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Kultur Weltweit Banksy schreddert eigenes Bild nach einer Auktion
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11:20 08.10.2018
Das Banksy-Kunstwerk „Girl with Balloon“ zerstörte sich nach Versteigerung selbst. Quelle: Twitter/Screenshot/@DanFleyshman
London

Banksy hat ein doppeltes Glaubwürdigkeitsproblem: Er ist ein Streetart-Künstler, um dessen Werke sich die traditionellen Museen reißen. Er ist ein Konsumkritiker, dessen Werke inzwischen zu Millionenpreisen versteigert und als Druck auf Tassen und Kissenbezügen zur Massenware werden. Diesen Widerspruch hat Banksy nun selbst in einer Kunstaktion verarbeitet und dafür eine originelle Methode gewählt: Er hat sein gerade für 1,04 Millionen Pfund (rund 1,18 Millionen Euro) versteigertes Werk „Girl with Balloon“ in aller Öffentlichkeit schreddern lassen.

Bei einer Auktion von Sotheby’s in London hatte ein Telefonbieter am Freitag den Zuschlag erhalten. Doch als der Hammer des Auktionators fiel, erklang ein Piepsgeräusch und das Bild setzte sich in Bewegung. Durch den überdimensionierten Bilderrahmen hindurch kam das Kunstwerk in kleinen Streifen unten wieder heraus. Es hat sich selbst geschreddert. Die Anwesenden konnten ihren Augen kaum trauen: 1,04 Millionen Pfund – für einen geschredderten Banksy? Im Ausstellungskatalog hieß es, dass das Bild im „Rahmen des Künstlers“ verkauft werde – in dem sich offenbar ein Schredder befand. Die rätselhafte Aktion ist typisch für den Künstler aus Bristol, der um seine Identität ein Geheimnis macht und als bekanntestes Phantom der internationalen Streetart-Szene gilt.

Wer per Telefon geboten hatte, ist bislang ebenso wenig bekannt wie dessen Reaktion auf die ungewöhnliche Aktion. Ob der Käufer zahlen muss, darüber werden aktuell noch Gespräche geführt, sagte Alex Branczik, Direktor der Abteilung für zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s in London, gegenüber dem Branchenmagazin „The Art Newspaper“. Branczik selbst sah das Schreddern als einen „integralen Bestandteil des Kunstwerks“. Man könne sagen, das Werk sei jetzt wertvoller als vorher.

So sieht es auch Banksy selbst, der sich bei Instagram zu der Zerstörung seines Werks bekannte. In einem Video ist zu sehen, wie ein Mann mit Kapuze – ein Markenzeichen Banksys – den Schredder in den Rahmen einbaut. Er habe das vor Jahren getan für den Fall, dass das Bild jemals versteigert werden würde, heißt es. Der Künstler teilte ein Bild der Auktion und kommentierte es mit den Worten: „Going, going, gone“. Das heißt einerseits „zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten“, ist aber auch ein Wortspiel, denn gone heißt auch einfach verschwunden. Dazu stellte Banksy ein angebliches Picasso-Zitat: „Der Drang zu zerstören, ist auch ein kreativer Drang.“ Ob Sotheby’s eingeweiht war und ob der Künstler selbst den Auslöser für den Schredder drückte, ist unklar. Unter den Gästen der Auktion machten angeblich Gerüchte über einen mysteriösen Mann mit Sonnenbrille und Hut die Runde, der kurz nach dem Vorfall in eine Rangelei mit Sicherheitskräften verwickelt gewesen sein soll.

Spektakuläre Banksy-Aktionen

Banksys Kunst-Präsentationen gleichen Happenings, in Los Angeles wartete er 2006 mit einem bemalten Elefanten auf, zu den Gästen zählten Brad Pitt und Angelina Jolie.

Der Street-Art-Anarchist kreierte mit „Dismaland“ 2015 in Südengland einen Anti-Vergnügungspark.

In der Nähe von Bethlehem eröffnete Banksy 2017 ein Hotel an der Grenzmauer. Das Hotel wirbt mit der „schlimmsten Aussicht der Welt“ – eben auf den Grenzzaun.

In Museen platzierte Banksy wiederholt heimlich Werke von sich; die Berliner Ausstellung „The Art of Banksy“ zeigte 2017 ein Video von einem vermeintlich alten Mann, der in der Londoner National Gallery in einem Raum mit impressionistischen Gemälden ein Landschaftsaquarell an die Wand klebt. Erst auf den zweiten Blick fällt das Absperrband auf, das die porträtierte Szene dann zum Tatort macht.

Das Motiv „Girl with Balloon“ erschien 2002 zuerst als Wandgemälde in London, fünf Jahre später erzielte eine Kopie noch umgerechnet 42 000 Euro und damit nur einen Bruchteil des aktuellen Aktionswerts. An der Steigerung lässt sich die wachsende Bedeutung des Streetartstars für den Kunstmarkt ablesen. Laut einer Samsung-Umfrage aus dem Jahr 2017 handelt es sich um das beliebteste Kunstwerk aus Großbritannien. Bei den Wahlen im selben Jahr sorgte Banksy für eine Kontroverse, weil er einen Druck des Motivs den Wählern anbot, die gegen die Torys abstimmten. Der Künstler zog das Angebot später zurück.

Das Motiv eines Mädchens, dem ein herzförmiger Ballon aus der Hand geweht wird, steht für den Verlust von Hoffnung, aber gleichzeitig auch für den Versuch des Festhaltens daran. Mit dem Motiv unterstützte Banksy 2014 eine Kampagne für syrische Flüchtlinge. Der subversive Umgang mit dem traditionellen Kunstbetrieb und dem Kunstmarkt ist ein wesentlicher Bestandteil von Banksys Kunst.

Auf einem seiner berühmten Schablonen-Graffiti illustriert er zudem das Geschäft mit der Konsumkritik: Punks stehen Schlange an einem Stand, um für horrende 30 Pfund ein T-Shirt mit der Aufschrift „Destroy capitalism“ zu erstehen. Im Kampf gegen den Kapitalismus hat Banksy nun erstmal eins seiner eigenen Werke zerstört.

+++ Street Art: Von der Straße in den Instagram Feed

+++ Ein Besuch im Dismaland

+++ Banksy eröffnet Hotel in Bethlehem

Von Nina May und fw/RND

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