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Kultur Weltweit Rapper BRKN über Herbert Grönemeyer, Doppelherz und Hüftschwung
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07:48 07.11.2018
Zwei Musiker, ein „Doppelherz“. BRKN (links) und Herbert Grönemeyer bei der „Unteilbar“-Demonstration in Berlin. Quelle: imago stock&people
Berlin

Es war die Überraschung: Herbert Grönemeyer singt plötzlich auf Türkisch – und der Song „Doppelherz / Iki Gönlüm“ ist sein Einsatz für kulturelle Vielfalt. Mit an seiner Seite: Der Kreuzberger BRKN, gebürtig Andac Berkan Akbiyik. Wir haben mit dem Berliner über seine Zusammenarbeit mit Herbert Grönemeyer, Rassismus und die Dummheit junger Menschen gesprochen.

Sie singen mit Herbert Grönemeyer zusammen den Song „Doppelherz / Iki Gönlüm“. Darin geht es um das Gefühl, mehr als eine Heimat zu haben. Wo ist Ihre zweite Heimat?

Heimat ist für mich weniger ein Ort, mehr ein Gefühl der Geborgenheit. Deswegen gibt es viele Heimaten für mich. Natürlich Berlin, da bin ich aufgewachsen. Meine zweite Heimat in der Türkei sind die Häuser meiner beiden Großväter.

Wie sicher fühlen Sie sich in Deutschland derzeit– nach der Aussage von Innenminister Horst Seehofer, die Migration sei die Mutter aller Probleme?

Wenn ein Politiker Mist redet und sagt, dass irgendjemand nicht zur Gesellschaft gehört, dann hat das nichts mit meiner Realität zu tun. Ich gehöre dazu. Ich weiß das. Jeder Ausländer hat schon einmal Rassismus erfahren. Die Frage ist, wie viel Aufmerksamkeit man dem schenken will.

Wie bleiben Sie in diesem Bedrohungsumfeld so gelassen?

Ich lasse mich nicht vom Kurs abbringen. Es passieren immer noch ekelige Dinge, weil irgendjemand nicht blond und weiß genug ist. Da gibt es noch viel zu tun. Aber ich bin in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Vielleicht war es dort einfacher, weil alles bunt gemischt war: Türken, Araber, Russen. Berlin ist eine Blase. Trotzdem: Rassismus ist dort auch an mir und meinen Freunden nicht vorbeigegangen

Sie haben einmal gesagt, dass Sie in Songs nicht über Herkunft singen möchten. Wollen Sie sich heute stärker positionieren?

Ich finde, es ist wichtig als Person der Öffentlichkeit Verantwortung zu übernehmen. Aber das muss nicht über Musik stattfinden. Der Song mit Herbert ist an sich nicht superpolitisch. Das war mir wichtig. Es geht auch um Urlaub und Tapetenwechsel.

Wie kann sich ein Musiker politisch positionieren, wenn er die Themen nicht in seinen Songs verarbeitet?

Ganz simpel. Man kann auf einer Demo auftreten. Oder über Social Media. Die Kanäle sind sonst vollgestopft mit unfassbar belanglosen Dingen.

Der Song ist ein Plädoyer für kulturelle Vielfalt. Welchen Beitrag kann Grönemeyer als prominenter deutscher Musiker zur Integration leisten?

Jemand wie Herbert Grönemeyer kann zum Dialog anregen. Es gibt viele Leute, die ein falsches Bild von Ausländern haben. Hier braucht es mehr Kontakt zwischen den Menschen.

Herbert Grönemeyer und Sie sind bei der Unteilbar-Demo, bei der 240 000 Menschen in Berlin für Zusammenhalt in der Gesellschaft demonstrierten, aufgetreten. Dort haben Sie den Song das erste Mal live gespielt. Wie war das?

Ich hatte immer das Gefühl, dass die Rechten so viel gehört werden, weil sie ständig demonstrieren. „Aber warum demonstrieren die anderen nicht, die nicht rechts und rassistisch sind?“, habe ich immer gedacht. Vielleicht ist es für sie so selbstverständlich, nicht rassistisch zu sein. Bei der Unteilbar-Demo war das anders. Deswegen war es cool, dass da so viele für Zusammenhalt und gegen Rassismus eingetreten sind. Beim Song war alles Friede-Freude-Eierkuchen.

In Ihrem Song „Glück“ haben Sie vor ein paar Jahren davon gesungen, dass Ihre Generation dumm und taktlos sei. Ist das heute auch noch so?

Ich finde nicht, dass eine Demo wie die Unteilbar-Demo oder das Hashtag #wirsindmehr eine ganze Generation gleich verändert. Generell gibt es bei uns Mittzwanzigern sehr viel Ablenkung durch Konsum, viel verdrängen, feiern und wenig nachdenken. Aber vielleicht war das bei anderen genauso. Vielleicht sind Mittzwanziger einfach dumm und taktlos. Ich muss aber bei mir anfangen: Zum Thema Deniz Yücel zum Beispiel weiß ich nicht wirklich viel. Aber ich sollte etwas darüber wissen. Jeder sollte ein bisschen über politische Bildung verfügen.

Wie ist der Song „Doppelherz / Iki Gönlüm“ entstanden?

Wir haben uns zweimal getroffen wegen des Songs. In der letzten Session haben wir alles aufgenommen. Das ging auf jeden Fall sehr schnell, aber ich musste ja auch nur meine paar Zeilen rappen. Herbert ist für das Projekt auf mich zugekommen. Eine Riesenehre. Das ist ja wie ein Ritterschlag. Herbert ist seit Jahrzehnten erfolgreich, und er macht, was er will. Das würde ich mir natürlich gern abschauen. Aber abgesehen davon ist er einfach ein unfassbar netter und höflicher Typ. Das ist für eine Gesellschaft wichtig.

Wie gut ist sein Türkisch?

Erstaunlich gut. Natürlich merkt jemand, der Türkisch fließend spricht, dass nicht alles hundertprozentig akkurat ausgesprochen ist. Trotzdem ist das beeindruckend.

Ich habe gehört, dass Sie Herbert Grönemeyer nicht nur die türkische Aussprache, sondern auch den Hüftschwung beigebracht haben. Stimmt das?

(Lacht) Ja, das habe ich auch schon gehört. Nee, auf den Hüftschwung hatte ich keinerlei Einfluss. Der ist hundertprozentig Herbert.

Zur Person: Der Künstlername BRKN steht für Andac Berkan Akbiyik, Jahrgang 1991. BRKN lernt in der Grundschule Klavier, später Saxofon, überspringt eine Klasse, studiert erst einmal Architektur, um dann später doch Musiker und Rapper zu werden. 2016 kommt seine erste Platte „Kauft meine Liebe“ heraus – Thema: die Ängste seiner Generation, Oberflächlichkeit und das Streben nach Ruhm. Gerade arbeitet der Berliner an einem neuen Album, im November tourt er quer durch Deutschland.

Von Geraldine Oetken / RND

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