs sagenhaften Abenteuern ist längst Legion, selbst Boris „Frankenstein“ Karloff trug schon seine Krone, Disney verniedlichte den Thronprätendenten in „Die Hexe und der Zauberer“. Jetzt also Ritchie, der einstige Rock’n’Roll-Mann des Brit-Kinos. Er erzählt neu, völlig anders, weit wilder, holt titanengroße Kriegselefanten aus seiner Arthur-Wundertüte, Riesenschlangen, Kung-Fu-Kämpfer, Wasserhexen, Baumwesen und allerlei anderes Gekreuch und Gefleuch.

Erzählt wird, wie der „once and future King“ wurde, wer er ist. Sobald sich der Vorhang hebt und Ritchies Licht- und Schwertspiel vor unseren Augen abrollt, geht es medias in res. Zeit wird keine vergeudet, binnen fünf Minuten ist der zwecks Lebensrettung wie Jung Moses in einem Böötchen ausgesetzte und vor einem Bordell mit gütigen Huren strandende Baby-Arthur ein erwachsener Mann. Auf der dunklen Seite der mittelalterlichen Macht kämpft gegen ihn ein Usurpator mit schwarzem Herzen und bösem Humor (er spricht in ein soeben von ihm abgetrenntes Ohr: Voltigern, gespielt von einem beeindruckend unleidlichen Jude Law, der seinen Bruder, Arthurs Vater Uther Pendragon (Eric Bana) zu Filmbeginn verrät und stürzt. Der seither unentdeckt im schmutzigeren Teil Londiniums lebende, attraktive, rechtmäßige Thronerbe Arthur (Charlie Hunnam, bekannt aus der Bikerserie „Sons of Anarchy“) ist natürlich besser und edler als eine belgische Nugatpraline. Hunnam, hat als erwachsener Arthur Charisma, beherrscht die Leinwand, schwingt ein cooles Schwert und eine kesse Lippe, wie es sich für besseres Popcornkino gehört.

Schnittiger Film, Charlie Hunnam überzeugt

Auf echte Charakterzeichnung verzichtet Ritchie weitgehend, weil ja in Sachen Gut und Böse alles sofort klar ist. Ritchies bislang zwei vergnügliche Spektakel über ein anderes fiktives Britgenie, Sherlock Holmes, waren – gemessen an „King Arthur“, geradezu psychologische Feinstudien. Dieser Arthur-Film ist schnittig, wirft die Story vor und zurück, lässt sie Loopings drehen, vertraut auf die Trickkiste des Kinos und wirkt so immer wieder wie ein endlos langer Trailer. Ritchies düsteres Pop-Camelot wird durch Rockgitarren, Bass und Schlagzeug angeheizt, der Regisseur versteht sich gut darauf, die männliche Kinogängerjugend und verspielt gebliebene Gentlemen fortgeschrittenen Alters auf ihre Kosten kommen zu lassen. Ein hochenergetisches, unglaublich gerafft wirkendes, zuweilen verwirrendes, der Kapitulation des Auges vor dem bewegten Bild Vorschub leistendes Getöse bricht sich Bahn in diesem zeitlich zwischen Spätantike und Frühmittelalter angesiedelten britannischen Fantasia. Der Witz, den Ritchie immer wieder einflicht, macht diesen bulligen, schweren Streifen zwischendurch immer wieder leicht und charmant, er erinnert dann an Michael Curtiz‘ „Robin Hood – König der Vagabunden“ und wie Errol Flynn darin durch den Nottingham Forest swingte. Die Strumpfhosen fehlen freilich.

Fortsetzung wahrscheinlich

Eine Fortsetzung dürfte folgen, schließlich wartet noch die zarte Lady Guinevere auf ihre Königsbetörung. Aber schon im Sommer geht’s weiter mit der Sage – mit Nikolaj Arcels Adaption von Stephen Kings „Der dunkle Turm“-Epos. Arthur ist hier der Stammvater des Revolvermanns Roland Deschain (Idris Elba), dessen Pistolenläufe aus seinem Schwert Excalibur geschmiedet wurden.

Es scheint als habe das Kino nun den geheimen Auftrag, die Erinnerung an den König wachhalten, schließlich soll Arthur der Sage zufolge eines Tages von Avalon wiederkehren. Es wäre höchste Eisenbahn, vielleicht kann er ja doch noch den Brexit verhindern.

ab 11. Mai im Kino

Von Matthias Halbig/RND

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