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Selfies auf Gleisen, Kirchtürmen oder nackt: Die Polizei warnt

Riskante Fotos Selfies auf Gleisen, Kirchtürmen oder nackt: Die Polizei warnt

Selfies sind vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Auf der Suche nach ausgefallenen Hintergrundmotiven bringt sich Mancher leichtfertig in Gefahr. Die Kriminalisten warnen auch vor einem anderen Trend: dem sogenannten Sexting.

Ein Paar macht auf den Gleisen ein «Selfie» mit einer Sofortbildkamera.

Quelle: dpa

Dresden. Gefährliches Fotoshooting auf Bahngleisen: Für Selfies bringen sich Menschen immer wieder in Gefahr. Um andere zu beeindrucken, riskieren sie Leib und Leben, wie eine Umfrage bei der Polizei ergab. Die Gefahr werde oft unterschätzt, heißt es. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen sind laut Landeskriminalamt Selfies beliebt. Die Kriminalisten warnen auch vor einem anderen Trend: dem sogenannten Sexting. Damit ist das Versenden eigener Nacktaufnahmen im Internet gemeint. Studien zufolge posten laut LKA etwa 67 Prozent der Mädchen im Alter von 13 Jahren Bilder verschiedener Art von sich selbst, bei den Jungen sei es etwa jeder zweite.

Am Karfreitag wollten drei junge Männer in Kamenz (Kreis Bautzen) ganz besondere Schnappschüsse machen. Für ihre Selfies kletterten die 24- und 25-Jährigen erst über den Baustellen-Zaun und dann auf das Gerüst einer Kirche. Anwohner beobachteten die Aktion und alarmierten die Ordnungshüter. Die Selfie-Fans müssen sich nun wegen Hausfriedensbruchs verantworten.

Ein junger Mann kam Ende April in Leipzig auf die Idee, schicke Selfies von sich auf einem Baukran zu machen. Auch in diesem Fall bemerkten Anwohner, wie der 20-Jährigen hochkletterte, und riefen die Polizei. Die Beamten ertappten den 20-Jährigen in der Kanzel des Krans bei dem gefährlichen Fotoshooting. Auch er kassierte eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Die Dunkelziffer ist hoch

Vor allem Bahngleise sind als Selfie-Hintergrund immer wieder beliebt. „Bahngleise laufen immer parallel - wie ein Paar, das sich niemals trennt“, sagt Kirstin Stiefel von der Bundespolizei in Pirna. Hinzu komme die romantische Symbolik - Fernweh, Lebensweg. Deswegen wählten Teenager Bahnschienen oft als Hintergrundmotiv. Das sei jedoch gefährlich. „Selbst bei Windstille hört man die modernen Züge zu spät“, warnt Stiefel.

Eine Selfie-Aktion Jugendlicher hatte im März vergangenen Jahres einen Lokführer der Weißeritztalbahn bei Freital (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) zu einer Notbremsung gezwungen. Die Gruppe stand an der Haltestelle Coßmannsdorf auf den Gleisen und machte offensichtlich Selfies mit dem einfahrenden Zug als Hintergrund. Als der Lokführer die Gruppe nach dem Stopp zur Rede stellte, bekam er einen Schlag ins Gesicht. Der 52-Jährige wurde leicht verletzt, die Täter flüchteten.

Zwar sei es in jüngerer Zeit kaum zu Vorfällen gekommen, es werde aber von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen, sagte Stiefel. Die Polizei erfahre davon bisweilen erst bei Recherchen im Internet oder etwa an den Schulen, wenn Schüler davon berichteten.

Unachtsamkeit schafft Gefahren

Im Juli 2016 mussten zwei Männer, die im Bahnhof Freiberg auf den Gleisen Selfies gemacht hatten, noch nach der Tat dafür ein Verwarngeld berappen. Sie hatten die Aufnahmen ins Internet gestellt. Den Beamten gelang es, den Inhaber des Accounts zu ermitteln.

Bei den Verkehrsbetrieben in Dresden sind aktuell zwar keine Selfie-Vorfälle bekannt. „Durch die intensive Smartphone-Nutzung und die damit einhergehende Unaufmerksamkeit kommt es aber leider immer wieder zu Gefahrensituationen“, sagte eine Sprecherin. Herannahende Bahnen oder Busse würden dadurch oft zu spät oder überhaupt nicht wahrgenommen.

Vor Selfies anderer Art - Nacktaufnahmen, die Jugendliche ins Internet stellen - warnte das Landeskriminalamt. „Der Trend, Selbstporträts zu veröffentlichen, ist nach wie vor hoch. Das betrifft auch eigene Nacktfotos, das Sexting“, sagte LKA-Sprecher Tom Bernhardt. Eine Zahl aktenkundig gewordener Fälle kann er nicht nennen. Das Sexting komme zumeist zusammen mit Delikten wie Stalking oder auch Erpressung vor.

Von Ralf Hübner, dpa

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