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10:00 08.12.2018
„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, das gilt auch für die Freundschaft mit sich selbst. Quelle: RND/Shutterstock
Berlin

Großzügig zu sein beim Schenken: eine gute Idee. Auch gegenüber sich selbst. „Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, das gilt auch für die Freundschaft mit sich selbst: vor allem sich Achtsamkeit zu schenken, nicht achtlos vorbeizugehen an den eigenen Wünschen und Bedürfnissen, dem hochkommenden Ärger, den Ängsten und Befürchtungen.

Geschenke sind eine Möglichkeit, Seelenarbeit zu leisten, als die das Schenken interpretiert werden kann, und damit ist nicht primär die Arbeit an anderen Seelen gemeint, sondern an der eigenen – die letztlich wiederum die Seelenarbeit an anderen erst ermöglicht.

Die Kunst des Schenkens ist eine von vielen Künsten, die das Leben schöner und reicher machen. Ein Geschenk für sich selbst ist es, „gnädig“ mit sich zu sein, soll heißen, sich zwar viel, aber nicht zu viel abzuverlangen. Zuweilen sogar sich zu loben für ein Tun oder Lassen, das kritischen Fragen standhält. Und umso mehr sich zu loben, als andere dies vernachlässigen. Nicht nur fordernd und herausfordernd, sondern auch zart und zärtlich mit sich umzugehen. Nicht nur sich anzustrengen und zu mühen, sondern die Früchte der Anstrengung auch selbst zu genießen.

Sich selbst Aufmerksamkeit schenken

Die Geschenke können ein Ausdruck der Dankbarkeit und Anerkennung sein, sie können auch, wie die Geschenke für andere, aus reiner Sympathie resultieren, in diesem Fall für das eigene Selbst. Daher liegt Jahr für Jahr ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum, das ich mir selbst mache.

Kein Verlegenheitsgeschenk, sondern eines, das ich Wochen vorher sorgfältig für mich aussuche. Ich schreibe mir auch ein paar Zeilen dazu, die Familie amüsiert sich köstlich darüber, aber ich meine es ernst: „Weil du dieses Jahr gut gearbeitet hast – du sollst sehen, dass es einen gibt, der das zu schätzen weiß!“ Oder so ähnlich.

Das eigentliche Geschenk aber ist, wie für andere, auch für das Selbst ein ideelles: nämlich eine förderliche Atmosphäre für sich zu schaffen und sich Aufmerksamkeit zu schenken. Die Voraussetzung dafür ist nur, herauszufinden und auszuprobieren, „was mir guttut“, um es genauer kennenzulernen und gezielter gewähren zu können. Zuweilen schenke ich mir, auch wenn gerade nicht Weihnachten ist, einen Morgen, einen Abend, einen halben Tag (zum Geburtstag einen ganzen) ohne Verpflichtung, ohne Erreichbarkeit, ohne drängende Arbeit, um nur für mich selbst da zu sein.

Es bedarf der Fähigkeit zur asketischen Verzögerung

Ideell bleibt das Geschenk auch dann, wenn es materiell ist: ein Abend im Kino, eine CD mit der geliebten Musik, ein lange ins Auge gefasstes Buch, eine Einladung zum Essen nur für mich allein, um mir auf diese Weise Wertschätzung zuteilwerden zu lassen. Was für Geschenke für andere gilt, trifft jedoch auch für Selbstgeschenke zu: nicht zu viel, nicht zu häufig, nicht beliebig und nicht jederzeit, vielmehr wählerisch und gezielt, damit die Wirkung erhalten bleibt und nicht durch zu häufigen und unmäßigen Gebrauch abgenutzt wird.

Das kann bedeuten, die Erfüllung eines Wunsches, den ich hege, hinauszuzögern, um nicht zu riskieren, dass das Geschenk an Wert verliert, nur weil dem Wunsch die Erfüllung schon auf dem Fuß folgt. Um sich im richtigen Maß beschenken zu können, bedarf es daher auch einer Fähigkeit zur asketischen Verzögerung.

Die Geschenke des Selbst für sich sind außerdem nicht nur dazu da, Gutes zu erfahren, sondern auch dazu, problematischen Erfahrungen gegenzusteuern und vorsätzlich etwas Positives zu suchen, wenn etwas Negatives zu sehr bedrückt. Mit der Suche danach, „was mir guttut“, lassen sich die Ressourcen ausfindig machen und freilegen, die es ermöglichen, innere Zerrissenheiten zu überbrücken und äußere Herausforderungen zu bestehen.

Körperliche, seelische und geistige Fürsorge

Auch ein Geschenk für sich selbst beflügelt, denn es ist mit einer Ausschüttung von Endorphinen, Dopamin, Serotonin, Noradrenalin verbunden, körpereigenen Stoffen, die das Wohlbefinden stärken und das Denken stimulieren. Philosophisch betrachtet geht es jedoch vor allem darum, die Fürsorge für sich selbst wahrzunehmen, körperlich, seelisch und geistig.

Die körperliche Fürsorge ist wichtig, denn der Körper bedarf der Aufmerksamkeit und Zuwendung, um aufzuleben. Er verzeiht es nicht, wenn er negiert wird. Ihm keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken hat zur Folge, dass er welkt und stirbt wie eine vernachlässigte Pflanze. Also achte ich darauf, wonach mein Körper verlangt, und überlege mir, ob und wie ich ihm diesen Gefallen tun kann.

Rituale zur Entlastung des Geistes

Auch mit der seelischen Fürsorge tut ein Mensch sich gut. Die Achtsamkeit gilt daher auch der Seele: Ich frage mich, ob sie Entspannung braucht, sich Ruhe gönnen oder an der frischen Luft bewegen will. Traditionell werden der Seele Gefühle zugeschrieben, in denen sie zur Entfaltung kommt. Gefühle sind ihr Lebenselixier. Sie zu entwickeln geschieht in Beziehungen der Liebe und Freundschaft, aber auch mit Gefühlen für sich selbst.

Die geistige Fürsorge gilt den Gedanken, mit denen ein Mensch sich guttun kann, seien es eigene oder solche, die er im Gespräch mit anderen oder aus Büchern aufnimmt. Um der Entlastung des Geistes willen lassen sich Gewohnheiten und Rituale pflegen, die guttun, da sie keiner Anstrengung bedürfen. Eine solche Entlastung ist das perfekte Geschenk für schöne Stunden, insbesondere am Sonntag und an hohen Feiertagen.

Wilhelm Schmid Quelle: privat

Zur Person: Wilhelm Schmid lebt als freier Philosoph in Berlin. Von ihm stammt das kleine Buch „Vom Schenken und Beschenktwerden“. Ein Bestseller wurde sein Buch „Gelassenheit“ (beide Insel).

Von Wilhelm Schmid

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