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Kultur Weltweit Das Filmjahr 2018: Mit dem Papst im Kino
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18:40 21.12.2017
Tom Hanks und Meryl Streep in „Die Verlegerin“. Quelle: TWENTIETH CENTURY FOX
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Berlin

Viele alte Bekannte werden wir 2018 im Kino wiedersehen, die wir gar nicht unbedingt vermisst hätten - den sexfixierten Milliardär Christian Grey („Fifty Shades of Grey 3“, 8. Februar), den unkaputtbaren Spezialagenten Ethan Hunt („Mission Impossible 6“, 16. August) oder auch stampfende Urviecher („Jurassic World 2“, 7. Juni). Ebenso werden sich die Universen von „Star Wars“ („Han Solo“, 24. Mai) und des Marvelstudios („Avengers 3: Infinity War“, 26. April) ganz unvermeidlich weiter ausdehnen – allesamt Film, die eher für die Kreativitätskrise des fortsetzungsbesessenen Hollywood stehen.

Es gibt allerdings auch jemanden, der überraschend von der Bildfläche verschwunden ist: Kevin Spacey. Regisseur Ridley Scott hat Spacey kurzerhand aus dem Entführungsthriller „Alles Geld der Welt“ (15. Februar) wieder herausgeschnitten, nachdem Spaceys sexuelle Verfehlungen bekannt geworden waren. Statt seiner hat Scott im Hauruckverfahren den alten Kämpen Christopher Plummer als grantigen Ölmagnaten J. Paul Getty hineinmontiert. Und was soll man sagen? Das hat so gut geklappt, dass Plummer sich für die Golden-Globe-Verleihung am 7. Januar Zeit nehmen sollte - er ist nominiert. Wie es bei den Oscars am 4. März aussieht, ist noch offen. Für die Show dürfte die aber noch wichtigere Frage lauten: Traut sich Oscar-Gastgeber Jimmy Kimmel, Witze über Harvey Weinstein und all die anderen übergriffigen Machtmenschen in Hollywood zu reißen?

Es gibt 2018 auch einen Schauspieler, den wir vermutlich nur noch einmal auf der Leinwand sehen werden: Daniel Day-Lewis hat angekündigt, dass „Der seidene Faden“ (1. Februar) sein letzter Film sein soll. Nach drei Oscars hat der 60-Jährige genug vom Filmrummel. Nicht auszuschließen, dass dem britisch-irischen Ausnahmeschauspieler gerade diese Ankündigung die vierte Trophäe bescheren könnte.

„Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ Quelle: Verleih

Deutsche Kinozuschauer dürfen sich erst einmal auf heiße Oscar-Kandidaten freuen, besonders auf „Three Billboards outside Ebbing, Missouri“ (25. Januar), in dem Frances McDormand mit drastischen Mitteln Gerechtigkeit für ihre ermordete Tochter einfordert, oder Guillermo del Toros Kalte-Kriegs-Märchen „Shape of Water“ (15. Februar) über die Liebe zwischen einer Putzfrau (brillant: Sally Hawkins) und einem Amphibienmenschen vom Amazonas. Aktuelle Bezüge dürfte Steven Spielbergs Zeitungsdrama „Die Verlegerin“ (22. Februar) aufweisen, in dem Meryl Streep als „Washington Post“-Herausgeberin Katharine Graham und Tom Hanks als deren bester Reporter Lügen der US-Regierung über den Vietnamkrieg aufdecken.

Wer weiß, vielleicht spielt Spielbergs Film auch bei der Berlinale eine Rolle, die am 15. Februar eröffnet - und zwar erstmals mit einem Animationsfilm: Regisseur Wes Anderson zeigt „Isle of Dogs“. Filmfans haben auch schon die Festivals in Cannes (Mai) und Venedig (Ende August) fest im Kalender verbucht.

Die ein oder andere überraschende Fortspinnung bekannter Stoffe ist bei all den Déjà-vu-Erlebnissen doch zu erwarten: Eine weibliche Diebesbande um Sandra Bullock (mit dabei: Cate Blanchett, Anne Hathaway) geht in „Ocean‘s Eight“ (21. Juni) auf Beutezug. Alicia Vikander versucht sich als Schatzjägerin in „Tomb Raider“ (15. März).

Und die Deutschen? Wim Wenders bietet ebenfalls die Schwedin Vikander in seiner dramatischen Liebesgeschichte „Grenzenlos“ (2. August) auf. Gleichzeitig hat er eine Doku über den aktuellen Papst Franziskus abgedreht. Der englischsprachige Titel des auf Wunsch des Vatikans entstandenen Films lautet: „Pope Francis: A Man of his Word“.

Manch anderer deutsche Regisseur dreht zwischenzeitlich lieber Fernsehserien, siehe den aktuellen Berlinale-Jury-Präsidenten Tom Tykwer. Andere aber haben das Kino weiterhin fest im Blick: Andreas Dresen widmet sich derzeit dem bewegten Leben des Lausitzer Liedermachers Gerhard Gundermann, der als Stimme des Ostens galt und 1995 als IM Grigori enttarnt wurde. Christian Petzold hat den Exilanten-Roman „Transit“ von Anna Seghers verfilmt, Lars Krause mit „Das schweigende Klassenzimmer“ (1. März) eine Geschichte über mutige Schüler in der DDR. Historische Stoffe stehen im deutschen Kino offenbar auch im kommenden Jahr hoch im Kurs.

Von Stefan Stosch/RND

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