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Spuk unterm Riesenrad – Hochzeit erst verboten, dann doch erlaub

Behördenstreit Spuk unterm Riesenrad – Hochzeit erst verboten, dann doch erlaub

Ungewöhnliche Trauorte sind ihm keineswegs fremd: Ob im Zirkuszelt oder im Autoscooter – Torsten Heinrich (55) hat schon einige Paare an Plätzen getraut, wo man es nicht gleich vermutet. Nun wollte er selbst in einem Riesenrad heiraten – und löste einen Ämterstreit aus.

Die Pfarrersleute Torsten Heinrich und Kerstin Krause gaben sich in Wittenberg auf dem Riesenrad das Ja-Wort.

Quelle: Thomas Ruttke

Wittenberg. Ungewöhnliche Trauorte sind ihm keineswegs fremd: Ob im Zirkuszelt oder im Autoscooter – Torsten Heinrich (55) hat schon einige Paare an Plätzen getraut, wo man es nicht gleich vermutet. Der ehemalige Jugendpfarrer leitet seit zweieinhalb Jahren die Circus- und Schaustellerseelsorge der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), wozu hin und wieder auch eine Trauung gehört. Gestern begab sich der in Groitzsch bei Leipzig geborene Gottesmann selbst in den Hafen der Ehe. Da sein gelegentlicher Arbeitsort noch bis September das Riesenrad in Wittenberg ist, bot es sich an, in luftiger Höhe seiner Liebe – der Pfarrerin Kerstin Krause (55) – das Ja-Wort zu geben. Doch was so einfach gedacht, sollte sich als überaus schwere Geburt gestalten.

Das rote Riesenrad inmitten Wittenbergs hat die Schaustellerfamilie Sperlich aus Zahna-Elster (Landkreis Wittenberg) zur Verfügung gestellt. Es ist Teil der Weltausstellung im Reformationsjahr. Besucher können hier – zwischen Himmel und Erde – das seelsorgerische Gespräch suchen und nebenbei aus 30 Metern Höhe einen fantastischen Blick auf die Lutherstadt genießen.

In einer Mail trug das Paar seinen Wunsch an Wittenbergs Stadtoberhaupt Torsten Zugehör heran. Der war von dem Ansinnen so sehr begeistert, dass er sofort zustimmte. „Die Trauung in der Gondel“, so heißt es aus der Pressestelle, „lässt er sich keineswegs entgehen. Er nimmt sie sogar selber vor.“ Möglich ist das, weil Zugehör vor etwas mehr als zwei Jahren, als er ins höchste Amt der Stadt gewählt wurde, auch gleich einen Lehrgang zum Standesbeamten absolvierte.

Doch dem Braupaar kamen Landkreis und Landesverwaltungsamt in die Quere, die die Trauung untersagten. Von Amts wegen darf die Eheschließung in luftiger Höhe nicht gestattet werden. Konkret teilte man mit: „Eine Eheschließung in einem Riesenrad entspricht nicht dem im Personenstandsgesetz geforderten würdigen Rahmen.“

Wittenbergs Oberbürgermeister ließ seinem Ärger über das Verbot freien Lauf: Das sei keine Kirmes mit Ballermann-Hits. Im und unterm Riesenrad würde verdienstvolle seelsorgerische Arbeit geleistet. „Die Kirche will modern sein und sich öffnen, das wollen wir unterstützen“, sagte er.

Die Stadt legte am Mittwoch gegen das Verbot Widerspruch am Verwaltungsgericht ein. Obwohl bis gestern Mittag noch kein Urteil zu hören war, zeigten sich Torsten Heinrich und Kerstin Krause dennoch zuversichtlich: „Wir gehen fest davon aus, dass wir heute im Riesenrad heiraten werden“, sagte Pfarrer Heinrich, der seit zweieinhalb Jahren in Hofheim bei Frankfurt/Main lebt, mit leichtem sächsischen Akzent.

Tatsächlich gab es am Nachmittag dann grünes Licht. „Landkreis und Stadt einigen sich einvernehmlich“, sagte Stadtsprecherin Karina Austermann. Der Landkreis stimme der Trauung in der Gondel zu, wenn das Paar die Eheurkunde im Rathaus unterzeichnet.

So kam es: 17 Uhr kletterten Torsten Heinrich und seine Kerstin in Gondel 18 (von 20) und ließen sich von OB Zugehör hoch über der Stadt trauen. Flitterwochen soll es auch geben. Wohin die Reise geht, darüber schwieg sich der frisch vermählte Schaustellerseelsorger nach all dem Spuk unterm Riesenrad aber aus. „Etwas Privatsphäre muss sein.“

Von Andreas Dunte

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