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Kultur Weltweit Catherine Deneuve als alternde Femme fatale
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00:00 08.06.2017
Annäherung ist bei ihnen Millimeterarbeit: Claire (Catherine Frot) und Béatrice (Catherine Deneuve, links). Quelle: Foto: Universum
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Hannover

Claire (Catherine Frot) arbeitet als Hebamme in einem Krankenhaus am Rande von Paris. Mit Leib und Seele hat sie sich ihrem Beruf verschrieben. Jeden Tag ist sie mit dem Wunder des neuen Lebens konfrontiert, holt die Babys mit Erfahrung und Feingefühl in die Welt und dennoch sieht man ihr an, dass auch ein solch erfüllender Job alleine nicht glücklich macht.

Die Freudlosigkeit der Hebamme

Claire führt das geordnete Leben einer alleinerziehenden Mutter, die Beruf und Familie stets unter einen Hut bekommen musste. Die Wohnung in einem schmucklosen Neubaugebiet ist klein und aufgeräumt. Ihr Sohn Simon (Quentin Dolmaire) ist ausgezogen und studiert Medizin. Als er ihr eröffnet, dass er Vater wird, kann sich Claire nicht wirklich freuen. Die gute Nachricht bringt sie aus der Fassung, vielleicht weil sie nicht nur um das Glück, sondern auch um die Anstrengungen weiß, die so ein Kind mit sich bringt, oder weil sie selbst keine Veränderungen in ihrem Leben will.

Auch den Avancen des sympathischen LKW-Fahrers Paul (Olivier Gourmet ), der sich als neuer Nachbar in der Kleingartenkolonie um sie bemüht, begegnet sie mit distanzierter Ruppigkeit, weil sie nicht sehen kann, wie solch ein Mann in ihr eingetaktetes Leben passen sollte. Aber dann kommt Béatrice (Catherine Deneuve) und vor dieser Frau gibt es kein Entrinnen. Dreißig Jahre hat die Ex-Geliebte ihres Vaters nichts von sich hören lassen. Dass der Vater, nachdem Béatrice ihn verlassen hat, sich das Leben genommen hat, macht die Sache nicht leichter. Trotzdem lässt sich Claire auf ein Treffen mit der exzentrischen Dame ein.

Deneuve als wunderbar selbstsüchtiges Weibsstück

Spätestens seit ihrem Auftritt in „Dancer in the Dark“ weiß man, dass Catherine Deneuve dem Alter mit schauspielerischer Furchtlosigkeit ins Auge blickt. Aber hier setzt sie noch einmal eins drauf. Ihre Béatrice ist ein wunderbar selbstsüchtiges Weibsstück, raucht, trinkt und verspielt ihr Geld in illegalen Pokerrunden. Mit Claires Vorwürfen hält sie sich nicht lange auf, schließlich habe sie einen Hirntumor und keinen Menschen auf der Welt außer ihr. Und so beginnt ein allmählicher Annäherungsprozess der beiden Frauen, die nichts zu verbinden scheint außer einem Stück unglücklicher Vergangenheit.

Mit den beiden Catherines ist Regisseur Martin Provost ein generationsübergreifender Besetzungscoup gelungen: Deneuve, die unangefochtene Grande Dame des französischen Kinos, und Frot, die in zu den beliebtesten Schauspielerinnen des Landes gehört. Am Anfang wirkt das konfrontative Setting noch ein wenig gewollt, aber wenn die beiden Hauptdarstellerinnen sich erst einmal eingespielt haben, gewinnt die Angelegenheit gleichermaßen an Komik und Tiefe. Provost zeichnet die Annäherung der beiden konträren Charaktere nicht als pompöse Beziehungskatharsis, sondern belässt es bei den kleinen Veränderungen, die in Claires Leben durch diesen mondänen Geist aus der Vergangenheit ausgelöst werden.

Ein Film bar der Beliebigkeit vieler französischer Komödien

Entgegen seines pseudopoetischen deutschen Verleihtitels ist „Ein Kuss von Béatrice“ kein weich gezeichneter Freundinnen-Film, sondern fest in der gesellschaftlichen Realität derer verankert, die in ihrem Leben gerade so über die Runden kommen. Das holt den Film heraus aus jener sozialen Beliebigkeit, in der sich zur Zeit viel zu viele französische Komödien eingerichtet haben.

Von Martin Schwickert / RND

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