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Kultur Weltweit Theaterjahr 2018 mit Fontane und Karl Marx
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12:47 04.01.2018
Mit Fischköpfen zu Tisch: Rainald Grebes Berliner Produktion „Fontane 200“. Quelle: Schaubühne Berlin
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Berlin

Es gibt Länder, wo was los ist. Es gibt Länder, wo richtig was los ist und es gibt Brandenburg“. So heißt es in Rainald Grebes legendärer Brandenburg-Hymne. Der Liedermacher wendet sich erneut diesem Bundesland zu und gibt „Einblicke in die Vorbereitungen des Jubiläums des 200. Geburtstags Theodor Fontanes im Jahr 2019“. So lautet der lange Titel der Bühnenarbeit, die am 14. Januar Uraufführung an der Schaubühne Berlin feiert. Es geht um fieberhafte Brainstormings auf einer Reise durch die Mark Brandenburg.

Auf eine theatrale Spurensuche zum runden Geburtstag begibt sich auch die Theatergruppe subbotnik am Kölner Schauspiel. In „Wir sind Affen eines kalten Gottes“ (5. Mai) geht es um Karl Marx, der ein Jahr jünger als Fontane ist. Als Stückankündigung dient eine lange Charakterisierungsliste, da heißt es neben Ökonom und Gesellschaftstheoretiker auch: „die meiste Zeit seines Lebens finanziell abhängig, humorvoll, schwierig und voller Widersprüche, tausendmal totgesagt und unsterblich zugleich“.

“Wir sind Affen eines kalten Gottes“ heißt das Kölner Stück über Karl Marx. Quelle: dpa

Zuletzt drehte sich das Intendantenkarussell in Berlin, 2018 stehen in Stuttgart die größten Veränderungen an: Europas größtes Dreispartenhaus bekommt gleich drei neue Intendanten für Schauspiel, Oper und Ballett.

Komödienexperte Herbert Fritsch findet nach der Volksbühne an der Schaubühne Berlin eine neue Heimat und inszeniert „Null“ nach folgendem Zitat aus Shakespeares „König Lear“: „Du hast deinen Witz von beiden Seiten abgestutzt und nichts in der Mitte gelassen. Nun bist du eine Null ohne Ziffern.“ Eine viel beachtete Premiere am Deutschen Theater Berlin dürfte am 25. Mai „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio werden. Kirill Serebrennikov soll Regie führen. Derzeit steht der russische Regiekritiker jedoch unter Hausarrest in Moskau.

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Intendant Chris Dercon hat für eine Uraufführung an der Berliner Volksbühne den skandalumwitterten österreichischen Schauspieler Helmut Berger („Ludwig II.“) engagiert. Der 73-jährige Berger, der jüngeren Zuschauern durch seine Teilnahme am Dschungelcamp bekannt ist, spielt eine Hauptrolle in dem Stück „Liberté“ des Katalanen Albert Serra.

Aus dem Dschungelcamp auf die Theaterbühne: Helmut Berger. Quelle: dpa

Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg beschäftigt sich im Mai mit der Tragigroteske „Die Reichsgründer oder Das Schmütz“ von Boris Vian. Der ungarische Regisseur Victor Bodo inszeniert den Klassiker des absurden Theaters. Am Thalia Theater Hamburg steht ab dem 17. März Benjamin von Stuckrad-Barres literarische Autobiografie „Panikherz“ auf dem Programm. Auch bei den Salzburger Festspielen ab 20. Juli fällt die Fülle an Romanadaptionen auf: Samuel Finzi ist in einer Bühnenadaption von David Grossmans Roman „Kommt ein Pferd in die Bar“ über einen Komiker mit bewegter Vergangenheit zu sehen. Und Altmeister Frank Castorf dramatisiert Knut Hamsuns Werk „Hunger“ aus dem Jahr 1890.

„Jedermann stirbt“ ist eine moderne Version des Spiels vom Leben und Sterben des reichen Mannes

Doch neben all der Epikverliebtheit gibt es auch eine Reihe an dramatischen Uraufführungen: Das Frankfurter Schauspiel zeigt im Mai das neue Stück von Marius von Mayenburg, in „Das ist keine Übung“ geht es um die um sich greifende Weltuntergangsstimmung dieser Tage. Im Auftrag des Wiener Burgtheaters hat der vielfach preisgekrönte österreichische Dramatiker Ferdinand Schmalz Hugo von Hofmannsthals „Spiel vom Leben und Sterben des reichen Mannes“ für das 21. Jahrhundert neu geschrieben, Uraufführung für „Jedermann stirbt“ ist am 23. Februar. Intendant Matthias Lilienthal hat das innovative Performancekollektiv She She Pop von Berlin aus an die Münchner Kammerspiele gebracht, dort wollen die Künstler über Eigentum sprechen und singen. Premiere für „Oratorium“ ist im April. She She Pop geben an, von Bertolt Brechts Lehrstück-Theorie zu diesem Abend inspiriert worden zu sein – eine ungewöhnliche Referenz für das Kollektiv der freien Szene.

Von Nina May/RND

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