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13:22 14.02.2017
Unser Song für 2017: Gewinnerin Isabella Levina Lueen. Quelle: dpa
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Köln

Am Ende stand sie da in einem Meer aus goldenem Glitzerkonfetti und wusste nicht wohin mit den Händen. „Unglaublich“, raunte sie in einer tiefen Altstimme, die mehr nach einer whiskeyerfahrenen Chicagoer Hotelbar-Haubitze klingt als nach einer braven Musikstudentin. Die 25-jährige Levina Lueen wird Deutschland am 13. Mai beim Eurovision Song Contest (ESC) in Kiew vertreten. Mit dem Uptempo-Titel „Perfect Life“ siegte sie beim deutschen Vorentscheid „Unser Song 2017“ in exakt jenem Köln-Mülheimer TV-Studio, in dem vor sieben Jahren Lena Meyer-Landrut ihren Siegeszug nach Oslo antrat. Ihre vier Konkurrenten überragte sie in mehr als einer Hinsicht.

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Die 25-jährige Newcomerin Levina singt beim Eurovision Song Contest in Kiew für Deutschland. Sie gewann den deutschen Vorentscheid „Unser Song 2017“ in Köln mit dem Titel „Perfect Life“. Das Ziel beim Finale im Mai kann nur lauten: Bloß nicht wieder Letzter werden.

Wer ist die Frau? Sie wurde als Isabella Levina Lueen (ausgesprochen: Lüh-enn) in Bonn geboren, begann ihre musikalische Ausbildung in Chemnitz, trat in Kindermusicals auf, ersang sich den ersten Preis bei „Jugend musiziert“ und studierte dann zielstrebig an der Londoner Tech Music School Gesang und Komposition. Sie lebt in Berlin und London, liebt Joy Denalane, Bruno Mars und, nun ja, Süßkartoffelpommes. Und sie arbeitet an einem Abschluss mit dem komplexen Titel „Master in Music Industry Management und Artist Development“.

Sich selbst charakterisiert sie mit drei Worten: „kreativ, weltoffen – und groß“. „Wenn ich keinen BH trage, reichen deine Beine bis zu meinen Brüsten“, staunte Moderatorin Barbara Schöneberger, erneut in Hochform. 2000 Bewerber wollten nach Kiew, 33 sangen in einem internen Casting vor, fünf durften in die Liveshow. Am Ende lag die Professionellste vorn. Vor sieben Jahren setzte sie als 18-Jährige Geld auf den Sieg der gleichaltrigen Lena in Oslo – und gewann 50 Euro.

Musikalisches Speed-Dating

„Zurück zu den Wurzeln“ hieß das Motto des runderneuerten deutschen Vorentscheids. Oder wie Barbara Schöneberger sagte: „Let’s make the Vorentscheid great again!“ Zweimal in Folge gab’s für Deutschland zuletzt die rote Laterne beim größten Musikspektakel der Welt. Reform oder Rückzug? Am Ende entmachtete der NDR die Plattenfirmen zugunsten eines musikalischen Speed-Datings: Keine halb berühmten, halb interessierten Stars waren am Start, keine zappeligen Scherzkekse, keine politisch umstrittenen Mannheimer Pop-Murmler oder emotional instabilen Zausel mit Last-Minute-Muffensausen. Stattdessen fünf unbekannte Neulinge.

Das war dann schon putzig, wie die 21-jährige Helene Nissen aus Hollingstedt als irrlichternder Country-Kobold von der Ostsee hinter einer riesigen Gitarre ihre Partyversion von Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ vortrug. „Heul nicht!“, sagte sie hinterher keck, als Jurymitglied Lena Meyer-Landrut sich mit zitternder Unterlippe an ihre eigene Story am selben Ort erinnerte. Die Favoritin von Jurymitglied Florian Silbereisen („Ich bleibe bei Helene“) schaffte es in Runde zwei, ebenso wie der 28-jährige Hamburger Multiinstrumentalist Axel Feige mit seiner Max-Mutzke-Stimme, der erst im Finale Levina unterlag.

„Perfect Life“ ist ein tauglicher ESC-Titel

Der NDR hatte eigens internationale Produzententeams beauftragt, massenkompatible Ohrwürmer zu schreiben. Am Ende standen zwei zur Auswahl: „Wildfire“ und „Perfect Life“. Bandleader Wolfgang Dalheimer schneiderte daraus zwei Versionen pro Teilnehmer. Das zog sich dann schon, bis am Ende die favorisierte Sänger-Song-Kombination gefunden war. Noch ein Schnelldurchlauf? Echt? 3,14 Millionen Zuschauer sahen die Show – kein überragender Wert, aber 10,3 Prozent Marktanteil bei den Jüngeren dürften die ARD versöhnen, das ist weit über dem Senderschnitt. So ehrlich freilich muss man sein: Von einem Instant-Star war nichts zu sehen.

Das waren fünf redliche Poptalente mit und ohne Bart. Aber was soll’s? „Perfect Life“ ist ein tauglicher ESC-Titel, dessen Gitarrenriff zur Strophe dann doch ziemlich David Guettas „Titanium“ klingt. 69 Prozent der Stimmen entfielen auf den Song, den ein Team um die erfahrene US-Komponistin Lindy Robbins schrieb, die auch schon – Überraschung – David Guetta zu seinem Welthit „Dangerous“ verhalf.

Hat Levina eine Chance, nicht Letzte zu werden? Der ESC war zuletzt höchst politisch – zwei von drei Siegersongs waren klare gesellschaftspolitische Statements, die einen europäischen Nerv trafen, der über den Pop hinausgeht: Conchitas Toleranzhymne „Rise Like A Phoenix“ (2014) und Jamalas ukrainische Friedensappell „1944“ (2016) über die Deportation der Krimtartaren durch Stalin. Kann schon sein, dass eine kühle Blonde mit dunkler Stimme und einem Lied über die Fehler, die Menschen auf dem Weg zum Glück machen müssen, da auffällt. Ihr eigenes Ziel für Kiew: „Ich will nicht Letzte werden.“ Sie lacht. Es klingt, als würde jemand die 15 untersten Tasten eines Klaviers gleichzeitig drücken.

Von RND/Imre Grimm

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