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Kultur Weltweit „Aras“ – Kommt der Hip-Hop-Song des Sommers aus Hannover?
Nachrichten Kultur Kultur Weltweit „Aras“ – Kommt der Hip-Hop-Song des Sommers aus Hannover?
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22:28 08.04.2019
Nicht mehr "Ayzee" sondern für alle wieder Aras. Mit der Namensänderung auch ein neues Tape: "Aras – Alle reden aber schlafen". Quelle: Pascal Borell du Vernay (@fotografensohn)
Hannover

Viele echte Größen der Branche haben es schon getan: P. Diddy war mal Puff Diddy mal Diddy, Snoop Lion war erst Snoop Doggy Dog dann nur noch Snoop Dogg. Man könnte die Liste ins unendliche führen, Cat Stevens wird zu Yusuf Islam, oder Gaga zu Lady Gaga – eines haben Genannte gemein: Ihrem Erfolg hat ein neuer Name nie geschadet. Viele Jahre war Aras als „Ayzee“ unterwegs. Mal auf Englisch, mal auf Deutsch. „Viel geredet, wenig gemacht. Pläne geschmiedet, Pläne verworfen“, das sagt Aras Zamani über seine Zeit als „Ayzee“. Davon wollte er sich losmachen und wird mit seinem neuen Release wieder zu dem, was er für seinen innersten Kreis schon immer war: Aras. Zurück zur eigenen Identität – auch als Künstler.

Kein Wunder also, dass auch sein neues Mixtape einfach nur so heißt, was es eben ist: „Aras“. „Ayzee“ – immer von allem ein Bisschen – ist Geschichte. „Die letzten kreativen Phasen in den vergangenen Jahren waren auch immer mit langen Pausen verbunden – Vorhaben sind eingeschlafen“, sagt Aras. Mit dem Untertitel zu seinem Tape „Aras – Alle reden aber schlafen“ kritisiert er damit auch sich selbst. Aber schon das „Intro“ seines neuen Tapes zieht einen deutlichen Strich unter sein altes Ego, „Ich bin wieder da und dieses Mal bleibe ich auch.“ Ein Versprechen.

„V-Neck“ – der Track zum Sommer

Schon seit Jahren macht Aras Musik – teilt mit anderen beinah unbekannten Künstlern die Leidenschaft zur Sache selbst – „sonst kommt man nicht immer wieder wie von selbst darauf zurück, so viel Zeit und Energie in seine Projekte zu stecken“, sagt Aras. Dass es eben weder Geld noch Fame sind, die ihn antreiben, macht er in „V-Neck“ – dem für den Sommer vielleicht vielversprechendsten Track des Albums – deutlich: „Ich will weder die Knete, noch werd ich ein Star, aber packe meine Seele in jeden dieser Parts.“ Mit Fede als Featuregast für den Track ist der Oldschool-Beat mit seinen positiven Vibes und den punktgenauen Versen der beiden Rapper wie ein guter Start in den Sommertag oder ins sonnige Wochenende.

„Kool Aid“ überrascht – zumindest mit der gut umgesetzten Idee, ein Gran Piano – mit seinem typischen tief krachenden Klang – die Bassline spielen zu lassen. Und auch ein bekannter Rapper wurde im Refrain verewigt. Aras greift in dem Song aktuelle Sound-Trends auf, ohne eine Kopie zu sein.

„Lisas Interlude“ – aus der Sicht einer Frau

Ungewöhnlich für einen männlichen Rapper ist Aras‘ Perspektive in „Lisas Interlude“. Der 28-jährige Hannoveraner schaut durch die Augen einer Frau, trägt die Gedanken von Lisa vor. Einem jungen Mädchen, die an den falschen Freund geraten ist, Fehler gemacht hat, schwanger geworden ist und hofft, dass „ihr Sohn nicht so wird wie sein Vater“. Wer hinter Lisa steckt, das lässt Aras offen – auch auf Nachfrage. Erlebtes einer Freundin, einer Schwester? Oder ist er selbst gar derjenige, dessen Sohn niemals so werden soll wie er selbst? Ein Teil der Antwort steckt in seinem nächsten Tape – das bereits im Juli erscheinen wird. Aras verspricht darin einen Perspektivwechsel – „vielleicht die Antwort an Lisa?“.

Das Tape-Cover zu „Aras – Alle reden aber schlafen“

Dass Aras aber auch aufräumen, sich klar abgrenzen will vom ausschließlich sozial-medialem Ruhm bei Facebook und Instagram – die auch ihm als jungen Künstler eigentlich eine deutliche Hilfe sein könnten – das macht er auf seinem Tape nicht nur einmal klar. In „iPhone X“, produziert von „noshame“, schlägt Aras verbal förmlich um sich: „Ihr seid gehypter Shit, wie das iPhone X“ fängt er an und bezieht sich damit auf die immer wieder aufkommenden Hypes um Künstler, die nach wenigen Jahren schon wieder gänzlich unbekannt sind: „100.000 Follower aber nicht mal 10 vor der Bühne, von denen du Beifall kriegst“. Für Aras sind Instagram und Co. eine Scheinwelt – hat er doch schon oft genug ganz real hunderte Fans bei seinen Live-Acts mitgehen lassen.

„Quadrat“ – das Älterwerden öffnet die Augen

Die Social-Media-Scheinwelt kennt er auch aus seinem privaten Umfeld. So aggressiv wie ihn soziale Medien in „iPhone X“ machen, so melancholisch wird er, wenn sie auch seine Freunde verschlingen. In „Quadrat“, produziert von „Jack Wire“, rappt Aras darüber, dass sich alles ändert, dass einem das Älterwerden auch die Augen öffnet: „Sehen uns weniger im Leben als in Quadraten, denken lieber in 60 Sekunden, in den nächtlichen Stunden, statt zu hängen mit den Kumpels, doch vielleicht liegt es an mir“.

Es geht auch anders. „Aras“ ist ein Tape was den Anfang einer neuen Reise symbolisieren soll. Ayzee ist jetzt Aras – und das bringt nicht nur den Wechsel vom Englischen auf das Deutsche mit sich, sondern auch eine Wechsel in der Einstellung des Künstler. Im Juli soll es eben bereits mit dem nächsten Release weitergehen. Es zeigen sich also bereits jetzt die ersten Unterschiede zu den vergangen Jahren.

Eine Studiosession von Aras zum Entstehungsprozess von „Quadrat“

Von Fabian Wenck/RND

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